Hartwig I.                                                Pfalzgraf von Bayern (977-985)
-------------                                               Graf im Isengau und Salzburggau
um 930-16.9.985                                     Graf in Kärnten und "Walpoto"
                                                              Graf von Freising

Sohn des NN; Verwandter oder Bruder des Erzbischofs Odalbert von Salzburg
Nach W. Wegener Sohn des Grafen Kadalhoh II. im Isengau
Nach Gewin Sohn des Grafen Sigihard im Chiemgau
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 54
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10. Hartwig II.
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Erscheint zuerst 953 10/12 als Inhaber eines Amtes (ministerium) in Kärnten unter der Herrschaft des bayerischen Herzogs Heinrich, in seinem Bezirk liegt Krappfeld D O I n 171
ähnlich 954 31/8 D O I n 173 und 961 18/2, wobei Hartwig Graf genannt wird D O I n 221
965 3/4 ist von seinem comitatus die Rede und seiner kärntnischen Amtsbezeichnung Waltpoto D O I n 279
ähnlich noch 977 8/9 D O II n 163
979 9/10 D O II n 205, 979 15/10 D O II n 206; 980 28/4 D O II n 216
c 985 Vogt Salzburgs für Besitz im Lavanttal Salzb. UB 1, 186 n 23. Sonstige Erwähnungen:
959 8/6 Graf Hartwich Salmann des Grafen Warmunt für Grabenstätt D O I n 202
c 960 Salzb. UB 1, 187 n 24; Graf im Isengau
963 17/3 Salzb. UB 1, 170 f. n 3, ferner 1, 184 f. n 21; im unteren Salzburggau
963 22/4 Salzb. UB 1, 168 n 1
977 20/9 D O II n 164 (Königl. Schenkung an das Kloster Michaelbeuern; in der Papsturkunde von 1137 7/6 für das Kloster wird auch Pfalzgraf Hartwig zu den Gründern gerechnet Kehr-Brackmann GP 1, 56 n 1); im Grafschaftsstreifen rechts des Inns nördlich Vogtareuth:
980 11/10 D O II n 230; (976) wegen Begünstigung des Herzogs Heinrich II. mit dem Kirchenbann belegt LL 2 b, 171, 3, 485, doch offenbar bald rehabilitiert, denn Pfalzgraf 977 20/9 s. o. und c 980 nQ 5, 166 n 1273; Graf in der Gegend von Freising c 965 und c 980 nQ 5, 92 n 1169, 166 n 1273;

+ c 985 16/6 Mondsee: Hartwicus palatinus 12. Jh. Necr. 4, 420
                   Michaelbeuern: Herwicus palatinus comes 17 Jh. Necr. 2, 214.

Filiation:
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Hartwig ist wie Kadalhoh III. (n 11) ein Zeitgenosse Aribos III., der als Sohn Kadalhohs II. beglaubigt ist. Er hat Aribo II. im Freisinger Raum und in Michaelbeuern, Kadalhoh III. in den Grafschaftsstreifen rechts des Inns beerbt; auch wegen der Namen kann nicht zweifelhaft sein, dass es sich um 3 Brüder handelt.

Gemahlin:
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Wigburg
+ 16/12 Wicpurc mater Hartwici archiepiscopi Salburg Dom 11. Jh. Necr. 2, 193. Kaiser OTTO III. nennt 999 den Pfalzgrafen Aribo IV. (n 12) einen sehr nahen Blutsverwandten des Herzogs Heinrich IV. von Bayern, des nachmaligen Kaisers HEINRICH II. (D OIII n 319); dieser selbst bezeichnet 1020 Aribos IV. gleichnamigen Sohn als seinen Blutsverwandten (D H II n 428). Diese Verwandtschaft kann nur durch HEINRICHS II. Großmutter Judith, Tochter des Herzogs Arnulf, vermittelt sein. Aus ihr erklärt sich die seit 953 zutage getretene Amtsstellung Hartwigs in Kärnten, der später feststellbare beträchtliche Eigenbesitz der ARIBONEN ebendort, ferner die Nachfolge Hartwigs (976) in der bayerischen Pfalzgrafschaft, die vorher der LIUTPOLDINGER Berthold (Andechs n 1) innegehabt hatte. Den Namen der Gattin als einer Schwester der Judith könnte man zunächst versuchsweise erschließen aus dem einer Enkelin Hartwigs II., der Äbtissin Kunigunde von Göß (n 24), der typisch liutpoldingisch ist. Aber mehr Umstände weisen ferner darauf hin, dass Hartwigs II. Gattin Wigburg hieß, nämlich
a) dass die Mutter des Erzbischofs Hartwig (n 14) Wigburg war,
b) dass der Erzbischof und damit auch Aribo IV. eine Schwester Wigburg (n 16) und
c) dass Aribo IV. zwei Töchter dieses Namens (n 18, 19) hatte.
Nun könnte man freilich annehmen, dass Hartwig II. zwei Frauen hatte, Kunigunde (Mutter Aribos und Eberhards) und Wigburg (Mutter des Erzbischofs und der Wigburg). Aber dagegen spricht sehr stark, dass dann Aribo IV. 2 Töchter nach seiner Stiefmutter genannt hätte. Die These mit den 2 Frauen wird dadurch hinfällig. Hartwig II. hat also nur die eine Gattin Wigburg gehabt, seine Enkelin Kunigunde ist offenbar nach der Gattin HEINRICHS II. genannt. Wigburg ist kein liutpoldingischer Name, er muss auf dem Umweg über den Bruder der Judith, Eberhard (als Herzog 939 vertrieben) erklärt werden, da ja auch einer der Söhne Hartwigs II. (n 13) Eberhard hieß. Eberhard der LIUTPOLDINGER (s. d. n 6) war mit Liutgarde, einer Tochter Wigerichs von Verdun verheiratet und hinterließ aus dieser Ehe den Bischof Wigfried von Verdun (+ 985). Man hat anzunehmen, dass Wigburg - man beachte die dreifache Namensbildung mit der Wurzel wig - ein 2. Kind aus dieser Ehe war, so dass durch ihre Ehe mit Hartwig der daraus stammende Aribo IV. ein Vetter 2. Grades des Kaisers HEINRICH II. wurde.

Kinder:

  Aribo IV.
        -13.12.(1027)

  Eberhard Graf im Isengau
       -4.4.

  Hartwig III. Erzbischof von Salzburg (991-1023)
        -5.12.1023

  Egilolf Priester
       -3.10.

  Wigburg
        -17.3.

  oo Otwin Graf im Pustertal
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GENEALOGISCHES HANDBUCH ZUR BAIRISCH-ÖSTERREICHISCHEN GESCHICHTE
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Dungern Prof. Dr. Otto: Seite 62
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5. Hartwig
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Die Abstammung nur aus dem Namen erschlossen.
Hartwig Waltbot im Kroatengau (Mittelkärnten) 953-980 (MG. Dipl. O. I. 252f.; 255; 303 f.; 395; O. II. 183 f.; 243) und bei Villach 979 (ebenda S. 233);  wohl identisch mit dem Grafen und Pfalzgrafen von 963 und 977 im Salzburggau (ebenda S.184; Salzb. UB. I.170) und dem Grafen im Isengau 963 und um 976 (Salzb. UB. I. 170 und 185).
Der Pfalzgrafentitel hängt jedenfalls mit dem Kärntner Waltboten-Amte zusammen.
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HERKUNFT UND GESCHICHTE FÜHRENDER BAYERISCH-ÖSTERREICHISCHER GESCHLECHTER IM HOCHMITTELALTER
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Gewin Dr. J.P.J.: Seite 85
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15. Hartwig
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959-c. 990, Graf im Isengau, Vogt des Erzbischofs Friedrich von Salzburg, Pfalzgraf von Bayern.
959. Juni 8. Auf Intervention Erzbischof Friedrichs schenkt König OTTO I. den Kanonikern von Salzburg die ihnen vom Grafen Hartwig überlassenen Güter zu Grabenstädt im Chiemgau "in comitatibus Otachari, Sigehardi ac Willihelmi": Urk. OTTOS I. nr. 202, S. U. II. 48, Reindel Seite 222.
963. Salzburg. Wintermonning und Meggenthal in der Grafschaft Hartwigs: S. U. I. 168, 1.
963. März 17. der Isengau, in der Grafschaft Hartwigs: S. U. I. 170, 3. C. 976. 1. Zeuge: S: U. I. 184, 20.
(nach 976) Aich im Isengau in der Grafschaft Hartwigs: S. U. I. 185, 21.
(c. 963). Graf Hartwig, Vogt des Erzbischofs Friedrichs (D. 17.): S. U. I. 175, 10.
Vor 991 Mai 1. Idem: S. U. I. 186, 23.
977/81. Ein Gütertausch zwischen Bischof Abraham von Freising und dem Edlen Meginhard geschah auf Rat des Pfalzgrafen Hartwig und des Papo: F: nr. 1273.

Note:
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In der einschlägigen Literatur wird allgemein angenommen, dass obiger Pfalzgraf Hartwig dem ARIBONEN-Geschlecht angehörte. Für diese Annahme besteht jedoch nach unserer Meinung kein einziger Grund. Sie beruht wahrscheinlich lediglich auf der Tatsache, dass im Anfang des 10. und im 11. Jh. Mitglieder des ARIBONEN-Geschlechtes das Pfalzgrafenamt ausübten, von denen einer den Namen Hartwig (C. 14.) führte.
Betrachten wir den Namen Hartwig in dem Laufe der Zeiten, so zeigt sich, dass dieser Name bei dem Geschlechte der ERNSTE bereits im 9. Jh. und weiter ständig als Leitname vorkommt. Bei dem Geschlechte der Salzburger erscheint dieser Name zuerst im Anfang des 10. Jh. bei dem Grafen Hartwig D. 6., bei den ARIBONEN in der 1. Hälfte des 11. Jh. bei dem Pfalzgrafen Hartwig C. 14. Der Pfalzgraf Hartwig aus dem ARIBONEN-Geschlecht C. 14. war ein Enkel des vorgenannten Grafen Hartwig D. 15. Da dessen einziger Sohn Hartwig Erzbischof von Salzburg war, ging das Pfalzgrafenamt auf den Gemahl seiner Tochter Adala,Graf Aribo C. 7., und nach dessen Tod auf dessen nach seinem Großvater mütterlicherseits genannten Sohn Hartwig C. 14. über.
Die Ernennung des ersteren Pfalzgrafen Hartwig D. 15. entspricht durchaus den politischen Verhältnissen unter der Regierung König OTTOS II. (973-983). Angehörige von OTTOS Geschlecht, unter denen sein Vetter Herzog Heinrich II. von Bayern F. 4., empörten sich gegen den König und dabei schloss sich der LIUTPOLDINGER Berthold E. I. 9. an. Es liegt unter diesen Umständen auf der Hand, dass für das Pfalzgrafenamt ein Glied aus dem mächtigen Salzburger Geschlechte gewählt wurde. Der regierende Erzbischof Friedrich D. 17., der 3. seines Geschlechtes, der als Metropolit fungierte, war ein Bruder des Pfalzgrafen Hartwig; sein Vetter Pernhard D. 13. war Vogt der Salzburger Kirche.
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Hartwig I. war eine wichtige kaiserliche Stütze und wurde 977 Pfalzgraf von Bayern.

Faußner Hans Constantin: Seite 41
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"Frühzeit der Babenberger"

Pfalzgraf Hartwig begegnet uns zum ersten Male in einem angeblichen Diplom vom 20. September 977 für das Kloster Michaelbeuren (D.O.II. 164): situs in comitatu Haertwici palatini comitis, dies wohl einer zeitgenössischen Aufzeichnung entnommen, in der es aber geheißen haben dürfte: situs in possessione. Da in der Pfalzgrafschaft als Reichslehen iure hereditario gleich wie im Herzogtum der Sohn dem Vater folgte, so ging die Pfalzgrafschaft von Hartwig I. auf seinen Sohn Aribo I., von diesem auf seinen Sohne Hartwig II. und sodann seinen Enkel Aribo II. über.

Trillmich Werner: Seite 103
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Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Hartwig, vermögender Graf im Isen-, Chiem-, Salzburggau und Vogt des Erzbistums Salzburg erwarb 955 das neugeschaffene Pfalzgrafenamt, das ihm entscheidenden Einfluss bei König und Herzog verschaffte. Es verblieb seinen Nachfahren bis 1055. Wir kennen Allodien, Grafschaftsrechte, Lehen und Vogteien um Regensburg an der Donau, im Nordgau wie im Tiroler Inntal, in der Ostmark, jenseits der Tauern und südlich vom Brenner. Als "Walpoto" wirkte Hartwig im Dienste des Herrschers auch in Kärnten und seinen Marken. Vom Südufer der Drau griff er sogar nach Friaul hinüber.

Störmer Wilhelm: Seite 249,421
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"Früher Adel"

Ein proximus des Erzbischofs Odalrich von Salzburg ist Hartwich, der nach dem Aufstand der LUITPOLDINGER 953/54 gegen den Herrscher die Leitung des Kroatengaus in Kärnten übernahm und als erster die Stellung eines Waltboten, das heißt eines permanenten königlichen Sonder-Kommissars, erhielt, schließlich aber nach der Beseitigung der liutpoldingischen Macht 976/77 das Pfalzgrafenamt in Bayern übernahm. Hartwig war durch seine Gattin mit den LUITPOLDINGERN und OTTONEN verwandt; hatte aber auch enge Verwandtschaftsbeziehungen zu den Herren des Südostens. In diese Herrenschicht des Grenzlandes suchte er auch seine Kinder einzuheiraten. So heiratete seine älteste Tochter Adala Aribo, den Sohn des Grafen Chadalhoh.
Als Weriant, dessen Frau eine LUITPOLDINGERIN war, und der die Verwaltung des Königsgutes in Kärnten innehatte, sich am Liudolfingischen Aufstand beteiligte, rückte Hartwig - nach H. Dopsch ein Verwandter des Erzbischofs Odalbert von Salzburg und Gatte einer LUITPOLDINGERIN - in die Kärntener Reichsfunktionen nach. Er erscheint 953 erstmals als Inhaber eines ministerium im kärntnischen Krapfeld, 961 wird er als Graf in Bayern, 977 als Pfalzgraf bezeichnet; 965 hat er einen comitatus in Kärnten inne, in welcher Eigenschaft er als Walpoto bezeichnet wird. Damit ist Hartwig der erste bezeugte Gewaltbote in Mittel-Kärnten; sein Amt erinnert an den karolingischen Sendboten, den missus dominicus; das Amtsgebiet aber lag in Mittelkärnten, wo auch die alte kärntnische Pfalz und die Hauptmasse des Königsguts lag.
Im Jahre 976, als OTTO II. in Bayern einmarschierte, könnte er den Grafen und Waltboten Hartwig zum Pfalzgrafen ernannt haben. 977 wird er bereits als solcher genannt.
Hartwig war kein ARIBONE, wie es die bisherige Forschung sah. Seine Tochter Adala heiratete aber in 1. Ehe den ARIBONEN Aribo I. der Hartwigs Pfalzgrafenamt übernahm und seitdem in seinem "Hause" vererbte.

Diepolder G.: Seite 78,96
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"Die Herkunft der Aribonen"

Der Name Hartwig in der pfalzgräflichen ARIBONEN-Familie legte einen unmittelbaren Zusammenhang mit Aribos Amtsvorgänger, dem Pfalzgrafen Hartwig I. nahe, lässt aber auch an eine Beziehung denken zu jenem Hartwig einer früheren Generation, den Erzbischof Adalbert von Salzburg seinen proximus nennt und den man deshalb allgemein für Odalberts Bruder hält.
Wenn auch der Name Hartwig unter den Agnaten der Freisinger ARIBONEN bis um das Jahr 1000 nicht vorkommt, so muss doch auffallen, dass Pfalzgraf Hartwig, der Amtsvorgänger des Pfalzgrafen Aribo, dessen Position im ARIBONEN-Stammbaum zwar noch umstritten, dessen Familienzugehörigkeit aber kaum anzuzweifeln ist, in einigen Freisinger Urkunden gemeinsam mit unserer Familie erscheint: er ist 957/72 Spitzenzeuge, als Ogo Besitz in Trudering gegen Besitz in Kollersdorf an der Pfettrach und Rannertshausen bei Sillertshausen tauscht. Unter den Zeugen folgen Jakob und andere Angehörige der DIETRICHS-Familie. Dass wir es hier wirklich mit dem Pfalzgrafen zu tun haben, zeigt die Beurkundung eines Tauschgeschäftes zwischen Bischof Abraham und dem Edlen Meginhart um Schwabing 977/81, das mit Rat des Pfalzgrafen Hartwig und Papos stattfand.
 
 
 
 

  oo 2. Wigburg von Bayern, Tochter des Herzogs Eberhard
                   -16.12.

     1. oo Pilgrim
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Kinder:

  Eberhard Graf im Isengau
         -4.4.

  Aribo I. (IV.)
       - nach 1020

  Hartwig Erzbischof von Salzburg (991-1023)
       - 5.12.1023