Wenskus Reinhard: Seite 255,261-270,279-281
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"Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel."

Im gleichen Roden tradiert aber im Jahre 800 auch der mit Egina vermählte Liuuecho und sein Bruder Reginher für seinen Vater Uualach und seine Brüder Bubo und Udilhoch [2271
CL 2002 (772 Mai 17).]. Diese Schenkungen sind in mehr als einer Hinsicht für uns wichtig, da wir damit eine Familie erkennen, in der nicht nur der Amtsvorgänger Poppos im Saalegau, Graf Liwicho (795-817 bezeugt), seinen Platz hat, sondern auch der Name Poppos (hier in mhd. Form des Kopisten Bubo) gebräuchlich war.
Die Art der Verwandtschaft des mit Ekberts (I) Schwester vermählten Hadubert mit Liwicho könnte über die Schwester Abas und Haduberts gehen, denn der Bruder Liwichos, Reginher, wird mit jenem Geistlichen Reginher identisch sein, der auch Albrich genannt wurde [2272
CL 3761c (797).], wie der Schwester-Sohn Abas und Haduberts. Den Großvater Liwichos lernen wir aus einem Prümer Prekarienvertrag von 776/77 mit Uualac, dem Vater Liwichos, kennen [2273 Mittelrhein. UB 30.]. Er hieß Franco und hatte noch einen zweiten Sohn Warinbald. Daß es sich um die gleiche Familie handelt, wird dadurch gesichert, daß nicht nur ein Bobo, sondern auch Ualahs Schwiegervater Theodo diesen Vertrag bezeugt. Der Graf Franco ist noch einmal Zeuge in einer Lorscher Tradition, die sich nicht genau datieren läßt. Nach dieser schenkt Bubo per manus Adalberti et Wezelonis drei Hufen in Dalsheim nordwestlich Worms [2274 CL 1132.]. Hier ist also mit Adalbert ein zweiter POPPONEN-Name, der freilich im 9. Jahrhundert schon sehr häufig ist, mit einbezogen. Einem Franco begegnen wir dann noch zweimal in Mommenheim südlich Mainz in bezeichnender Gesellschaft. Es gehört zu den Orten der großen Aba-Schenkung.
Doch es darf nicht verschwiegen werden, daß noch andere - und vielleicht bessere - Kombinationen möglich sind. Die Tatsache, daß Liwicho, der Vorgänger Poppos I. als Graf im Saalegau, einen Bruder namens Bubo (= Poppo) hatte, darf nicht übergangen werden. Und wenn noch um die Mitte des 9. Jahrhunderts ein Graf Walah, der den Namen von Liwichos Vater trägt, ausgerechnet im popponischen Besitzzentrum Theres-Knetzgau eine Schenkung an Fulda macht [2340
Vgl. oben bei Anm. 2257.], kann dies nur die Vorstellung einer engen Verbindung zwischen Liwicho und seinem Nachfolger Poppo I. begünstigen. Wie die POPPONEN hatte auch dieser Graf Walah RUPERTINER als Verwandte [2341 Vgl. zuletzt W. Metz (wie Anm. 2249) S. 140 mit Anm. 33.]. Möglicherweise hat die Ehe eines Bubo mit einer Williswind, die den Namen der Frau Ruperts I. führt, diese Verbindung zwischen der Familie Liwichos und den RUPERTINERN herbeigeführt [2342 Im Jahre 797 tradieren Bubo und seine Gemahlin Williswind Güter in Mannheim, Dornheim und Feudenheim mit 13 mancipia an Lorsch; CL 582. Ein Lantbert zeugt dabei an erster Stelle, was die rupertinische Verwandtschaft weiter sichert.] Nichts steht der Ansicht entgegen, diesen Bubo mit dem Bruder Liwichos gleichzusetzen. Das gilt auch für jenen Bobo, der für seine Mutter Eggiwiz in dem gleichen Bodenheim tradiert, wo auch seine Mutter-Schwester Aba und deren Vater Theodo begütert sind und der RUPERTINER Heinrich (Heimericus) zu finden ist [2343 CL 12 (786) Aha; CL 1333 (794) Bobo/Eggiwiz; CL 1343 (767) und 1345 (771) Theodor CL 1328 (770/2) Heimericus.], dessen Name dann später der bedeutendste POPPONE trägt. Ein weiteres Indiz mag darin gesehen werden, daß Graf Poppo I. 839 gegen seine Amtslehen in der Buchonia fuldische Güter unter anderem in Ernustesheim und Streu bei Mellrichstadt ertauschte [2344 CDFuld. 524 (839).], wohl weil er in dieser Gegend seine Besitzungen konzentrieren wollte. Die erste Tradition (795/802) in Streu ist die von Ernust (vgl. Ernustesheim) und Wartrun [2345 Fuld. UB I 526. Ernest ist übrigens auch Tradent in dem in der Aba-Schenkung genannten Ob./Nd. Höchstadt, CL 3380 (805/13).], bei der Liwicho comes erster Zeuge ist. Aus einer Lorscher Schenkung erfahren wir, daß Wartrun einen Sohn Reginher hatte [2346 CL 2885 (792).], der also den gleichen Namen hatte wie Liwichos Bruder. Die zweite Fuldaer Tradition in Streu, die der Hildeburg, wird 824 von Adalperaht - mit einem POPPONEN-Namen - bezeugt [2347 CDFuId. 454 (824).]. Und die dritte und letzte von 826 betrifft Germunt und seine Schwestern Batahilta und Uualahinna [2348 CDFuId. 467 (826).]. Germunt hatte übrigens Benedicta zur Frau, aus einer mit Aba verwandten Familie, deren Schwester Theota wieder mit einem Reginher (vgl. den Bruder Liwichos und den Sohn Ernusts und Wartruns) verheiratet war [2349 CL 1426 (795) Germund und seine Frau Benedicta; Benedicta war die Tochter Odolfrids (CL 910, 771) aus dem gleichen Harxheim, das wir aus den Schenkungen Abas und ihrer Angehörigen kennen lernten; vgl. oben Anm. 2278. Odolfrid ist erster Zeuge für Aba und ihren Gemahl Addo in Harxheim, mit seinem Sohn Benedict (CL 907, 778); Benedict als Sohn Odolfrids (CL 988, 771); Theota als Schwester Benedicts (Find. UB 1 89, 779); Theota als Gemahlin Reginhers (CL 1198, 769). Der Name Theotas und der Theodos, der Mutter Abas, weisen auch auf Verwandtschaft hin. Theoda ist auch Tradentin in dem Dortelweil (südöstlich Bad Homburg) der Aba-Schenkung (CL 3368, 789).].
Schließlich sei noch auf die Tradition eines Priesters Halbuualah von 796 hingewiesen, nach der dieser eine Hofstätte in Mainz zugunsten eines Bischofs Buobo an Fulda schenkt [2250
Fuld. UB I 245.]. Daß auch diese Personen in die Familie gehören, ist wahrscheinlich, doch bleibt die genauere Zuordnung fraglich. E. E. Stengel hat Halbwalah mit dem Kleriker Alwalah gleichsetzen wollen, der 772 eine große Schenkung an über zwanzig Orten vom Rheingau bis Thüringen an Fulda machte [2351 Fuld. UB I 57.], 780 Mönch in Fulda wurde und als solcher 803 starb. Akzeptiert man diese Identifikation nicht, könnte man bei Halbwalah auch an einen Bruder Liwichos denken. Auch Liwichos Vater war als Sohn eines Franco und einer Eulalia [2352 Eulalia als Mutter Walahn in Meckenheim (südöstlich Bad Dürkheim) (CL 2066, 795). Daß es sich um unseren Walah handelt, wird durch die Seelgerätstiftung für seinen Vater Franco, für Rizbert (statt Richbert) und Wolbert am gleichen Ort gesichert (CL 2064, 782). Auch Theudo, der Vater Abas, Haduberts und Eggiwiz' (Frau Walahs) tradiert in Meckenheim (CL 2067, 768/9).] kein reiner Walah (= Welscher) mehr, sondern eben auch ein Halbwalah.
Graf Liwicho hatte seine Güter in Jüchsen im Grabfeld an Widarolt und dessen Sohn Arnolt hinterlassen [2353
CDFuld. 515 (838). Wenn dieser Widarolt mit dem Sohn den Heiat identisch ist (vgl. K. Bosl , wie Anm. 508a, Seite 82 und 98 f.), hätte er eine Mutter mit Namen Tetta, wie die erste ekbertinische Äbtissin von Herford hieß. Tetta war aber eine ehemalige Leibeigene, die freilich oft Namen der Herren übernehmen.]. Einen älteren Arnold finden wir als Zeugen mit Ermenold sowohl im Lobdengau wie im Grabfeld [2354 CL 488 (769) in Wallstadt; Fuld. UB 1 154 für Emhild von Milz, wo beide nebeneinander testieren. Ermenold ist in Würgea (bei Kamberg) mit Liwicho und Teudrada begütert; CL 3720 a (795); CL 3081/3715bb (791); 3083/3715b (790); 3085/3721b (797). In Eimsheim im Wormsgau finden wir zusammen: Rutgarda, die Schwester Theodos (CL 1946, 769), Ado, den Mann Abas und Schwiegersohn Theodoa (CL 1948, 782), Theudrada (CL 1962, 766/7) und Arnold (CL 1950, 769). In Walahesheim (Walsdorf südöstlich Limburg) haben wir neben Liwicho auch Ermenold mit seiner Gattin Giselhild; CL 3109/3720a (795).]. Er war Bruder eines Dudo, während ein Dudo seinerseits wieder Bruder eines Bubo (= Poppo) war [2355 Dudo und sein Bruder Arnold in Sausenheim (bei Grünstadt); CL 1313 (790). Bubo und sein Bruder Dudo in Seckenheim (Lobdengau); CL 621 (771).]. Arnold war in Schwetzingen begütert; bei seiner Tradition ist Tiedo (= Theudo) einer der drei Zeugen [2356 CL 759 (783).]. Hier in Schwetzingen treffen wir weiterhin Guntzo [2357 CL 760 (783).], den wir aus einer anderen Tradition als avunculus Wicberts und Engelberts kennen lernen [2358 CL 799 (825).], Rechio [2359 CL 761 (783).], der auch Vater eines Engelbert ist [2360 CL 288 (767).], einen jüngeren Franko mit seiner Frau Guntbirg [2361CL 764 (790).], Rutbert mit seinem Erstzeugen Guntbert [2362 CL 768 (803).], Alicho mit seiner Frau Colona, die auch Bertswind heißt [2363 758 (782).] wie die Schwester Wolfhards, die mit Heimo vermählt war [2364 Vgl. oben Seite 259 bei Anm. 2825.]. Damit sind wir wieder mitten unter Namen, die wir bei der Besprechung unserer ersten Möglichkeit der Abstammung Poppos I. erörterten. Das zeigt aber doch wohl, daß wir es mit verschwägerten Familien zu tun haben. Bezeichnend ist noch eine weitere Traditition. Ermbert, auch mit einem RUPERTINER-Namen, schenkt in Schwetzingen zu Gunsten von Hascheritus und Cilina [2365 CL 753 (773). Vielleicht ist bedeutsam, daß ein jüngerer Escrichius zusammen mit einem Heimricus in +Steinbach (oberhalb Heidelbergs) in der Mitte des 9. Jh. tradiert; CL 410.]. Diese Cilina war die Mutter eines Bubo [2366 CL 333 (781).] und Tochter einer Bona [2367 CL 679 (773).]. Sie tradiert in Dienheim mit Wolfbert zusammen [2368 CL 1671 (796/7) Wolfbert und Cilina.] Diese Häufung romanischer Namen (Colona, Cilina, Bona) ist überraschend und bezeichnend. Sie rechtfertigt auch den Namen Walahs [2369 Ein jüngerer Arnold testierte übrigens mit zum Teil den gleichen Mitzeugen kurz hintereinander 867 für einen Walah in Wieblingen und Bergheim (CL 742/728) und für Engelbert in Nußloch (CL 808).] des Vaters von Liwicho.
Der Name von Walahs Mutter Eulalia kehrt noch einmal wieder als der der Schwester eines Snelhard und eines Geroch in Dallau in der Wingarteiba [2370
CL 2812 (784/808); vgl. CL 2816.]. Als Mutter des Geroch bezeichnet sich eine Rosanne [2371 CL 3565 (791).] am gleichen Ort. Geroch schenkt 827 zum Teil in den gleichen Orten wie Aba, die Mutter-Schwester Liwichos (Mommenheim südlich Mainz, Dienheim) und wie Engelbert und Wicbert, die Neffen Gunzos (Leimen südlich Heidelberg) [2372 CL 1361 (827).]. In Leimen machen 823 Wicbodo und Heimrich für Suburenzo eine Stiftung an Lorsch [2373 CL 800.]. Diesen Namen Suburenzo hat schon M. Mitterauer mit Recht zu den romanischen Namen der Familie des Lobdengaugrafen Warin gestellt [2374 M. Mitterauer (wie Anm. 511) S. 148 ff.], der ebenfalls einen Sohn namens Gerhoh hatte [2375 CI 216 (804?).].
Der Name Bobos (Bubo, Poppo) erscheint immer wieder in einer Weise mit romanischen Namen verbunden, die auf romanische Abkunft schließen läßt. Schon früh sind Männer dieses Namens als hohe Würdenträger des fränkischen Reiches bezeugt. 584 fungiert der dux Bobo, der Sohn des Mummolinus, als Brautführer der Rigunthe [2376
Greg. Tur. VI 45.], und 639 fällt der dux der Auvergne Bobo gegen Radulf [2377 Fredegar IV 87.]. S. Corsten hat diese und andere Personen dieses Namens einer Familie zugeordnet, die durch -gisel-Namen gekennzeichnet ist (Bodegisel, Adelgisel, Eberigisel, Adregisel), was in einigen Fällen berechtigt sein mag [2378 S. C o r s t e n , Rheinische Adelsherrschaft im ersten Jahrtausend, in: RheinVjbll.28 (1963) Seite 112.]. Aber es sei in diesem Zusammenhang auch auf die merkwürdige Tatsache hingewiesen, daß auch in rhätischen Urkunden die Namen Bobo (Pouo) und Liwicho (Libucio) als iudices mit einem Ercenbert in Rankweil genannt werden [2379 Bündner UB I 96 (920); vgl. I 82 (890). Vgl. auch St. Gall. UB I 189 (806) die Zeugen Ercanbert comes und Puabo, 1222 (817) Puabo und Hruadpert nebeneinander, I 289 (825) Libucio mit Frau Ampelia und Sohn Berfred mit dem Zeugen Stephanus; zu Stephan oben Seite 248. - I 487 (861), I 695 (894), II 7 (861) Thlothard und Bruder Pubo.]. Hier können wir das nicht weiter verfolgen. Uns genüge die Feststellung, daß der Name Bubo/Poppo wohl über die Familie Eulalias, der Mutter Walahs und Frau des Grafen Franco, in die Familie Graf Liwichos gekommen ist.
Trotz aller vorgebrachten Hinweise würde ich dennoch Bedenken haben, Poppo I. einfach als Sohn seines Vorgängers Liwicho im Saalegauer Grafenamt anzusehen. Die Aufeinanderfolge der Grafen in diesem Raum, - Eburacar - Unwan - Liwicho -, zeigt an, daß nach den voraufgegangenen Erörterungen alle zwar verwandt waren, doch keineswegs Agnaten. Die Feststellung der Verwandtschaft ist eigentlich trivial, müssen wir doch ohnehin annehmen, daß viele der Familien der nobiliores terrae untereinander verschwägert und verwandt waren. Die Gründe der Bevorzugung der einen vor der anderen Person aus diesem Verwandtschaftskreise für das Amt sind uns jedoch nach wie vor dunkel, ehe sich in spätkarolingischer Zeit auch in diesem Raum der reine Erbgedanke durchgesetzt hatte. Zudem sahen wir, daß Liwichos Güter wenigstens zum Teil an Seitenverwandte oder einen Schwiegersohn vererbt worden waren [2380
Vgl. oben bei Anm. 2353.]. Wenn andererseits erst Liwichos Bruder Bubo die RUPERTINERIN Williswind geheiratet hatte [2381 Vgl. oben bei Anm. 2342.], können die von W. Metz immer wieder betonten rupertinischen Erbgüter der POPPONEN in Ost-Franken von diesem abgeleitet werden;
Aber vielleicht sind wir auch damit schon wieder einem genealogischen Kurzschluß erlegen. Der Name Williswind war ja wohl erst durch die Gemahlin Ruperts I. in die rupertinische Familie gekommen. So ist es auch nicht sicher, wenn auch gerade noch möglich, die Uuilliswinda, die 754 als Gemahlin Nordperts bezeugt ist, mit M. Gockel als RUPERTINERIN anzusehen [2382
Vgl. M. Gockel (wie Anm. 1525) Seite 247.]. M. Gockel führt den Anteil Nordberts an der mit Recht ursprünglich für rupertinisch gehaltenen Lambertikirche in Mainz auf eben diese Dame zurück. Aber schon der Name Nordberts, der unter seinen Otacharischen Brüdern (Odacrus, wohl auch Eburacar), Neffen (Bernschar, Eburacar) und Vettern (Theudacar, Liutger) durch sein -bert-Glied auffällt, könnte schon auf RUPERTINER-Abstammung durch seine Mutter weisen. Wie es aber auch sein möge, die nahen Beziehungen von Bubos Familie zu Helmswind, der Tochter Nordberts [2383 Helmswind und Crapucha als Töchter Nordberts in Wackernheim und dem schon genannten Saulheim: Fuld. UB 1 267 (800). Zu Saulheim als auch rupertinischem Besitzkomplex vgl. oben bei Anm. 2294 ff.], lassen die Möglichkeit zu, daß auch Bubos Frau Willeswind eine Tochter Nordberts war. Helmswind hatte 797 in Laubenheim, einem Ort der Aba-Schenkung, ebenfalls tradiert [2384 MCL 1096 (797).]. Sie war mit Zeizo verheiratet, bei dessen Tradition 804 in Pfungstadt, nicht nur Gerhoh, der Sohn Graf Warins, sondern auch ein Adalbert und ein Bubo testieren [2385 CL 216 (804).]. Dieser Bubo gehört vielleicht schon der nächsten Generation an, wenn wir die Stiftung Liwichos von 800 [2386 CL 3649 (800).] in dem Sinne auslegen, das sein Bruder Bubo schon tot war, was allerdings bei derartigen Schenkungen nicht notwendig vorauszusetzen ist, wie sich an vielen Stellen zeigen läßt.
Hier in Pfungstadt sind neben den NANTHAREN [2387
CL 214 (785) Wernher und Sohn Nanther.], OTACHAREN [2388 Der ältere Zeizo (CL 215, 792) hatte einen Bruder Liutger.] und RUPERTINERN [2389] auch ein Udilhoh und ein Franco anzutreffen, die in die Generation nach Liwicho/Bubo gehören. Die Zeugen gewährleisten die Zuordnung zur Familie [2390 CL 219 (837) Graf Guntram.], auf die schon ihre Namen deuten (vgl. den Bruder Liwichos Udilhoh und seinen Großvater Franco). Weiterhin muß in diesem Zusammenhang eine Fuldaer Tradition aus Friesland erwähnt werden, nach der ein Bubo de Fresia über Gut der Helmsuint „in pago Ostrache" verfügt [2391 Trad. Fuld. 7.93 Vgl. unten bei Anm. 2653.]. Die Seltenheit des Namens Helmswind schließt einen Zufall bei dieser Kombination nahezu aus, doch dürfte auch diese Tradition einer späteren Generation der Familie angehören, deren Interessen wir noch öfter mit Friesland verbunden sehen werden. - Eine weitere Verbindung von Bubo zu Nordbert kann sich daraus ergeben, daß jene Atula, die 800 unmittelbar neben Norbert als Teilhaberin der Lambertikirche genannt wird, mit der Adola identisch ist, die wir als Frau des älteren Arnold in einer Dienheimer Schenkung finden [2392 CL 1658 (767). Zu Arnold oben bei Anm. 2354 f.].
Eng mit der Familie Nordberts verbunden ist nun eine Namengruppe, auf die bereits M. Gockel mit Recht hingewiesen hat [2393
M. Gockel (wie Anm. 1525) Seite 249 f.]. Es sind vor allem die -bert-Namen Adalbert, Raganperd, Theotperd, Uuolfpraht und Hariperd, von denen Adalbert später zu einem Leitnamen der POPPONEN wurde. Daher hat S. Krüger einen dieser Adalberte, Adalbraht comes, dessen Tod die Fuldaer Totenannalen zu 779 verzeichnen, als gemeinsamen Ahnen der POPPONEN und der fränkischen BILLINGE angesehen [2394 S. Krüger (wie Anm. 5) Seite 89 Anm. 1]. Ob dieser Graf der Adalberctus ist, der mit seiner Gattin Irminsuuinda (Ermensina), einer Schwester Graf Leidrats, 751 eine Hufe in Mainz an Fulda schenkt [2395 Fuld. UB I 11.], ist wahrscheinlich aber nicht sicher, da auch zwei weitere Adalperde für ihn zeugen. Unter den Zeugen dieser Urkunde weist der Name eines Uuala wieder auf unsere Franco-Walah-Liwicho-Bubo-Familie. E. Zöllner sieht in diesem Adalbert den Vater der OTACHARE Odacar, Nortbert (und Eburacar), was sehr gut möglich, aber ebenfalls nicht sicher ist [2396 E. Zö1lner , Zur Bedeutung der älteren Otakare für Salzburg, St. Pölten und Wien, in: Neues Jb. „Adler" 3 F. 1 (1947) Seite 18 Anm. 86. Skeptischer M. Gocke1 (wie Anm. 1525) Seite 249 Anm. 245.]. Doch können wir mit Zöllner und Gockel annehmen, daß Adalperd, Raganperd, Gundpert und Theotperd keine Brüder Odacars und Nortberts waren. Da wir nur jeweils mehrere Töchter, aber keine Söhne dieser beiden Brüder aus den Traditionen unmittelbar kennen, obwohl wenigstens Nordbert solche gehabt hat [2397 Vgl. Fuld. UB 1 87 (779), eine Urkunde einer Tochter Odacars, die von ihren Schwestern und dem Vater bezeugt wird; hier werden als Besitznachbarn in Mainz die filii Nordberti ausdrücklich erwähnt.], ist es also möglich, daß auch ein Adalbert unter diesen war. Damit wäre das Vorkommen dieses Namens bei den POPPONEN erklärt, wenn wir Liwichos Bruder Bubo als deren Vorfahren ansehen. Aber auch hier darf nur eine Möglichkeit, keine Sicherheit vorausgesetzt werden. Gerade der Name Nordberts zeigt, daß schon wesentlich frühere Kontakte bestanden haben müssen. Er ist nämlich auch in einem Walaheim (Wahlheim bei Alzey, Walheimer Hof bei Selzen oder Hangenwahlheim südlich Oppenheim?) begütert [2398 CL 1277 (778).].
Dann aber beschränken sich die rupertinischen Bezüge auch nicht auf Bubo allein. Die erste Frau Graf Liwichos, Ru(t)burg [2399
Vgl. E. E. Stenge zu Fuld. UB I 262 Seite 370 f.], scheint aus dem Verwandtenkreis der RUPERTINER zu stammen. Für sie und für einen Ruding machten Eberwin und Einold 801 eine große Schenkung an Lorsch in zwei Orten des Kraichgaus, acht Orten des Lobdengaus und zwei Orten des Speiergaus [2400 CL 2257 (801).]. Liwicho ist dabei nicht genannt. Er war bereits im Jahr 800 mit Egina verheiratet [2401 CL 3649 (800).]. Der Tod Rutburgs lag also schon etwas zurück. Daß wir es mit der Frau Liwichos zu tun haben, wird durch die Namen sichergestellt, mit denen Ruding sonst verbunden ist. Ein jüngerer Ruding hatte einen Bruder namens Uuerinbald [2402 CL 415 (820). Bei der Tradition mit dem Erstzeugen Hildibald testieren unter anderem Richbert ... Isinhart, Engilbert ... Racher, Theothard.], mit einem Namen also, den ein Vater-Bruder Liwichos und Bubos trug. Der Name Ruding ist offensichtlich schon durch Nachbenennung in diese Familie mit -bald-Namen geraten [2403 Diese Familie kann sehr gut erfaßt werden, weil bei ihr die alten Namengebungsregeln noch nicht ganz aufgegeben waren. Die ältesten im Lorscher und Fuldaer Material faßbaren Mitglieder waren die Brüder Reginbald und Wol(f)bald (CL 2546, 768/78), Die engere Familie Wolfbalds kennen wir aus Fuldaer Traditionen: Fuld. UB I 184 (789) mit Theoto comes als erstem Zeugen; Fuld. UB I 195 (792) mit Gattin Ludabirg, Fuld. UB I 279 (801) mit Sohn Lantbald. Ein Zentrum der Familie war •+Botzheim bei Ladenburg, das auch in der erwähnten Rutburg-Schenkung betroffen ist. Hier schenken 803 Reginbald und sein Sohn Trutbald für das Seelenheim von Hiltdiniu, Hiltdiniwa, Rihmadali, Cunimadali, Erlebald und Heribald. Die Beziehung zu unserem Namenkreis wird hier deutlich in den Schenkungen des Einolt und Lantbalt für den jüngeren Egilbert und seinen Bruder Dagulf, wobei Wolfhard testiert (CL 803,808). Wolfhard zeugt neben Druhbald auch für Wacho an diesem Ort; CL 793 (788? ). Werinbald wieder können wir unter den Zeugen Ramberts (Rambert hieß der Sohn Dudos CL 719, 795) finden; CL 811 (838). Noch 850 begegnen wir der bezeichnenden Zeugenreihe ... Werinbald, Bubo, Wegelenzo; CL 480. In Mingolsheim im Kraichgau sind die Brüder Rudinc, Werinbalt und Herbald in einer gemeinsamen Schenkung verbunden; CL 2291 (805/13). Die Zeugenreihen .. . Heribald, Drutbald, Ruding, Werinbald ... (CL 528, 799),... Trutbald, Ruding ... (CL 582, 797 für Bubo und seine Frau Willeswind) und Ruding, Tratbald ... (CL 792, 783) machen es wahrscheinlich, daß nicht nur Trutbald, sondern auch Ruding, Heribald und Werinbald Söhne Reginbalds waren. Zur Familie gehört sicher auch Hildibald, der für Ruding und Werinbald als Erstzeuge testiert (vgl. Anm. 2402) und für den umgekehrt Reginbald und Dudo zeugen; CL 365 (865). Weitere Erörterungen, so interessant sie sein mögen - vor allem die Verbindung zur Gunthelm-Machelm-Gruppe - müssen wir vorerst aufschieben.] aus der wiederum der Name Werinbald in die Familie Francos überging. Eihold finden wir als Aginold mit Ghroding/Ruding und Bacchild schon 767 in Handschuhsheim tradieren. Der Bruder dieses älteren Ruding war Waning, mit einem Namen, den wir im RUPERTINER-Kreis schon besprochen haben [2405 CL 195 (768); vgl. CL 196 (770); CL 710 (785) mit Wanings zweiter Frau Hildeburg. Vgl. oben? 5.160.]. Ein Waning war mit einer Richswint verheiratet [2406 CL 3473 (774). Eine Richsuint (mit dem gleichen Wago) finden wir auch um 800 in Schefflenz (CL 2869). Da auch der ältere Ruding hier begütert ist (CL 2868, 778), liegt die Annahme nahe, daß die Hildeburg, mit der Waning 785 verheiratet war, entweder Wanings zweite Frau war, oder daß der Mann der Hildeburg der nächsten Generation angehörte. Zur Familie muß der letztere auf alle Fälle gerechnet werden, da Rudung für ihn als Erstzeuge auftritt; CL 710.], und ein Babo tradierte zwischen 774 und 784 für seine Mutter Richswint [2407 CL 2501 (774/84).].
Daß dies kein Zufall ist, zeigen die Tradition Wanincs 790 in der Babenheimer Mark (bei Rodenbach im Wormsgau) [2408
CL 1051 (790).] und die häufigen Zeugendienste Babos gerade im Zusammenhang mit Personen der erwähnten -bald-Gruppe [2409 CL 314 (772) zusammen mit Trutbald; CL 473 (795) einziger Zeuge für Reginbald; CL 613 (782) wieder für Reginbald; CL 628 (777) neben Heribald. Zum Teil handelt es sich um den Sohn des Klerikers Walram, der an fünf Orten des Lobdengaus und drei des Anglachgaus Lorsch mit einer großen Schenkung bedenkt, wobei Eigilbert testiert; CL 678 (770). Die Belege sind nicht reinlich zu schneiden.]. Es scheint also, als ob auch der Name Babo, der dem Namen der POPPONEN-Burg Babenberg zugrundeliegt, rupertinisches Erbe wäre, wobei der Lorscher Abt Babo (876/881) in Erinnerung zu bringen ist.
Damit sind die Verbindungen der Familie Liwichos und Bubos zum RUPERTINER-Kreis noch lange nicht alle erfaßt. Im Jahre 782 wurde von Gomofrid für Liwichos Großvater Franco, *Richbert (Hs. Rizbert) und Wolbert (Walbert oder Wolfbert) eine Seelgerätstiftung in Meckenheim südöstlich Bad Dürkheim gemacht [2410
CL 2064 (782). Zum Verhältnis von Woffbert-Cilina-Bubo vgl. Anm. 2622.], einem Ort, an dem auch Walah, Liwichos Vater, für seine Mutter Eulalia tradiert hat [2411 CL 2066 (795) vgl. oben Seite 263.]. In jenem schon mehrfach erwähnten Wachenheim - mit Corveyer Besitzansprüchen - hat schon zwei Jahre vorher Gunbert für seinen Vater Rihbert eine derartige Stiftung gemacht, während Rachbert gleichzeitig zugunsten Wicberts schenkte [2412 CL 1299 (780).]. Wenn wir nun erfahren, daß Gunbert, dessen Name sicher im rupertinischen Bereich zu Hause ist, mit einer Albswinda vermählt war [2413 CL 2064 (770); vgl. CL 1214 (778).], Albswinda jedoch die Mutter Wanings war [2414 CL 450 (767).], schließt sich der Kreis erneut, was noch durch eine gemeinsame Tradition Guntzos und Wanings für Hildiburg in Schwetzingen unterstrichen wird [2415 CL 760 (783).], denn Guntzo wird von den schon erwähnten Brüdern Engelbert und Wicbert (der Jüngere) als ihr avunculus bezeichnet [2416 CL 799 (825).].
Diese vielfältigen Beziehungen zum RUPERTINER-Bereich, die mit den gemachten Angaben keineswegs erschöpft sind, erklären das Vorkommen der Namen Adalbert und Heinrich bei den POPPONEN zur Genüge [2416a
Die Beziehung zu den RUPERTINERN wird auch in einem anderen Zusammenhang deutlich, in dem der Name Heinrich eine Rolle spielt. Ein Bubo, sicher nicht der Bruder Liwichos, doch wohl ein Verwandter seiner Großmutter Eulalia (vgl. oben bei Anm. 2379) hatte eine Mutter Cilina (CL 333, 781). Für diese tradiert ein Mann mit dem Rupertiner-Namen Ermbert, zugleich für Hascheritus (wohl = Ascrich) in Schwetzingen, wo auch Ada, die Großmutter Liwichos/Bubos von Mutterseite her begütert ist (CL 765, 795). Ein Escrihius (= Ascrich) tradiert etwa 850 nun gemeinsam mit Heimricus in +Steinbach (oberhalb Heidelberg, CL 410). Nun finden wir in Gundheim (bei Worms) 802 die Geschwister Heimrich, Ercanswind und Ermbert (CL 1064) und 801 Thurinbert, Ermbert und Herchenswint (CL 1061), so daß eine Beziehung zwischen den Schenkungen Ermberts für Hascheritus und Cilina einerseits und der von Escrihius und Heimricus andererseits deutlich wird und auch der rupertinische Bezug durch die Guntheimer Geschwister gegeben ist. Doch gerade hier in Guntheim finden wir andere -rich-Namen neben Heimrich: Folcrich, für den Thurinbert, Ermbert, Herchenswind stiften (CL 1061, 801), Wisirich (CL 1062) und Bertrich (CL 1063), so daß die Möglichkeit besteht, daß der Name Heinrich bei den POPPONEN nur eine indirekte Beziehung zu den RUPERTINERN anzeigt und über die Familie Eulalias und des älteren Bubo, des Sohns der Cilina, in die Familie kam. Auch der Name Wolfbert (oben bei Anm. 2410) ist nicht nur mit dem Namen Francos, sondern auch mit dem der Cilina verbunden. Ein (jüngerer?) Wolfbert zeugt bei einer Schenkung Ermberts und macht 796/97 mit einer jüngeren Cilina eine gemeinsame Stiftung in Dienheim (CL 1671).]. Der Name Vodilhoh gehört dagegen zu jenen im Umkreis der Familie Eulalias verbreiteten Namen auf -hoh (Geroh usw.). Schwieriger ist der Name von Liwichos Bruder Reginher-Alberich einzuordnen. Der Traditionsname Alberich weist wie eine Gruppe von -her-Namen (Gunther, Giselher, Willeher usw.) in einen burgundischen Traditionszusammenhang [2417 Vgl. den Nibelungenexkurs passim.], der im Nibelungenexkurs und im Nibelungen-Esikonenkapitel näher behandelt wird. Eine Seelgerätsstiftung eines sonst nicht näher bestimmbaren Egilher an fünf Orten des Lobdengaus wieder zusammen für Ruding und Rutbirg [2418 CL 730 (780/810). Die Schenkung eines Luther mit seinem Bruder Bobbo in Neckarzimmern (CL 2574, 771) kann in gleichem Sinn gedeutet werden.] kann ebenfalls in diese Richtung deuten.
Ähnliches gilt für den Namen Adalhard, der ursprünglich der BILLINGE-Gruppe zuzuordnen ist. Beziehungen zu den BILLINGEN-WARINIDEN haben wir mehrfach festgestellt [2419
Vgl. z. B. bei Anm. 2253 ff. u. ö.], doch waren sie nicht konkret zu fassen. Auch zur Familie des Lobdengaugrafen Warin führten über die romanischen Komponente der Familie Verbindungen [2420 Vgl. bei Anm. 2375, 2385.], für die das gleiche gilt. Man könnte an eine indirekte Übertragung durch die Familie von Walahs Frau, der Tochter Theotos, denken, deren Familie besonders eng mit den BILLINGEN verbunden erscheint [2421 Aba, die Tochter Theotos, ist selbst in Bellingen begütert gewesen; CL 12 (786). Ein älterer Liwicho, für den und dessen Bruder Reginbodo ein dritter Bruder Ratbodo in Gartach tradiert [2422 CL 2776/2792 (780);vgl. 2772 (788).], ist hier mit den BILLINGEN Bruning, Stalhard, Bernher aber auch mit Engelbert und Albrich (Bruder Graf Liwichos) vergesellt [2423 Bruning CL 2780; Stalhard CL 2778; Bernher 2783; Engelbert 2782; Albrich.]. Aber auch von hier aus läßt sich nur die Verbindung als solche, nicht die Art der Beziehung erkennen. Ein Bubo ist auch in Ursel zu finden [2424 Trad. Fuld. 42, 203. ], einem Ort, an dem auch Bernhards Frau Cristina tradiert hat [2425 Trad. Fuld. 42, 208.], auch hier ist das Verhältnis nicht deutlich.
Diese Auffassung wäre nicht ohne Bedeutung auch für die ostfränkischen POPPONEN. Immer wieder taucht auch in ihrer Umgebung der Name Burchard auf. Ein erster Graf Burghard wird 857 und 866 als Zeuge für den Grafen Christian im Grabfeld und für einen Vasallen des Grafen Hessi in fuldischen Urkunden genannt [2510
CDFuld. 572 (857); CDFuld. 589 (866).]. Ober eine Grafschaft Burghards in Franken haben wir zu dieser Zeit noch keine Nachricht. Angesichts der eingangs beschriebenen Verbindungen der EKBERTINER zu den POPPONEN wäre die Annahme, daß es sich um den gleichzeitig bezeugten ekbertinischen Grafen im Dreini und Threcwiti handeln könnte, nicht absurd. Neben den Söhnen Poppos II., Adalbert und Poppo III., ist im Grabfeld dann ein weiterer Burchard bezeugt [2511 MGH DLdD 61 (908).], der wohl mit dem Markherzog identisch ist, dem nach der Absetzung Poppos II. (892) und einem konradinischen Zwischenspiel die Sorbenmark und der thüringische Dukat übertragen wurde [2512 Regino von Prüm ad a. 892. Bereits 889 erscheint Graf Burkhard als Zeuge in einer Urkunde, die sich auf die Grafschaft des POPPONEN Adalbert bezieht: CDFuId. 631.] und der am 3. August 908 im Kampf gegen die Ungarn fiel.
Der Name Burghard spielt aber auch bei den Nachkommen der POPPONEN eine Rolle. Nach der herrschenden Meinung war der erste babenbergische Markgraf in der bairischen Ostmark Liutpold I., der, 976 zuerst genannt, eine Neuordnung der durch den Aufstand Heinrichs des Zänkers entstandenen Verhältnisse anbahnen sollte [2517
K. U. M. U h I i r z , Handbuch der Geschichte Österreich-Ungarns 1 (3. A. 1963) Seite 217.]. Doch hatte er dort eben schon einen Vorgänger namens Burchard, den E. Kimpen für Liutpolds Vater hält [2518 E. Kimpen, Zur Genealogie der bayrischen Herzöge 908-1070, in: Jb. f. fränk. Landesforsch. 13 (1953) S. 69 ff. Vgl. dazu F. G e 1 d n e r , Zum Babenberger-Problem, in: Hist. Jb 81 (1961) S. 13 f.]. Ob das in dieser Form stimmt, ist fraglich, doch spricht eine gewisse Wahrscheinlichkeit dafür, daß er BABENBERGER war, denn sein Sohn, Bischof Heinrich von Augsburg (973-982), trägt einen der altbabenbergischen Leitnamen. Bezeichnenderweise heißt auch Burchards Nachfolger in seiner Stellung als Burggraf von Regensburg Pabo (= Babo) [2519 Nach J. Simon, Stand und Herkunft der Bischöfe der Mainzer Kirchenprovinz (1908) Seite 45 f. war Heinrich von Augsburg Sohn des Grafen Burkhard und einer Tochter Herzog Arnulfs von Bayern. Burkhards Vater soll der gleichnamige Markgraf gewesen sein. Nach E. Kimpen (wie Anm. 2458) Seite 69 ff. war bereits Markgraf Burkhard Schwiegersohn Arnulfs. So auch K. Lechner , Beiträge zur Genealogie der ält. österr. Markgrafen, in: MIÖG 71 (1963) Seite 247 ff. - Graf Pabo als Burggraf von Regensburg: MGH DO II 293 (983).]. Auch jene schon von älteren Genealogen vertretene Auffassung, daß Bischof Burghard II. von Würzburg ein „HENNEBERGER" war, wofür den Neueren nicht genügende Anhaltspunkte vorlagen [2520 Vg1. W. Schlesinger (wie Anm. 2222) 3. 162.], ist in diesem Zusammenhang wieder aufgewertet worden, indem man ihn zum Sohn Adalberts und Enkel Poppos II. machte [2521 Vgl. F. Geldner (wie Anm. 2458) Seite 13 Anm. 52 nach E. Kimpen.].
So wird schließlich die Annahme nicht abwegig, in Burghard, Poppos II. Nachfolger im Markherzogtum, einen ekbertinischen oder konradinischen Verwandten zu sehen. Die andere politische Orientierung spricht nicht dagegen. Selbst der Egino, der mit Poppo II. in lang anhaltende Kämpfe verwickelt war [2522
Vgl. W. Schlesinger (wie Anm. 658) Seite 365.], ist vermutlich mit diesem verwandt gewesen [2523 Hado (Ado, Haldo), der Mann Abas, der Mutter-Schwester Graf Liwichos, hatte einen Sohn Adalman; CL 2088 (789). 771/72 haben Juncman, sein Bruder Adalman und Irmintrud pro remedio anime Eginonis in Wallstadt tradiert; CL 492. Er wird ein Bruder Adalmans gewesen sein, denn nach CL 829 (778) war dieser Egino oder ein gleichnamiger naher Verwandter Sohn eines Hatto (= Hado/Ado? ). 814 hat der zum billingischen Kreis zu zählende Egilhart eine Tradition für einen Egino durchgeführt; CDFuld. 298. - In der Zeit, als Poppo I. Graf im Saalegau war, hat auch ein Egino Grafenrechte in Karsbach ausgeübt; CDFuld. 405 (823). - Der jüngere Egino, der 906 die Partei des POPPONEN Adalbert verließ (vgl. W. Schlesinger, wie Anm. 2462) wird als Graf mehrfach unmittelbar neben Graf Burkhard genannt; CDFuId. 650 (etwa 906), CDFuId. 653 (907). Auch er fiel gegen die Ungarn 908.].