Wilhelm                                       Graf von Ballenstedt
-----------                                      Pfalzgraf bei Rhein (1125-1140)
um 1112-13.2.1140                     Graf von Weimar-Orlamünde (1124-1140)
              Worms

Begraben: Kloster Springiersach
 

Jüngerer Sohn des Grafen Siegfried I. von Ballenstedt und der Gertrud von Northeim, Tochter von Graf Heinrich dem Fetten
Neffe der Königin Richenza
 

Brandenburg Erich: Tafel 26 Seite 53
****************
XIII. 420. WILHELM, Pfalzgraf von Lothringen vor 1131 24. IV.
-----------------------------
           * ..., + 1140 13. II.

Gemahlin: Adelheid



Thiele Andreas: Tafel 158,25
*************
"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

WILHELM IV.
-------------------
    + 1140

Pfalzgraf



WILHELM
---------------
    + 1140

Graf von Weimar und 1124 von Orlamünde

Durch Kaiser LOTHAR III., dem Schwager seiner Mutter, 1125 Pfalzgraf von Lothringen und bei Rhein zusammen mit Gottfried von Calw, ab 1131 allein. Er trat Maria Laach an den Erzbischof von Köln ab, womit sich die Pfalzgrafen weitgehend aus diesem Gebiet zurückzogen. Er half im deutschen Thronkrieg den WELFEN, gehörte immer zum engsten kaiserlichen Gefolge und war 1136/37 mit in Italien. Er unterstützte 1138 KONRAD III. VON STAUFEN und Weimar und Orlamünde fielen nach seinem Tode an den Cousin Albrecht den Bären.



Patze Hans/Schlesinger Walter: Seite 156
**************************
"Geschichte Thüringens"

Als Pfalzgraf am Rhein und als Graf in Thüringen folgte auf Siegfried II. dessen Bruder Wilhelm, für dessen Herrschaftstätigkeit am mittleren Rhein sich Nachweise erbringen lassen. Er hat die Nikolauskirche in Orlamünde ausgestattet und tritt damit als erstes Mitglied des Hauses mit dem Platz, dessen Burg schon in der Saalfelder Grenzbeschreibung zu 1071 erwähnt wird, in Verbindung. Da Wilhelm auch in einer Urkunde von 1137 für das Spital in Frauenbreitungen erscheint, ist anzunehmen, dass er zum Kloster Frauenbreitungen Beziehungen gehabt hat. Mit ihm erlosch 1140 die von Adelheid von Weimar und Adalbert II. von Ballenstedt abstammende Linie.

Hildebrand Ruth: Seite 45,63
**************
"Herzog Lothar von Sachsen"

Zwei junge Söhne von Siegfried waren da, die Gemahlin Gertrud heiratete nach 1119 wieder, die Ansprüche blieben. Wahrscheinlich hätten sie aber ohne Siegfried nicht mehr die Kraft gehabt, die Empörung am Leben zu erhalten, wenn nicht entscheidende Motive dazugekommen wären.
Wir müssen annehmen, daß Otto von Rheineck etwa 1120 die Witwe des Pfalzgrafen Siegfried geheiratet hat, 1119 amtet Otto von Ballenstedt noch als Vormund für ihre beiden unmündigen Söhne. Nun übernimmt der neue Ehemann sofort die Aufgabe, das pfalzgräfliche Erbe zu sichern.

Engels, Odilo: Seite 30-32
***********
"Die Staufer"

Der rheinische Pfalzgraf Wilhelm von Ballenstedt war dabei, im Zuge der allgemeinen Verfassungsentwicklung und mit offenkundiger Zustimmung seines Verwandten LOTHAR III. sein Amt in eine Herrschaft aus eigener Wurzel umzuwandeln. Das bedeutete nicht nur bei der Kinderlosigkeit Wilhelms einen Erbgang auf den nächsten angeheirateten Verwandten, sondern gab dem Gewicht der Vogteien, die der Pfalzgraf innehatte, einen starken Auftrieb. Der Pfalzgraf war der Obervogt des Trierer Erzstiftes und des von pfalzgräflichen Ministerialen gegründeten Regularkanonikerstiftes Springiersbach, das sich anschickte, im weiten Bereich des Erzbistums Trier einen Verband von abhängigen Tochterstiften aufzubauen. Der Trierer Erzbischof Albero von Montreuil mußte befürchten, von der pfalzgräflichen Hausmacht an der unteren Mosel vollkommen beherrscht zu werden, um so mehr als 1131/32 hinter der großen Auflehnung der erzbischöflichen Ministerialen gegen Albero schon Pfalzgraf Wilhelm gestanden hatte.
Man könnte allerdings meinen, König LOTHAR III. sei darin inkonsequent gewesen, wenn man berücksichtigt, daß er beispielweise nicht nur die Umwandlung de rheinischen Pfalzgrafschaft in eine erbliche Territorialherrschaft duldete, sondern auch zwei Träger der rheinischen Pfalzgrafenwürde gleichzeitig anerkannte; er hütete sich, den 1113 von HEINRICH V. eingesetzten Gottfried von Calw von diesem Amt wieder zu entbinden, weil er ihn als Bundesgenossen in Schwaben nicht verlieren wollte, wies aber auch den Erbanspruch Wilhelms von Ballenstädt, dessen Vater von HEINRICH V. wegen Felonie abgesetzt worden war, nicht ab.

Engels, Odilo: Seite 151-153,164-176
***********
"Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert."

Man braucht gar nicht zu bestreiten, daß das Amt des rheinischen Pfalzgrafen um diese Zeit noch nicht erblich war; mehrere Anläufe des Pfalzgrafen jedoch, sein Amt auf dem Erbwege weiterzugeben und territorialherrschaftlich zu verwurzeln, sind nicht zu übersehen. Daß Wilhelm von Ballenstedt seit der Wahl LOTHARS III. neben Gottfried von Calw als Pfalzgraf auftaucht, könnte man noch mit verwandtschaftlichen Rücksichtnahmen des neuen Königs und mit dessen Bedürfnis, die Maßnahmen seines Vorgängers rückgängig zu machen, erklären. Seit 1136 urkundet aber auch Wilhelms Stiefvater Otto von Rheineck als Pfalzgraf, und dies offenbar mit dem Ziel, die reibungslose Nachfolge des kinderlosen Wilhelm für sich selbst vorzubereiten [Persönlicher Einwurf: Diese Behauptung des Autors ist schlichtweg Unsinn. Wenn Otto von Rheineck die seit 1113 verwitwete Gertrud von Northeim um 1115/20 heiratete, muß er vor 1100 geboren sein und war damit 15 bis 20 Jahre älter als Wilhelm. Keiner der 1136 Handelnden konnte wissen, daß Wilhelm 10 Jahre vor seinem Stiefvater und noch dazu kinderlos sterben würde.]. Diesem Ziel diente auch die Ausstattung des Reformkanonikerzentrums Springiersbach. 1136 schenkte Wilhelm ihm einen Distrikt des Kondelwaldes, gewährte Zollfreiheit in Cochem, und kurz vor 1140 vermachte er ihm testamentarisch sein Amtsgut in den Fiskalbezirken Kröv und Klotten. Um dieselbe Zeit, nämlich 1139, besorgte Abt Richard von Springiersbach ein Papstprivileg, das eine Verbandsbildung der Springiersbacher Klöster mit straffer Zentralisierung auf das Mutterkloster hin vorsah. Da der Pfalzgraf Wilhelm Vogt von Springiersbach war, bedeutete dieses Zusammenspiel im Grunde, pfalzgräfliches Amtsgut in die Vogteigerechtsame einzubringen, also auf eine andere Rechtsgrundlage zustellen.
Gegen Ende seines Lebens behandelte Pfalzgraf Wilhelm das Stift vollends wie sein Hauskloster, indem er Springiersbach zu seiner Grabstätte bestimmte und ihm ungewöhnlich umfamgreichen Besitz in den Fiskalbezirken Kröv und Klotten vermachte [Die testamentarische Schenkung ist in ihren Einzelheiten nur der Bestätigung durch König KONRAD III. von 1143 (MGH DK III Nr. 93) zu entnehmen.].
Weil er sich als Sohn des Pfalzgrafen Siegfried zu Unrecht übergangen fühlte, führte Wilhelm von Ballenstedt wohl eigenmächtig den pfalzgräflichen Titel, konnte aber nicht daran denken, vor 1126 auch in den tatsächlichen Besitz des Amtes zu kommen. Seine Mutter, Gertrud von Northeim, war eine Schwester Richenzas und Schwägerin LOTHARS III.; von daher ist verständlich, daß der neue König dem Drängen des Neffen seiner Frau nachgab. Daß bei dieser Gelegenheit aber Gottfried von Calw aus dem Pfalzgrafenamt nicht entfernt werden konnte, und sich jetzt, was höchst ungewöhnlich war, zwei Adlige in dieses eine Amt teilen mußten, war dazu angetan, den Eintritt Wilhelms in das Amt als einen massiven Einbruch besitz- und erbrechtlicher Vorstellungen in Erscheinung treten zu lassen. Nach dem Tode Gottfrieds mußte sich dieser Eindruck noch verstärken. Wilhelm besaß keine Kinder und bestimmte den Grafen Otto von Rheineck, den zweiten Ehemann seiner Mutter, offensichtlich selbst zu seinem Erben. Seine erste Schenkung an Springiersbach erfolgte im Sommer 1136, wohl zur Kirchweih am 6. August; nur wenig später, und zwar seit dem 3. Oktober 1136, trat Otto von Rheineck in kaiserlichen Diplomen als Zeuge mit dem Titel eines comes palatinus de Rheno auf und wurde in erzählenden Quellen so auch noch nach dem Tode Wilhelms (1140, 13. Februar) genannt, obwohl mit dem BABENBEGRER Heinrich Jasomirgott und Hermann von Stahleck 1140 und 1142/43 völlig fremde Familien Zugang zum rheinischen Pfalzgrafenamt gefunden hatten.
Es verdient Aufmerksamkeit, daß die Schenkung an Springiersbach dem erstmaligen Gebrauch des Pfalzgrafentitels durch Otto von Rheineck nicht nur vorausging, sondern auch zeitlich unmittelbar vor dem Abmarsch des kaiserlichen Herres nach Italien, dem der Pfalzgraf, Otto von Rheineck und Erzbischof Albero angehörten, einzuordnen ist. Denn dadurch erscheint ein Zusammenhang zwischen der Schenkung an das Chorherrenstift und dem geplanten Übergang des Pfalzgrafenamtes an den RHEINECKER hergestellt. Er verdeutlicht einmal, daß Kaiser LOTHAR offensichtlich einer Anregung Wilhelms von Ballenstedt folgte und den vorerst noch vereinzelten Tendenzen einer weiblichen Erbfolge, zumal sie in diesem Falle dem fortgesetzten Einfluß seiner Familie zugute kam, freien Lauf ließ [H. Büttner, Das politische Handeln Friedrich Barbarossas im Jahre 1156: Bll. f. deutsche Landesgeschichte 106 (1970) 56 f., macht auf die Doppelbelehnung Heinrichs des Stolzen und seiner Gemahlin Gertrud mit den Mathildischen Gütern durch Innozenz II. im Jahre 1133 und auf den Übergang des Sachsen-Herzogtums auf Gertrud im Jahre 1142 nach dem Tode ihres ersten Gatten aufmerksam, womit die Belehnung auch der zweiten Gattin Heinrichs Jasomirgott im Privilegium minus von 1156 angebahnt worden sei. Von einer Belehnung Gertruds, der Witwe Siegfrieds von Ballenstedt, mit der Pfalzgrafschaft ist nichts bekannt, aber die hinter den Absichten Wilhelms von Ballenstedt stehende Rechtsvorstellung ist die gleiche.].
Darüber hinaus macht er aber auch eine Umorientierung im Amtsverständnis Wilhelms wahrscheinlich. Wilhelm veräußerte die von seinen Vorgängern Heinrich von Laach gegründete und von Siegfried von Ballenstedt geförderte Benediktinerabtei Maria Laach der Kölner Kirche, und zwar bezeichnenderweise unmittelbar nach dem Tode Gottfrieds von Calw. Die Vogtei trat er bei dieser Gelegenheit nicht ab; insofern herrschte rechtlich zwischen Laach und Sringiersbach kein Unterschied. Heinrich von Laach war in seiner Gründung bestattet: sie konnte sich als pfalzgräfliches Hauskloster betrachten. Wenn Pfalzgraf Wilhelm dennoch an Stelle der Laacher Mönche  den Springiersbacher Chorherren seine Gunst wie einem neuen Hauskloster zuwandte, dann in erster Linie wohl in der Absicht, damit den Anbruch einer neuen Phase in der Entwicklungbder Pfalzgrafschaft zu dokumentieren. Die vorgesehene Nachfolge Ottos von Rheineck war wegen des Umweges über die Mutter Wilhelms und durch die vorzeitige Führung des Titels für alle sichtbar mehr als eine nur faktische Erbfolge. Nach herkömmlichen Recht wären die Eigengüter Wilhelms ledig gewesen.
Wilhelm war der Obervogt des Trierer Erzstifts und hatte diese Vogtei anscheinend schon vor 1126 inne gehabt [Daß Wilhelm die Trierer Obervogtei unabhängig vom Pfalzgrafenamt gehabt zu haben scheint, legt die Entwicklung der Laacher Vogtei nahe.]. Zu direkten Aktionen gegen das Erzstift im Interesse eines eigenen Landesausbaus nutzte der Pfalzgraf seine Vogteigewalt noch nicht.

Schaab Meinrad: Seite 31,65
**************
"Geschichte der Kurpfalz"

Als auf HEINRICH V. der Anführer der sächsischen Opposition LOTHATR VON SUPPLINBURG als König folgte, konnte die BALLENSTEDER Sippe wieder ihre Ansprüche auf das Pfalzgrafenamt durchsetzen, zumal LOTHARS Gemahlin Richenza die Schwester der Gertrud von Nordheim war. Gertruds und Siegfrieds von Ballenstedt Sohn Wilhelm führte seit 1126 neben Gottfried den Pfalzgrafentitel. Vermutlich hatte Gottfried, der weitläufige verwandtschaftliche Beziehungen zum neuen Königshaus besaß, sich frühtzeitig mit LOTHAR gegen die STAUFER arrangiert und in die Nachfolge Wilhelms eingewilligt, was dann 1131 eintrat. Für Wilhelm ist die Trierer Hochvogtei eindeutig bezeugt. Sein bevorzugter Sitz war Cochem an der Mosel. Während er die Oberherrschaft über Maria Laach an das Erzbistum Köln abtrat, wandte er sein Interesse dem Augustinerchorherrenkloster in Springiersbach zu, das die Witwe eines seiner Ministerialen gestiftet hatte. Der Pfalzgraf stattete die Mönche dieses neuaufkommenden Reformordens mit Besitz an der Mosel abwärts Bernkastel sowie in der Eifel und um Remagen aus. 1140 bereits ist Wilhelm gestorben und in Springiersbach begraben worden.
Seite 1138 war der STAUFER KONRAD III. und damit ein unmittelbarer Erbe des SALIER-Hauses König. Obwohl er Wilhelm als Pfalzgrafen anerkannte und häufig in seinem Gefolge hatte, konnte ihm auf Dauer nicht an einem Verbleib der Pfalzgrafenwürde in der BALLENSTEDTER Familie gelegen sein. So setzte er nach Wilhelms söhnelosen Tod 1140 seinen eigenen Halbbruder, den BABENBERGER Heinrich Jasomirgott, zum rheinischen Pfalzgrafen ein. Gertrud von Nordheim wurde mit bescheidenem Witwengut ausgestattet [Persönlicher Einwurf: Gertrud war Wilhelms Mutter und nicht dessen Witwe. Die bescheidenen Güter erhielt sie als Erbin ihres Sohnes.]. Das Orlamünder Erbe in Thüringen kam an Albrecht den Bären.
Unter LOTHAR VON SUPPLINBURG erscheinen 1129 als Zeugen in einer Urkunde der fränkische Pfalzgraf Wilhelm (von Ballenstedt) und der sächsische Pfalzgraf Friedrich (von Sommerschenburg): comites palatini Wilhelmus Francorum et Fridericus Saxonum. Das könnte von später her auf das zwischen dem rheinischen Pfalzgrafen und dem sächsischen Herzog aufgeteilte Reichsvikariat deuten, muß aber nicht unbedingt so interpretiert werden.
 
 
 
 

  oo Adelheid
              -
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Brandenburg Erich: Die Nachkommen Karls des Großen Verlag Degener & Co Neustadt an der Aisch 1998 Tafel 26 Seite 53 - Engels, Odilo: Die Staufer. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1972, Seite 30-32 - Engels, Odilo: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1996, Seite 144,151-153,158,164-176,181 - Gerstner, Ruth: Die Geschichte der lothringischen und rheinischen Pfalzgrafschaft von ihren Anfängen bis zur Ausbildung des Kurterritoriums Pfalz, Ludwig Röhrscheid Verlag Bonn 1941 (Rheinisches Archiv 40) Seite 65-69 - Hildebrand Ruth: Herzog Lothar von Sachsen. Verlag August Lax Hildesheim 1986 Seite 45,64 - Partenheimer Lutz: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2001 Seite 29,31,42,54,62,69,71,79,81,86,93,216,225,229, 232,242,245,247,249,257-259,261,268 - Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 Seite 156 - Schaab Meinrad: Geschichte der Kurpfalz. Verlag W. Kohlhammer 1988 Seite 31,65 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 25,158 -
Wäschke, H.: Geschichte Anhalts von den Anfängen bis zum Ausgang des Mittelalters, Otto Schulze Verlag Cöthen 1912 -