Kunigunde von Formbach                        Gräfin von Andechs
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    - c 1170
 

Tochter des Grafen Ekbert II. von Formbach-Pütten und der Willibirg von der Steiermark, Tochter von Markgraf Otakar II.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 146
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47. Kunigunde
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F. entgegen der Hausgenealogie unter e) und eV.
c 1120 siehe 39
(1152) siehe 46.

Gemahl:
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1.) c 1135 Berthold IV. von Andechs (siehe da n 30) + 1151;
2.) (1152) Ulrich III. von Deggendorf und Pernegg (siehe Raabs n 9)
+ c 1170
vgl. ferner unten die Bemerkung über das Formbacher Erbe.
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GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 147
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Bemerkungen über das Formbacher Erbe
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Ekbert III. ist vermutlich ohne Testament gestorben. Die einzige Erbin war nach dem baldigen kinderlosen Tode seiner Schwester Mathilde die zweite Schwester Kunigunde, die sich aber zum zweite Mal unter ihrem Rang verheiratet hatte. Das Ausschlaggebende bei der Erbregelung waren die Reichslehen, die Grafschaften Neuburg-Schärding und Windenberg. Man wird allgemein, besonders aber an höchster Stelle als untunlich empfunden haben, dass diese an Ekbert, den unmündigen Sohn Ulrichs III. von Deggendorf, fielen, dessen Vater ein einfacher Edelfreier war. Andererseits waren die Grafschaften seit langem mit den allodialen Mittelpunkten Neuburg und Windberg innig verbunden, also diese Allode von den Grafschaften praktisch nicht zu lösen, dazu Berthold V. von Andechs, Kunigundes Stiefsohn, sicher der gegebene Mann für die Übernahme des gesamten Erbes. Daher wird man Kunigundes Töchter aus ihrer 1. Ehe dem klösterlichen Stande zugeführt und zum Verzicht zugunsten Bertholds V. bewogen haben. Immerhin war das eine rechtliche Künstelei, und Otakar III. von Steiermark war offenbar nicht gewillt, diese Regelung auch bezüglich des in seiner Markgrafschaft gelegenen Ländchens Pitten anzuerkennen und den glücklichen und mächtigen Erben sich im eigenen Hause breit machen zu lassen, er "zog sich" zu dem Ländchen (DChr. 3, 709). Kunigunde von Deggendorf jedoch blieb auf ihrem Pflichtteil an dem väterlichen Erbe beschränkt, den sie auf ihren Sohn vererbte.
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Moritz Joseph: Seite 144-152 (1803)
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"Kurze Geschichte der Grafen von Formbach, Lambach und Pütten"

Kunigunde, die Schwester des Grafen Ekberts III. und Gemahlin des Grafen Bernhard von Kärnten
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1) Willibirg trug die gleiche Sorge für ihre Tochter Kunigunde als für ihren Sohn Ekbert III., weil sie für dieselbe so wichtige Geschenke machte, als für diesen; sie waren also gewiss aus dem nämlichen Ehebande. Die Kunigunde war aber älter als ihr Bruder, denn in den 3 formbachischen Urkunden, die von der Kunigunde reden, wird sie uns als schon erwachsen und sich selbst überlassene Person vorgestellt, und zwar in Urkunden, die in den verschiedenen Jahren und früher noch ausgefertigt waren, als des Ekbert III., ihres Bruders, irgendwo bedacht wird.
2) Die dritte Urkunde, welche von der Kunigunde redet, ist die merkwürdigste. Sie opferte damals ein Mägdelein als eine freie Dienerin zum Kloster Formbach; sie wird Frau Gräfin Domina Chunigund Comitissa genannt; es geschieht keine Meldung mehr von ihren Eltern; ihr Bruder Ekbert III. allein nebst einigen Ministerialen leisten ihr Zeugschaft und dabei heißt es: dies Opfer geschah, als die Kunigunde von der Provinz sich verreiste; glaublich nach dem Tode ihres Vaters und ihrer Mutter, als sie ihren Bruder besuchte und etwa der Erbschaftsgeschäfte halber zu ihm kam. Damals war also die Kunigunde verehelicht, weil sie eine Frau Gräfin genannt wird und zwar an einen Grafen, der außerhalb der Provinz wohnte.
3) Wer aber war ihr Gemahl? Dieser war weder Berthold II. noch Berthold III. von Andechs, sondern der Graf Bernhard von Kärnten. Das erste beweise ich aus dem, weil die Kunigunde gewiss weder die Mutter Bertholds III., noch seine Gemahlin sein konnte. Die Mutter Bertholds III. von Andechs war zuverlässig die Hedwig, die sowohl beim Alberico trium fontium und im Diessischen Geschlechts-Register, als auch in den Urkunden mit Berthold II., ihrem Gemahl, vorkommt, mit dem sie  wenigstens 36 Jahre vom Jahre 1140 bis 1176, das ist, bis zu ihrem Tode lebte. Diese war nur die einzige Gemahlin des Berthold II., und sie war mit ihm eben zur Zeit vermählt, als Kunigunde auch eine Frau war; die Kunigunde muss also einen anderen Gemahl gehabt haben. Hinzu kommt noch, dass Kunigunde schon eine Gräfin genannt wird, ehe noch Berthold II. seinem Vater, der erst 1151 starb, in der Grafschaft folgen konnte. Um so weniger konnte die Kunigunde die Gemahlin des Grafen Berthold III. sein.
a) Die Kunigunde war ungefähr 25 Jahre älter, als Berthold III.; sie war schon Gräfin, und an einen Grafen vermählt, da Berthold III. noch kaum geboren sein konnte.
b) Berthold III. hatte ums Jahr 1170 die Agnes, die Tochter des Dedo oder Theco, Markgrafen von Meißen geheiratet, die mit ihrem Gemahle bis 1195, das ist, bis zu ihrem Tode, lebte; sie war also die einzige Gemahlin des Grafen Berthold III.
c) Ferner beerbte Berthold III. nicht die Kunigunde, sondern nur den Grafen Ekbert III., wie er sich in der Urkunde der Zollbefreiung selbst erklärt, besonders weil diese Befreiung als ein Seelgerät nicht für die Kunigunde, sondern für den Grafen Ekbert III. gegeben war.
d) Ekbert, der nachmalige Bischof von Bamberg, ist ein zuverlässiger Sohn dieser Agnes, weil er höchstens ums Jahr 1174 geboren sein konnte, indem ihm im Jahre 1203, als er zum Bischof von Bamberg erwählt wurde, noch das kanonische Alter nicht erreicht hatte und er folglich noch nicht 30 Jahre zählte; also tritt seine Geburt in einer Zeit ein, da dieser gewiss schon mit der Agnes vermählt war. Nun aber Ekbert war der älteste Sohn des Grafen Berthold III., mithin kann Kunigunde die Mutter des Söhne Bertholds III, also auch seine Gemahlin nicht sein.
e) Man kann endlich auch nicht sagen, dass Kunigunde als Witwe ihres Grafen zum 2. Male an den jungen Berthold III. noch von seiner 2. Gemahlin Agnes sei vermählt gewesen, dem sie aber keine Kinder geboren hätte, denn entweder hat Kunigunde ihren Bruder oder ihr Bruder sie überlebt; im 1. Falle wären an den Grafen Berthold III., nicht nur die Besitzungen des Grafen Ekbert III., nämlich Formbach, Neuburg und Pütten usw. heimgefallen, sondern auch Kunigunde hätte dem Markgrafen Otachar von Steier keinen Teil der ihr zugefallenen Güter vermachen können, weil ihr Gemahl, der nach der Voraussetzung Berthold III. sein sollte, noch lebte, und also die ganze Erbschaft eingezogen hatte. Diesem widerspricht aber die Urkunde, wo Berthold III. den Titel der Erbschaft nicht von seiner Gemahlin, sondern vom Grafen Ekbert III. selbst herschreibt. Im 2. Falle, wenn ihr Bruder sie überlebt hätte, so wäre wieder die ganze Erbschaft an Berthold III. gekommen, und Markgraf Otachar hätte auf die Erbschaft der Kunigunde nach dem Tode des Grafen Ekbert III. um so weniger Anspruch machen können, weil diese schon vor dessen Tod ihrem Gemahl angefallen wäre. Es ist also handgreiflich, dass die Bertholde von Andechs, der II. und der III., die Kunigunde, die Schwester des Grafen Ekbert III., zur Gemahlin nicht haben konnte.
4) Den wahren Gemahl entdecke ich in einem alten Fragment, welches uns Abt Aug. Rumpler von Formbach aufbehalten hat, wo von den Erbschaften des Markgrafen Otachar V. von Steier geredet und den 2 Erbschafts-Fällen auch der Titel angemerkt wird: dort steht eine Kunigunde, die Gemahlin des Grafen Bernhard von Kärnten und wird eine Base (Amita) des Markgrafen Otachar V. genannt, wegen welcher dieser den Grafen Bernhard beerbte; gleich danach steht die Tochter des Grafen Ekbert II. und der alte Verfasser des Fragments heißt sie auf die gleiche Art eine Base (Amita) des nämlichen Markgrafen. Schon der Zusammenhang der Stelle selbst fordert es, dass wir aus der Tochter Ekberts II. und aus der Gemahlin des Grafen Bernhard nicht 2 Personen machen müssen. Der Autor sagt: Otachar erbte von Testamentswegen nicht nur von Grafen Bernhard wegen dessen Gemahlin Kunigunde, die des Markgrafen Base war, sondern er erbte auch die Base selbst, welche eine Tochter des Grafen Ekbert war; denn erstens das Wort amita muss hier im gleichen Sinne genommen werden, sonst hätte der Autor erklären oder die Tochter des Grafen Ekberts beim Namen nennen müssen. Da er aber eines Teils die Tochter des Grafen Ekberts II. nicht nennt und andererseits aus Urkunden bekannt ist, dass sowohl die Tochter des Grafen Ekbert II. als die Gemahlin des Grafen Bernhard von Kärnten, Kunigunde geheißen; da auch die Zeit, wo Graf Bernhard in Urkunden als Graf erscheint, genau mit jener übereinkommt, da die Kunigunde, Tochter des Grafen Ekbert II. mit einem Grafen und zwar wie der Ausdruck: proficiscens de Provincia erweist, mit einem Grafen von einem entfernten Lande vermählt war; ferner, da mit Grunde nicht behauptet werden kann, dass in der väter- und mütterlichen Freundschaft des Markgrafen Otachar sich eine Kunigunde um diese Zeit vorfinde, ausgenommen jene, welche die steiermärkischen Geschichtsschreiber aus eben diesem Fragment herleiten wollen; endlich da die Erbschaftsfälle, wenn sie sich im kurzer Zeit aufeinander ereignet, gemeinschaftlich den nämlichen Grund- und Ankunftstitel bei sich haben: so schließe ich, dass die zwei Fälle, die zwar zu verschiedenen Zeiten sich mögen ereignet haben, doch nur einen Grund- und Haupttitel für sich haben, und dass dieser Titel in der einzigen Kunigunde, der Tochter des Grafen Ekbert II., welche gewiss eine Base des Markgrafen Otachar V. war, zu suchen sei. Die Fälle der Erbschaften dieses Markgrafen mögen sich also nach der Ordnung, in der uns das Fragment dieselben ansetzt, beiläufig so zugetragen haben. Graf Bernard, der im Jahre 1141 ins gelobte Land reiste, kann mit der Bedingnis, wenn er nicht zurückkehren sollte, wie es auch geschah, indem er im folgenden Jahr auf der nämlichen Reise starb, kann, sage ich, ein Testament, zwar vorzüglich zu Gunsten seiner Gemahlin, der Kunigunde, aber auch zu Gunsten ihres Blutsfreundes, des Markgrafen Otachar gemacht haben. So mag sich also der erste Fall bei der Erbschaft des Grafen Bernhards ereignet haben. Weil nun Kunigunde ihren Gemahl überlebte und sich nicht mehr verehelichen wollte, so bediente sie sich ihrer Freiheit, mit ihren Gütern nach Gutdünken zu schalten uns vermachte ihrem Vetter ihre eigentümlichen Besitzungen ohne Bedingnis, einen Teil der väterlichen Erbschaft aber, auf den Fall, wenn ihr Bruder ohne Erben sterben sollte; somit wäre nun die doppelte Erbschaft dieses Markgrafen ausgeglichen. Übrigens tat Kunigunde auch dem Kloster Admont viel Gutes und starb noch vor ihrem Bruder, weil gleich nach dessen Tod die ganze Erbschaft eines Teiles von Markgrafen Otachar V. andererseits vom Grafen Berthold III. von Andechs in Besitz genommen wurde.
 
 
 
 

  c 1135
  1. oo 2. Berthold I.(IV.)Graf von Andechs
                   -27.6.1151

  2. oo Ulrich III. Herr von Deggendorf
                  - c 1170
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Mathilde Äbtissin von Edelstetten 1153/54
        -31.5.1160

  Eufemia Äbtissin von Alto-Münster
        -19.6.1180

  Kunigunde Nonne im Kloster Admont
        -10.12. um 1139

2. Ehe

  Ekbert Herr von Deggendorf
        -19.1.1200