Hermann III.                                  Graf von Weimar-Orlamünde (1247-1283)
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1230-   1283
 

2. Sohn des Grafen Hermann II. von Weimar-Orlamünde und der Beatrix von Andechs-Meranien, Tochter von Herzog Otto I.
 

Thiele Andreas: Tafel 168
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte"
Band I, Teilband 1 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser I

HERMANN III.
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    + 1283

Hermann III. regierte jahrelang gemeinsam mit seinen Brüdern Albert III. und Otto IV., teilte 1264/65 mit ihnen in einer Art Mutschierung und nahm sich den Part Orlamünde als Residenz. Dass es sich bei Herrschaften dieser Größenordnung um Gebilde handelte, die zwischen Grundherrschaft und Landesherrschaft standen, auch wenn ihre Inhaber Reichslehen nahmen, zeigte sich darin, dass Hermann III. Orlamünde, Rudolstadt und Weimar dem Erzbischof von Magdeburg zu Lehen auftrug, um sich vor der Gewaltanwendung derjenigen zu schützen, die ihn bedrängen wollten. Dadurch vergrößerte er die Wirren in Thüringen noch zusätzlich, denn die gräflichen Ministerialen sollten künftig nach dem Recht der magdeburgischen Ministerialen leben. Er stützte sich auf König Ottokar II. von Böhmen und war 1271 bei ihm in Wien, wo er auch Geld erhielt, um seine Schulden zu bezahlen, die er, wie er behauptete, im Dienste Herzog Ludwigs von Bayern und RUDOLFS VON HABSBURG gemacht hatte. Er verlor unter anderem 1277 die Burg Berka an die WETTINER, deren Machtübernahme in Thüringen er 1247 mit verhindern wollte. Er wurde 1270 Miterbe seiner Mutter in Franken, wo er vermutlich mit seinem Bruder Otto gemeinsam regierte. Es war eine Zeit vieler sinnloser Fehden, in denen er immer mehr verschuldete. Er war ein typisches Opfer der beginnenden Kapitalwirtschaft und sank auf die Stufe eines kleinen Dynasten ab.



Patze Hans/Schlesinger Walter: Seite 157
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"Geschichte Thüringens"

Von den fünf unmündigen Söhnen Hermanns II. traten der älteste und der jüngste in den geistlichen Stand ein; Albert III. (+ 1293) scheint einen kleinen Teil der Allode erhalten zu haben. Hermann III. (+ 1283) und Otto III. (+ 1285) scheinen zunächst gemeinsam regiert zu haben. In den Jahren 1264/65 etwa haben Hermann III. - es kommen Einzel- aber auch gemeinsame Beurkundungen vor - und Otto III. eine Teilung vorgenommen, die aber wohl nur die rechtliche Wirkung einer Mutschierung hatte. Dass es sich bei Herrschaften dieser Größenordnung um Gebilde handelte, die zwischen Grundherrschaft und Landesherrschaft standen, auch wenn ihre Inhaber Reichslehen nahmen, zeigte sich darin, dass Hermann III.Orlamünde, Rudolstadt und Weimar dem Erzbischof von Magdeburg zu Lehen auftrug, um sich vor der Gewaltanwendung derjenigen zu schützen, die ihn bedrängen wollten. Die gräflichen Ministerialen sollten künftig nach dem Recht der magdeburgischen Ministerialen leben. Die anderen weltlich gebliebenen Brüder werden in der Auftragungsurkunde nicht erwähnt. Es liegen Anzeichen dafür vor, dass seit ca. 1265 Hermann III. Orlamünde und Otto III. Weimar als Herrschaftssitz bevorzugt hat. Eine genaue Trennung der Herrschaftsbereiche der beiden Brüder um Weimar und um Orlamünde ist allerdings nicht möglich, noch weniger ein Einblick in die Herrschaftspraxis in dem meranisch-fränkischen Besitzungen des Hauses. Beide Brüder haben sowohl an thüringische als auch an fränkische Klöster Schenkungen vorgenommen. Möglich, dass sie in Franken gemeinsam geboten. Stifter des durch seine künstlerisch hervorragenden Grabmäler der Stifterfamilie bekannten Klosters Himmelkron (bei Berneck) war Otto III. Solche Munifizenz kann nicht darüber hinweg täuschen, dass die Herrschaft den ORLAMÜNDERN - bei unzureichender Finanzpraxis, vermutlich hohen Ansprüchen und wohl auch Ungeschick - kaum das Existenzminimum gewährte. In dem Frieden, welchen Otto III. gemeinsam mit anderen thüringischen Grafen mit der Stadt Erfurt schloß, ist jedenfalls auch die Rede von Schulden, welche diese Herren bei Christen und Juden der Stadt hatten. Gewiß nicht aus taktisch-politischen Gründen oder doch nicht nur aus solchen wurde Otto III. 1210 als "Mitbürger" von Erfurt aufgenommen. Im Gegenteil, pure Not zwang ihn dazu, denn sonst hätte er nicht für zwei Jahre 25 Pfund Silber oder 50 Pfund Erfurter Pfennige als Burglehen von der Stadt angenommen, ihr dafür seine Burgen geöffnet und ihr 20 Gewaffnete gestellt.
Im gleichen Jahr schloß er außerdem ein Bündnis mit Erfurt und mit Landgraf Albrecht. Diese Verbindung mit dem Landgrafen beendete eine längere Periode der Spannung mit den WETTINERN. Die beiden ORLAMÜNDER hatten nämlich versucht, Einfluß auf die Reichspolitik zu nehmen. Spätestens 1271 muß sich Hermann III. in Wien aufgehalten haben, wo er offenbar Verbindung mit OttokarII. aufnahm und vom Böhmen-König auch Geld erhielt. Damit wollte er seine Schulden bezahlen, die er, wie er behauptete, im Dienste Herzog Ludwigs von Bayern und RUDOLFS VON HABSBURG gemacht hatte. Nachdem Albrecht der Entartete 1277 den ORLAMÜNDERN die Burg Berka entrissen hatte, wandte sich Graf Otto III. dem HABSBURGER zu, der seine Entscheidungen an der Einsicht in größere Zusammenhänge, nicht nur an Nöten des Landes Thüringen oder gar lokalen orientierte.
 
 
 
 

  oo N.N.
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Kinder:

  Hermann IV.
         - um 1318

Hermann IV. folgte 1283 gemeinsam mit dem Bruder und ist quellenmäßig kaum greifbar.

  Heinrich der Ältere
        -   1357

  Elisabeth
       - nach 24.3.1333

  1. oo Hartmann XI. Herr von Lobdaburg-Arnshaugk
                  - um 1290

  2. oo 3. Albrecht der Entartete Landgraf von Thüringen
              1240-11.1.1307
 
 
 
 

Literatur:
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Patze, Hans/Schlesinger, Walter: Geschichte Thüringens, Böhlau Verlag Köln/Graz 1967 Seite 157 -
Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 168 -