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"Kaiser Konrad II. Kaiser dreier Reiche."

KONRAD war um das Jahr 1000 der einzige erbberechtigte Enkel seines Großvaters, die Hochzeit seines gleichnamigen Onkels mit Mathilde von Schwaben stand noch aus, und Konrad der Jüngere war sicher noch nicht geboren [Konrad, der Sohn Ottos von Worms, muß 1002 vor Juni 24 Mathilde von Schwaben geheiratet haben: siehe Thietmar, Chronicon V 12. BG 1487 a; vgl. 1524 d. Hoffmann, Mönchskönig 54f. Die Geburt des gleichnamigen Sohnes, Konrads des Jüngeren, wird daher zwischen 1002/03 und etwa 1005 angenommen. Letztere Jahreszahl erschließt Schwarzmaier, Von Speyer 48, aus Hermann von Reichenau, Chronicon a. 1019, wo Konrad der Jüngere adolescens genannt wird. Siehe Isidor, Etymologiae XI2, 3f.: Die adeolescentia dauert vom 15. bis zum 20. Lebensjahr, weshalb das Geburtsjahr Konrads des Jüngeren auch 1002/03 gewesen sein kann. Für 1002/03 und 1005 spricht auch Hermann von Reichenau, Chronicon a. 1012, der Konrad den Jüngeren zu diesem Jahr puer nennt. Nach Isidor, Etymologiae XI 2, If., dauert die pueritia vom siebten bis zum 14. Lebensjahr.].
Giselas Vater war Herzog Hermann II. von Schwaben, ihre Geschwister waren Hermann III., der seinem Vater 1003 als Herzog von Schwaben nachfolgte, die ältere Schwester Mathilde (983-1031/32) und die wohl jüngere Beatrix.
Konrads Mutter hatte nach dem Tod Herzog Konrads von Kärnten um 1020 den oberlothringischen Mit-Herzog Friedrich II. geheiratet.
Noch gab es keinen Ausgleich mit dem gleichnamigen Vetter - und nicht zu vergessen - mit dessen Mutter Mathilde, die in zweiter Ehe Herzog Friedrich von Ober-Lothringen geheiratet hatte.
Offenkundig neben der Kaiserin saß ihre Schwester Mathilde, Herzogin von Ober-Lothringen, die dem sich immer noch Weigernden, freilich wesentlich "höfischer", einen goldenen Ring an den Finger steckte. Die Geschichte, die sich in der Pfalz Ingelheim abspielte, enhät mehrere wichtige Informationen, vor allem erfährt man, daß das Herrscherpaar, seine engsten Verwandten und die ischöfliche Umgebung auf einer Estrade, einem erhöhten Platz, in der Kirche saßen.
Aber gegenüber den Ansprüchen der Familie der Gisela-Schwester Mathilde könnten Worte, wie sie Wipo dem König in den Mund legte, dem Sinn nach gefallen sein. Möglicherweise war Burgund auch schon zu Ostern 1025 in Augsburg ein oder das Alternativziel Konrads des Jüngeren gewesen, als er seinen ersten Zusammenstoß mit dem Vetter hatte.
Ein treffliches Beispiel dafür bietet ein anderswo nicht überlieferte "Gipfelkonferenz", die wohl während des Konstanzer Aufenthalts des Hofes um Pfingsten 1025 auf der nahegelegenen Insel Reichenau stattfand. Entsprechenden Einträge in das Reichenauer Gedenkbuch lassen auf eine gleichzeitige Anwesenheit der "Parteien" der beiden schwäbischen Schwestern schließen: Gekommen war Mathilde mit ihrem zweiten Gemahl, Herzog Friedrich von Ober-Lothringen, samt ihren beiden Söhnen aus erster Ehe, Konrad dem Jüngeren und Bruno, sowie mit Friedrich, ihrem Sohn aus der lothringischen Verbindung. Der Mathilde-Clan traf mit Gisela und KONRAD zusammen, da die Namen aller Genannten auf demselben Blatt des Gedenkbuchs, vom selben Schreiber und in derselben hervorgehobenen Schrift eingetragen wurden. Vermittler des Gesprächs könnte der angesehene Abt Bern von Reichenau gewesen sein. Auf der Reichenau ging es sicher um Burgund, und ebenso sicher blieb der Vermittlungsversuch Berns und auch der Königin Gisela erfolglos: Die Verwandtschaft wollte erben, und KONRAD ging es um das Reich und seine Rechte.
Die Opposition der Verwandten bestand im Falle KONRADS II. aus seinem Vetter, dem jüngeren Konrad, der von den mit ihm verschwägerten Ober-Lothringern unterstützt wurde. Die beiden Herzöge, Vater Dietrich und Sohn Friedrich II., waren treue Anhänger HEINRICHS II. gewesen, aber hatten nun die Partei des jüngeren Konrad ergriffen, weil dessen Mutter in zweiter Ehe Friedrich geheiratet hatte. Diese Mathilde war die Schwester Giselas und damit auch die Tante von Ernst II., der ebenfalls kein Freund seines königlichen Stiefvaters und zunächst Nummer zwei der gegen KONRAD gerichteten Opposition war. Als dritter im Bunde des Widerstandes ist Adalbero von Kärnten zu nennen, der die andere Gisela-Schwester Beatrix zur Frau hatte. Es war also die Familie der Königin, verkörpert in den Gisela-Schwestern Mathilde und Beatrix, die miteinander verbundene Zentren des innerdeutschen Widerstandes bildeten.
Vor dem 9. September 1027 kam KONRAD nach Worms, wo er wahrscheinlich die Unterwerfung Konrads des Jüngeren annahm. Auch ist zu bedenken, daß Bruno, der Bruder Konrads des Jüngeren vielleicht schon Ende Mai 1027 Kanzler für Italien wurde. Damit stimmt überein, daß des jüngeren Konrads Mutter Mathilde an dem Ingelheimer Hoftag zu Ostern 1030 teilnahm, das heißt, sie befand sich in Gesellschaft ihrer Schwester Gisela und ihres Schwagers KONRAD, als Ernst II. seines Herzogtums Schwaben verlustig ging.
Daß durch die Wiederaufnahme von Beziehungen zwischen der Rus und dem Reich der Sturz Mieszkos und der zweitweise Zerfall Polens ausgelöst würde, konnte freilich im Herbst 1025 noch niemand voraussehen. Ja, im Gegenteil. Es muß um diese Zeit gewesen sein, daß KONRADS Tante Mathilde, Mutter seines gleichnamigen Vetters und Zentrum der lothringischen Opposition ausdrücklich als König anredete und ihn sich mit einem ehrenvollen Brief und einem wertvollen Buchgeschenk verpflichtet [Am meisten Sinn ergibt die Kontaktaufnahme Mathildes jedoch dann, wenn sie unmittelbar nach Mieszkos Herrschaftsantritt in der zweiten Jahreshälfte 1025 erfolgte, als die Lothringer noch nicht aufgegeben hatten. Daß in diesem Brief als Mieszkos Aktivitäten zahlreiche Kirchenbauten erwähnt werden, die einige Zeit beansprucht hätten, spricht deswegen nicht dagegen, weil er schon seit 1013 als dux auf dem Krakauer Wawel herrschte (Kürbis, Epistola Mathildis 327).].