Partenheimer Lutz: Seite 29,31,42,54,62,69,71,79,86
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"Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt."

Auch die beiden unmündigen Söhne Siegfrieds traf es hart: Die Pfalzgrafschaft am Rhein erhielt Gottfried von Calw. Außerdem ließ sich der Kaiser durch ein Fürstengericht die Weimarer Allode zusprechen. Obendrein wurde Siegfried II. und Wilhelm wohl große Teile der väterlichen Eigengüter vorenthalten.
Leider ist unbekannt, worauf sich Kaiser und Papst 1119 bezüglich der askanischen Rechte an der Pfalz und an Weimar-Orlamünde geeinigt hatten. Offenbar kamen jetzt aber Siegfrieds Söhne Siegfried II. und Wilhelm wenigstens in den Genuß der Eigengüter ihres Vaters [1119 bezeichnet Erzbischof Adalbert I. von Mainz Siegfried den Jüngeren als Vogt der Erfurter Marienkirche (Mainzer Urkundenbuch 1, Nr. 482; CDA 1, nr. 186). Wann und auf welchem Wege der ASKANIER dieses Amt erhalten hatte, ist damit allerdings nicht gesagt.Voraussetzunge zu seiner Ausübung war aber sicher Besitz in Thüringen. - Es muß damit gerechnet werden, daß in den Wirren inzwischen Teile der Hinterlassenschaft der Grafen von Weimar-Orlamünde in andere Hände gekommen waren, so vermutet A. Tille: Weimar (wie EN 106), Seite 56, daß der Erzbischof von Mainz und Graf Hermann I. von Winzenburg (Burg nordwestlich von Bad Gandersheim) davon profitiert hätten. Er zählt auch die Eckartsburg (nördlich von Apolda) zu den Reichslehen oder Allodien der WEIMARER. Die Burg gehörte zu den ekkehardinischen Besitzungen, die das 1046 ausgestorbene Geschlecht - wie schon gesagt - dem König vermacht hatte. 1066 befand sich HEINRICH IV. auf der Burg (D H IV., Nr. 183). Ob sie davor oder später an die Weimarer Grafen gelangt ist, bleibt unklar. 1112 hat der Kaiser die Burg nach den Pegauer Annalen (MG SS 16, Seite 251) an den jüngeren Wiprecht von Groitzsch verlehnt. Das könnte allerdings ein Hinweis darauf sein, daß der Monarch die Feste damals als Teil der heimgefallenen WEIMARER Reichslehen neu vergab. Wiprecht der Jüngere - noch 1115 genannt, als er in der Schlacht am Welfesholz den kaiserlichen Feldherrn Graf Hoyer von Mansfeld erschlug ( R L III., Nr. 36) -, starb in einem nicht bekannten Jahre, doch vor seines Vaters Tod (1124). Wohl 1122 entschädigte HEINRICH V. Ludwig den Springer mit der Übergabe der Eckartsburg für den Verlust der Wartburg (siehe dazu H. Assing: Aufstrieg (wie EN 138), Seite 288). - Zur Eckartsburg generell jetzt Boje Schmuhl in Verbindung mit Konrad Breitenborn (Hg.): Die Eckartsburg (Schriftenreihe der Stiftung Schlösser, Burgen und Gärten des Landes Sachsen-Anhalt 1). Halle/Saale 1998.]. Der erste starb bereits 1124/25 ohne Nachkommen; ob er die Pfalzgrafenwürde erlangt hat, bleibt unklar. Sein Bruder ist später im Besitz der askanischen Allode in Thüringen und erhielt auch die Pfalzgrafschaft am Rhein [Einem Schreiben Kaiser HEINRICHS V. an Erzbischof Gottfried von Trier, das Anfang 1125 auf dem Lütticher Hoftag aufgesetzt wurde, ist zu entnehmen, daß Wilhelmus palatinus, Sigefridi filius, in das Erzstift eingefallen war (CDA 1, Nr. 196). Spätestens zu diesem Zeitpunkt muß der SALIER also zumindest Wilhelms Ansprüche auf die Pfalzgrafschaft am Rhein anerkannt haben. König LOTHAR III. beließ nach seiner Thronbesteigung im September 1125 dem von seinem Vorgänger 1113 eingesetzten Gottfred von Calw die Würde eiens Pfalzgrafen, akzeptierte aber auch Wilhelm, den Neffen der Königin Richenza, in diesem Amt, so daß es nun zwei rheinische Pfalzgrafen gab. Dieser Zustand erneuerte sich nach dem wahrscheinlich 1133 erfolgten Tode Gottfrieds, weil LOTHAR ihm 1134 in Gestalt Ottos von Rheineck (Burg über dem linken Rheinufer, nordwestlich von Andernach) einen Nachfolger gab. So sollte der Übergang der Pfalz nach dem Tod des söhnelosen Wilhelm auf die RHEINECKER gesichert werden [Persönlicher Einwurf: Diese Behauptung des Autors ist nur dann schlüssig, wenn mit dem baldigen Tod des damals 22 Jahre alten, kinderlosen Pfalzgrafen Wilhelm zu rechnen war. Wenn Otto von Rheineck die seit 1113 verwitwete Gertrud von Northeim um 1115/20 heiratete, muß er vor 1100 geboren sein und war damit 15 bis 20 Jahre älter als Wilhelm.]. Otto war Wilhelms Stiefvater, da er nach dem Tode Pfalzgraf Siegfrieds I. (1113) dessen Witwe Gertrud, Richenzas Schwester, geehelicht hatte, die 1154 noch lebte. KONRAD III. entzog dem RHEINECKER jedoch 1138 die Pfalzgrafenwürde, um das Amt nach Wilhelms Ableben (1140) erst an den BABENBERGER Heinrich Jasomirgott und 1142 oder 1143 an Graf Hermann von Stahleck zu verleihen. Otto von Rheineck starb 1150, sein gleichnamiger Sohn hatte den Kampf um die Palz gegen den STAHLECKER eröffnet, fiel dabei 1148 in dessen Hände und wurde im gleichen oder im nächsten Jahr auf der Schönburg bei Oberwesel erdrosselt (sie EN 832).].
Und die Hinterlassenschaft der STADER interessierte den ASKANIER schon! Außerdem dürfte es am 15. Juli 1128 Gespräche zwischen dem Markgrafen Albrecht und seinem ebenfalls anwesenden kinderlosen Vetter gegeben haben. Denn auch Pfalzgraf Wilhelm bei Rhein war auf Burg Rusteberg [Er ist erster Laienzeuge vor Albrecht.]. Und auf dessen thüringische Güter hoffte Albrecht gewiß [Persönlicher Einwurf: Es ist kaum möglich, daß Albrecht der Bär zu diesem Zeitpunkt auf die Güter seines 16 Jahre alten Vetters spekulieren konnte.].
Der ASKANIER, die Erzbischöfe von Bremen und Magdeburg, Pfalzgraf Friedrich von Sachsen und Markgraf Heinrich von der Lausitz sowie Albrechts Vettern, Herzog Heinrich der Stolze von Bayern und Pfalzgraf Wilhelm von Lothringen nahmen am Hoftag von Bamberg teil (17. März 1135), auf dem sich Herzog Friedrich II. von Schwaben dem Monarchen zu Füßen warf.
Eine andere Nennung des ASKANIERS in den Quellen gehört spätestens dem Jahr 1137 an. Sie wird daher ebenfalls hier eingereiht. Als sein Vetter, Pfalzgraf Wilhelm vom Rhein, und dessen Mutter Erzbischof Adalbert I. von Mainz unter anderem die zu den heute sogenannten "Drei Gleichen" gehörenden Festen Gleichen und Mühlburg übertrugen, willigte Albrecht der Bär ein. Die Nachricht kann nur in die Jahre von 1125 bis 1137 gesetzt werden. Hermann Krabbo vermutet, daß sie in den Beginn dieser Zeitspanne gehört, weil die Mitwirkung von Wilhelms Mutter erwähnt wird. Die überlieferte Zustimmung Albrechts läßt darauf schließen, daß er damals als potentieller Erbe der thüringischen Besitzungen des kinderlosen Vetters galt.
Dazu können verwandtschaftliche Beziehungen als weiteres Motiv für die Einreihung der genannten Herren in die anti-askanische Front in Erwägung gezogen werden. Konrad von Wettin und Siegfried von Boyneburg waren Vettern der Kaiserin Richenza [Die Väter von Siegfried und Richenza sowie Konrads Mutter waren Geschwister und Kinder Ottos von Northeim.]. Vielleicht befürchtete der BOYNEBURGER auch, daß Albrecht der Bär von der Hinterlassenschaft seines kinderlosen Vetters Wilhelm, des rheinischen Pfalzgrafen, Güter der NORTHEIMER beanspruchen könnte [Wilhelms Mutter Gertrud war eine Tochter Heinrichs des Fetten von Northeim, dessen Bruder Siegfried der Vater Siegfrieds von Boyenburg war.].
Kurz nach dem Ende des Wormser Reichstages starb am 13. Februar 1140 Pfalzgraf Wilhelm bei Rhein ohne Nachkommen. Wir wissen nicht, ob sich dessen Vetter Albrecht Hoffnungen auf die Übernahme der Pfalzgrafschaft machte. Zwar hatte KONRAD III. dem von Kaiser LOTHAR als Wilhelms Nachfolger vorgesehenen Grafen Otto von Rheineck, dem zweiten Gemahl von Wilhelms Mutter, 1138 den Pfalzgrafentitel entzogen, aber als Herzog von Sachsen kam Albrecht der Bär sicher als Nachfolger in der lothringischen Pfalzgrafschaft in Frage. Anders sah es im Falle der weimar-orlamündischen Besitzungen aus, die Wilhelm hinterließ. Als deren Erbe hatte der Pfalzgraf seinen Vetter offensichtlich akzeptiert [Siehe EN 471. - Die einzigen beiden bekannten Verbindungen Wilhelms mit Orlamünde erhellen aus einer Urkunde Erzbischof Konrads von Mainz von 1194, in der der WITTELSBACHER auf Ersuchen Graf Siegfrieds III. von Weimar-Orlamünde (1176-1206, Sohn von Albrechts Sohn Hermann) unter anderem ein (nicht erhaltenes) Diplom des Pfalzgrafen für die Orlamünder Nikolaikirche bestätigt (Mainzer Urkundenbuch 2, 2, Nr. 588; Dobenecker 2, Jena 1900, Nr. 950, CDA 5, Nr. 271 a), und einer Nennung als Willehelmus palatinua comes de Orlahemunde beim Abt von Hersfeld (nach 13.9.1137 - Dobenecker 1, Nr. 1343).]. Von einer Belehnung Albrechts mit diesen Gütern hören wir jedoch nichts.
Außerdem mußte der ASKANIER endlich die Übernahme der von seinem 1140 gestorbenen Vetter, dem Pfalzgrafen Wilhelm bei Rhein, hinterlassenen Besitzungen um Weimar und Orlamünde erreichen.
[Sein Vetter, Pfalzgraf Wilhelm vom Rhein, scheidet hierfür aber wohl aus. Denn der - obgleich Trierer Hochvogt - haderte mit Erzbischof Adalbero, dessen Wahl 1131 er schon zu unterbinden versucht hatte (sie dazu R L III, Nr. 275). Der kinderlose Wilhelm plante wohl, den zweiten Mann seiner Mutter, den Grafen Otto von Rheineck, zum Erben einzusetzen. Deswegen konnte Adalbero von LOTHAR III., der Wilhelms Vorhaben billigte, nicht die gewünschte Reichsabtei St. Maximin erlangen. Odilo Engels nimmt deshalb an, daß der Trierer KONRADS Wahl aus Furcht vor Wilhelm betrieb (Odilo Engels: Der Erzbischof von Trier, der rheinische Pfalzgraf und die gescheiterte Verbandsbildung von Springiersbach im 12. Jahrhundert. In: Ders.: Stauferstudien. Beiträge zur Geschichte der Staufer im 12. Jahrhundert. Festgabe zu seinem sechzigsten Geburtstag. Hg. von Erich Meuthen/Stefan Weinfurter. Sigmaringen 1988 (zuerst 1978), Seite 160-176, hier Seite 167-170; Odilo Engels: Die Staufer. 6. Auflage, Stuttgart/Berlin/Köln 1994; Seite 34f.). - W. Petke: Kanzlei (wie EN 184), Seite 185 f., 387f., meint dagegen, daß der Kaiser den RHEINECKER, zu dem er vielleicht verwandtschaftliche Beziehungen hatte und der Richenzas Schwager war (ebd., Seite 379-381), Anfang Januar 1134 neben Wilhelm von Orlamünde-Ballenstedt als Pfalzgraf eingesetzt habe. - Wilhelm und Albrecht werden wohl im Hinblick auf die Nachfolge im Reich und in der Pfalzgrafschaft am Rhein konträrer Auffassung gewesen sein. Allerdings scheint sich Wilhelm schnell der neuen Lage angepaßt zu haben, denn er besuchte schon KONRADS ersten Hoftag (Anfang April 1138 zu Köln, EN 51). Möglicherweise kommt Abt Wibald von Stablo als eventueller Verbindungsmann des ASKANIERS in Frage, auch wenn er vielleicht noch nicht bei der Wahl, sondern erst zur Krönung KONRADS III. anwesend war (siehe dazu U. Vones-Liebenstein: Neue Aspekte (wie EN 484), Seite 326 mit Anmerkung 19). - Albrecht und Wilhelm waren nach dessen Worten enge Vertraute: ... vir sane prudens, totius bonestatis et disciplinae speculum ... nobis intima fide et familiaritate coniunctus ... schrieb der Abt 1148 über den Markgrafen (Wibaldi epistolae. Hg. von Philipp Jaffe: In: Monumenta Corbeiensia (Bibliotheca rerum Germanicarum 1). Berlin 1864 (ND Aalen 1964), Nr. 136 (Seite 213); CDA 1, Nr. 343; KW, Nr. 162). Hierbei handelt es sich übrigens um eine einzige persönliche Beschreibung Albrechts des Bären durch einen Zeitgenossen, der nach eigener Angabe mit dem Markgrafen gut bekannnt war.]

Partenheimer Lutz:
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E-Mail vom 20.03.2003

Siegfried (II.) von Ballenstedt, Pfalzgraf (?) bei Rhein, starb nach den Quellen 1125. Sein Bruder Wilhelm hatte nach seiner eigenen Beurkundung von 1130 eine Gemahlin Adelheid, die Wäschke (Askanier in Anhalt, Nr. 433) für eine HENNEBERGERIN hält. Nach den Quellen starb Wilhelm 1140 ohne Erben.

Unter www. springiersbach/de fand ich:

Großzügig stattete Pfalzgraf Wilhelm, der letzte seiner Dynastie, die junge Abtei materiell aus. Vor seinem Tod (1140) schenkte er ihr seinen gesamten Besitz an der Mittelmosel und in der Eifel, Weingüter und Höfe in rund 30 Orten. In der Klosterkirche fand er seine letzte Ruhestätte in einem prächtigen Sarkopharg, bis dieser 1769 beim Bau der heutigen Kirche zerstört wurde