Lothar von Hochstaden                             Bischof von Lüttich (1192-1194)
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    -   1194
     Rom
 

Jüngerer Sohn des Grafen Otto von Are-Hochstaden und der Adelheid von Hochstaden, Tochter von Graf Gerhard II.
 

Csendes Peter: Seite 108-110
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"Heinrich VI."

Nach dem Tode Philipps von Heinsberg war noch im ausgehenden Jahr 1191 vom Domkapitel Lothar, der Bruder Dietrichs von Hochstaden, eines treuen kaiserlichen Parteigängers, gewählt worden. Doch unter dem Druck der Grafen von Berg und Altena, zwischen Wupper, Agger und Ruhr besitzmächtig, die auch in der Vergangenheit stets großen Einfluß auf die Kölner Wahl ausgeübt hatten, wurde Lothar zum Verzicht gezwungen.
Auch in Lüttich hatte es eine Bischofswahl gegeben. Nach einer Doppelwahl wurde Kaiser HEINRICH VI. angerufen, der die Wahl gemäß den Bestimmungen des Wormser Konkordats durch Fürstenspruch für ungültig erklären ließ. Er traf eine völlig unerwaretete Entscheidung. Er setzte Lothar von Hochstaden, Propst von St. Cassius in Bonn und Domdechant von Lüttich, der erst kurz zuvor als Erzbischof von Köln gescheitert war und den HEINRICH jetzt auch noch zu seinem Kanzler ernannte, als Bischof von Lüttich ein. Wie die Quellen berichten, betonte der STAUFER, dass er bei diesem seinen Vorgehen lediglich seinem Recht und dem Ansehen des Reiches, aber auch dem Vorbild seines Vaters gemäß gehandelt habe.
Nur ein kleiner Teil der Lütticher Domherren ließ sich zur Anerkennung Lothars bewegen. Von den adeligen Streitparteien akzeptierte Balduin von Hennegau die Ernennung und erlangte auch die Belehnung mit dem Reichslehen Flandern. Heinrich von Brabant hingegen weigerte sich, dem Bischof den Lehenseid zu leisten. Denn es war nicht allein das herrische Vorgehen und die kränkende Zurücksetzung, die den Brabanter bewegten. Hinter der Nominierung Lothars stand mehr. Die HOCHSTADENER verfügten über Besitz an Ahr und Erft, standen im Gegensatz zu den benachbarten Grafen von Berg und konnten somit dem Kaiser eine Region sichern, die nunmehr von Lüttich bis an den Rhein reichte. Es läßt sich leicht vorstellen, dass dieser neue Plan kaiserlichen Fußfassens am Niederrhein während des Italienzugs vom Herrscher mit Graf Diether entwickelt worden war. Die Besetzung des Kölner Erzstuhls wäre natürlich das primäre Ziel gewesen, doch mußte auch die nunmehrige Lösung für beide Teile von Vorteil sein.
Es wurde allerdings sehr schnell deutlich, dass sich die Betroffenen - Albert von Löwen, der Herzog von Brabant, die Grafen von Berg - zum Widerstand formierten. Albert, der erwählte Bischof, begab sich unverzüglich nach Rom, obwohl der Kaiser die Grenzen sperren ließ, und brachte den Fall vor den Papst. Coelestin konnte von sich aus das Vorgehen des Kaisers nicht tolerieren. So erlangte Albert eine Bestätigung seiner Wahl und vermochte bei seiner Rückkehr diese Legitimierung ins Treffen zu führen. Der Papst hatte zugleich Bruno von Köln aufgetragen, Albert zum Bischof zu weihen, aber auch für den Fall, dass sich dieser aus Furcht vor dem Kaiser dazu außerstande sähe, den Erzbischof von Reims ermächtigt, die Weihe vorzunehmen. Bruno griff tatsächlich diesen Ausweg auf. So empfing Albert am 19. September 1192 in Reims die Bischofsweihe und konnte von zahlreichen Lehensträgern der Kirche von Lüttich den Eid entgegennehmen. Verständlicherweise war der Kaiser aufs höchste erbost. Am 24. September hielt er sich bereits in Lüttich auf, um die Stellung Lothars zu sichern. Da er gegen Alberts Anhänger gleichzeitig gewaltsam vorging, huldigte sogar Heinrich von Brabant und fand sich zu einem Friedensschluß mit Balduin von Hennegau bereit. Somit schien die kaiserliche Autorität unwidersprochen durchgesetzt. Da wurde am 24. November vor den Toren von Reims Albert von deutschen Rittern erschlagen. Die allgemeine Reaktion war ungeheuer. Sofort wurden gegen die HOCHSTADENER und den Kaiser selbst die schwersten Anschuldigungen erhoben. Es schien klar, dass die Grafen von Hochstaden ihre errungene Position mit einer Gewalttat hatten verteidigen wollen und dies kaum ohne Zustimmung des Herrschers gewagt hätte. Lothar beteuerte unter Eid seine Unschuld, doch wurde ihm nicht geglaubt. Coelestin sprach die Exkommunikation aus und erklärte ihn all seiner Pfründen für verlustig. Der Gebannte begab sich nach Rom, um seine Lossprechung zu erlangen, die selbstverständlich mit dem Verzicht auf Lüttich verbunden war. In Rom ist der HOCHSTADENER auch 1194, bei einem zweiten Aufenthalt, von dem er sich die völlige Absolution erhoffte, gestorben.

Toeche, Theodor: Seite 217,224,230,244,260
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"Kaiser Heinrich VI."

Schon war Lothar von Hochstaden, ein Propst des Bonner Cassiusstiftes, welches in fortwährendem Rangstreit mit dem Kölner Domkapitel gelegen zu haben scheint, rechtmäßig gewählt. Aber erschreckt durch die Drohungen der bergischen Partei, leistete er noch spät Verzicht und machte einem Gliede jener Familie, dem propste Bruno, Platz.
Lothar von Hochstaden dagegen war hochgebildet, aus einem edlem und sehr reichen Geschlecht, in kräftige Mannesalter. Von lebhaftem Ehrgeit getrrieben, hatte er schnell eine Reihe geistlicher Würden erlangt. Von dem großen Ansehen, dessen er genoß, und von seiner Ergebenheit für den Kaiser hatte seine Erwählung zum Erzbischof von Köln soeben Zeugnis gegeben, bei welcher er nur der Gewalt der kaiserfeindlichen brabantischen Partei noch zuletzt hatte weichen müssen. Die Zahlung von 3.000 Mark Silber, welche Graf Dietrich dem Kaiser bot, senkte die Waage vollends zu Lothars Gunsten. Um die unwürdige Bestechung zu verdecken, gab HEINRICH VI. dem Propste die durch Dieters Tod erledigte Kanzlerstelle. Zwei Tage darauf, am 13. Januar, sprach er in der Lütticher Sache die Entscheidung.
Auf einer feierlichen Fürstenversammlung am 13. Januar 1192 erklärte der Kaiser den Propst Lothar von Hochstaden zum Bischof von Lüttich. Ein lauter Aufruhr folgte seinen Worten.
Vergebens schwur Lothar von Hochstaden in Lüttich und dann in Köln aufs heilige Sakrament, unwissend an der Tat zu sein. In großer Angst floh er auf die bischöfliche Burg Huy, rief die Grafen von Hennegau und Looz zu sich, wiederholte ihnen am 27. Dezember den Eid seiner Unschuld und bat den Ersteren um Rat und Hilfe. Dieser versprach ihm die dem Lehnsherrn schuldige Unterstützung und riet auf der Burg in Sicherheit zu bleiben, die Schritte des Herzogs von Brabant abzuwarten und eiligst durch Boten den kaiser um seinen Willen zu befragen.
Inzwischen hatten sich die mächtigen Verwandten des Gemordeten, die Herzoge von Brabant und Limburg und ein großer Teil des Adels bei Köln versammelt. Auch Erzbischof Bruno kam dazu. Alle schworen Rache an dem Grafen Dietrich von Hochstaden und einen Bund gegen den Kaiser. HEINRICH VI. wurde laut und öffentlich als Urheber der tat angeklagt. Heinrich von Brabant eilte zum Grafen von Hennegau und beteuerte, nichts gegen das Bistum Lüttich im Schilde zu führen; nur gegen Lothar, der sei sein Todfeind. Und so allgemein war die Überzeugung von Lothars Schuld, daß Balduin, der Tags zuvor den Eid desselben gehört und ihm Hilfe zugesagt hatte, sich mit dem Brabanter verbündete.
Die Mörder wurden von Papst Cölestin exkommuniziert, Lothar von Hochstaden aller geistlicher Würden entsetzt [zeugt in HEINRICHS Urkunden vom 19. April 1194 als Lotharius de Hochstaden mit seinem Bruder Graf Dietrich.].
Gleich nach der Zusammenkunft der Fürsten in Köln war die Fehde des Herzogs von Brabant gegen den Garfen von Hochstaden losgebrochen. Im Januar 1193 befand sich die ganze Grafschaft in der Gewalt des Feindes; nur die Burg Ahr, die noch heute trotzig vom Felsen in das enge gewunden Waldtal niederschaut, widerstand. Lothar von Hochstaden war mutlos an den Hof des Kaisers geflüchtet [Lothar sucht nachher in Rom die Gnade des Papstes, erkrankt und stirbt daselbst.] .