Leo Heinrich Dr.: Seite 145,146,148-151
***************
"Zwölf Bücher niederländischer Geschichten"

Denn von seinem Bruder Jean de Dampierre kaufte er Bailleul, und gab es seinem Sohne Gui, dem er auch die Markgrafschaft Namur überlassen hatte. Schon 1286 hatte er von Gaultier de Renenger, Herrn von Moelebeke, die Kastellanei von St. Omer für 167 livres 12 den. vererbbarer Renten von den Tonlieux zu Cassel gekauft.
Dünkirchen und Warneton kaufte Gui von Balduin d'Avesnes von Beaumont, seinem Stiefbruder, welcher 1289 starb und seinem früher verstorbenen Sohne Jean zwei Enkel hinterließ, die ihm in der Herrschaft Beaumont folgten: Jean (+  1297) und Balduin (+ 1299).
König Eduard von England wußte den ohnehin den Franzosen abgeneigten Grafen von Flandern im Jahre 1294 noch mehr durch eine Heirat seines Sohnes, des Prinzen von Wales, mit des Grafen Tochter, Philippa von Flandern, an sich zu ketten. Philippa ward dem Prinzen von Wales mit einer Mitgift von 200.000 livres par. verlobt.
Es würde ihm leid sein, äußerte er, wenn er seine Pate Philippa nicht noch einmal vor ihrer Abreise sehen sollte; und so verführte er den Grafen Gui, mit seiner Tochter ihm einen Besuch in Corbeil zu machen: Seine Gemahlin und die Blüte der flämischen Ritterschaft begleiteten den Grafen, der anfangs von Philipp höchst freundlich epfangen ward; als er sich aber wieder zur Abreise anschickte, erklärte ihm der König geradeheraus, durch die Verbindung mit dem Feinde des Königreiches habe er Leib und Gut verwirkt; er und alle die Seinigen seien fürs erste Gefangene. Er und alle, die ihn begleiteten, wurden wirklich festgehalten und nach Paris in den Louvre gebracht.
Inzwischen mußte König Philipp die Sache des Grafen Gui einem Pairsgericht vortragen, welches denselben von aller Schuld freisprach. Philippa mußte als Geisel für die Treue ihres Vaters am französischen Hofe bleiben.
Alle 1296 in Geerdsbergen anwesenden Fürsten verbanden sich, dem Grafen Gui dabei Hilfe zu leisten, gegen Frankreich sowohl als gegen Frankreichs Verbündeten, den Grafen Jean von Hennegau, und Eduard verlobte  den Prinzen von Wales mit Guis jüngerer Tochter Isabella, falls die ältere aus den Händen des Königs von Frankreich nicht befreit werden könnte; außerdem versprach Eduard jährlich zur Führung des Krieges den Flämingern 60.000 livr. tourn. Subsidiengelder zu zahlen und nicht ohne Gui Frieden mit Frankreich zu schließen [Die Urkunde ist unterschrieben von Guis Söhnen: Robert, Guillaume, Philipp, Jean und Gui.].
So starb er am 7. März 1305 zu Compiegne, eben als ihn die Seinigen bald wieder zu sehen hofften.

Kinder von Mathildis:
Mathildis, Gemahlin des Grafen von Blois
Johanna, Gemahlin Graf Wilhelms von Jülich
Beatrix 1. oo Hugo von Chatillon Graf von St. Pol; 2. oo Florenz Graf von Holland
Maria, Gemahlin des Grafen von Savoyen
Margarethe oo Herzog Johann von Brabant
Philipp oo Mathilde von Teano
Jean, Propst von S. Donat in Brügge, von S. Peter in Lille, dann Bischof von Metz und später von Lüttich
Balduin + jung
Guillaume von Dendermonde oo Adelheid, Tochter Raouls de Nesle
Robert der Bethune Graf von Flandern

Kinder von Isabella:
Philippa
Adele oder Isabella oo Johann von Luxemburg, Herr von Fiennes
Margaretha 1. oo Alexander von Schottland; 2. oo Graf von Geldern
Henri oo Margaretha von Cleve
Gui von Richebourg oo Gräfin von Chimay
Jean von Namur Herr von Sluys