Ekbert III.                                               Graf von Formbach-Pütten (1144-1158)
--------------                                             Graf von Neuenburg
    -5.8.1158
     vor Mailand

Einziger Sohn des Grafen Ekbert II. von Formbach-Pütten und der Willibirg von Steiermark, Tochter von Markgraf Ottokar II.
 

GENEALOGISCHE TAFELN ZUR MITTELEUROPÄISCHEN GESCHICHTE
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Wegener Dr. Wilhelm: Seite 146
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46. Ekbert III.
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F. s. Hausgenealogie unter f);
eV. c 1130 Ekkebertus filius Ekkeberti OÖ UB 1, 631 n 13
1134 und 1136 13/6 siehe 39
(1144 nach 24/11) siehe 39 unter Willibirg
(1145 nach 29/11) siehe 42
c 1145 gibt auf Mahnung und unter Mitwirkung seiner seligen Mutter Willibirga als Seelgerät für sie dem Kloster Reichersberg den freien Innübergang unter seiner Burg Neuburg OÖ UB 1, 308 n 65
(1146) comes Ekkebertus in Ungarice expeditionis preparatione beschenkt Vornbach OÖ UB 1, 642 f n 55
1148 6/4 Hohensalzburg Ekkebertus comes de Butina Salzb. UB 2, 380 f n 268 d
1149 Pitten comes Ekkibertus Salzb. UB 2, 386 f n 272
c 1150 Rab Tauschvertrag zwischen Reichersberg und Heinrich von Gravendorf über Gut zu Echenbach, das durch Schenkung des Hallgrafen Engelbert, seiner Gattin Hadewiga und seiner Söhne Gebhard und Dietrich an das Kloster gekommen ist OÖ UB 1, 446 f n 98
c 1150 Graf Ekkebert Vogt von Vornbach OÖ UB 1, 669 n 146
(1151) Eckebertus comes de Nuwenburch OÖ UB 1, 300 f n 482
(1152) Gräfin Chunigunt (von Andechs) proficiscens de provincia (zu ihrer 2. Heirat in Österreich) bedenkt Vornbach, Zeuge Ekkebertus frater eius OÖ UB 1, 720 n 315;
1154 3/2 Bamberg Nieder-Altaich liegt im Künziggau in der Grafschaft des Grafen Ekkebert, udZ. Eggebertus comes de Butene MB 29 a, 311 ff n 485; Stumpf 3681
1156 Wien Ekkebertus comes de Butine Salzb. UB 2, 448 f n 323;
1157 4/7 Bamberg Ekkebertus comes de Butine MB 29 a, 345 n 497, Stumpf 3773
(1158 nach Anfang März) Regensburg comes Eckebertus de Niunburch Hundt, Ebersberg 175 n 73
1158 (Frühjahr) Graf Ekebert beschenkt Vornbach beim Aufbruch zum Feldzug des Kaisers FRIEDRICH gegen Mailand OÖ UB 1, 672 n 156
+ 1158 5/8 im Kampfe vor Mailand,
vgl. unter anderem Vincenti Pragensis Annales: Herkenbertus (sic) princeps de regia stirpe, ipsus imperatoris cognatus SS 17, 671
Nekrologe: Dießen: Echebertus comes de Butene Necr. 1, 23;
Admont: Eggebertus comeso ccisus
St. Lambrecht: (3/8) Ekkebertus comes occius
Seckau: (4/8) Ekkebertus comes de Puten frater noster Necr. 2, 300, 334, 419
Traunkirchen: Erbertus (sic) comes Necr. 4, 432
Klosterneuburg: Ekkbertus de Puten comes
Mariazell: Ekbertus comes
Göttweig: Ekkibertus comes Necr. 5,48,141,462.
Offenbar unverheiratet.
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Thiele Andreas:
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"Erzählende genealogische Stammtafeln"

Ekbert III. erbaute die Burg Neuburg am Inn, nach der er sich nannte, und fiel vor Mailand. Mit ihm erlosch die Grafenlinie von Formbach am 5.8.1158.

Lechner Karl: Seite 165
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"Die Babenberger"

Damals begann das Aussterben bedeutender Grafengeschlechter, so 1156 der Hauptstamm der Grafen von Poigen, 1158 die Grafen von Formbach und Pitten (Graf Ekbert war vor Mailand gefallen) und 1168 die Grafen von Burghausen. Gewiss hatte sich Herzog Heinrich Jasomirgott von Österreich besondere Hoffnungen auf das Erbe der FORMBACH-PITTENER gemacht, aber das Erbe fiel an die Grafen von Andechs in Bayern, zum Teil an die Grafen von Bogen, in der karantanischen Mark aber an die TRAUNGAUER, die jetzt die Grafschaft Pitten endgültig erhielten.

Moritz Joseph: Seite 128-144 (1803)
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"Kurze Geschichte der Grafen von Formbach, Lambach und Pütten"

Graf Ekbert III. von Neuburg und Pütten
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1) Die erste Stelle, die von ihm lautet, ist glücklich für das Kloster Formbach. Im Jahr 1134 hatte sich sein Vater, Graf Ekbert II.,durch das Bitten des Abtes Dietrich und durch 22 Talente Silber bewegen lassen, das schon lange Zeit  zum Teil eingezogene Gut Gloggnitz dem Kloster Formbach zurückzustellen. Die Handlung geschah feierlich in der Kirche zu Gloggnitz; der Sohn des Grafen, nämlich Ekbert III. und die Frau Willibirg, die Gemahlin des Grafen Ekbert II., verrichteten die Delegation. Hieraus sehen wir, dass Ekbert III., von dem hier die Rede ist, damals schon ungefähr 12 Jahre alt gewesen sein muss; sonst hätte er bei dieser feierlichen Handlung weder seine Einwilligung geben noch delegieren und  noch weniger seiner Mutter vorstehen können.
2) Im nämlichen Jahr 1144, da sein Vater starb, folgte er ihm auch in seinen Besitzungen und Grafschaften. In diesem Jahr geschieht von ihm Meldung in der Urkunde des Erzbischofs Konrad von Salzburg, wo er dem Religiosen von Formbach den Zehnt von der Pfarrei Pütten einzieht und zugleich die Grenzen der Pfarren Pütten und Pramberg bestimmt; denn da heißt es, die Pfarrei Pramberg oder Premberg reichte bis an die ungarischen Grenzen und weiter herunter fort bis an den Hartberg, wo Graf Ekbert III. sein Gut hatte. Weil dieser Graf Ekbert der Letzte seines Stammes war, so dürfen wir uns nicht  wundern, dass er sogleich von allen als Erbe anerkannt wurde. In einer Urkunde vom Jahr 1146 sagt Erzbischof Konrad, dass der Stifter von Formbach, Graf Ekbert I. von Pütten, die Zehnten der Pfarrei Neukirchen gegeben, ob sie schon  dem Kirchen rechtgemäß dem Erzbischof zustanden; indessen werden doch die Güter in Neukirchen alte Allodien des Grafen Ekberts genannt und so weit darauf Rücksicht genommen, dass der Erzbischof sich eher zur Austauschung um 6  Höfe begnügen ließ.
3) In den formbachischen Urkunden kommt er häufig, teils als Advokat, teils als Zeuge, wiederum als Delegator, endlich und sehr oft als Wohltäter vor. Um ihn aber von seinem Vater zu unterscheiden, muss man die Umstände wohl betrachten. Bei  Lebzeiten seines Vaters, des Grafen Ekbert II., kommt er nicht oft in Formbach vor, außer wenn sein Vater oder seine Mutter selbst Schenkungen machten. Nach dem Tode seines Vaters wird er nicht sogleich Graf genannt, weil seine Frau Mutter, die dort allzeit Gräfin genannt wird, noch regierte; hier wird er oft ein Sohn des Grafen Ekbert, oft auch der  jüngere Ekbert betitelt. Nur einmal finde ich, dass ihn der Notarius mit dem Beinamen der 3. Ekbert, Ekkebertus  tertius, bezeichnet hat. Aus diesem Kennzeichen, das ihm hier der Notar gibt, habe ich oben §.XVI. geschlossen, dass es  wirklich nicht mehr als 3 Ekberte in diesem Geschlecht seit der Stiftung in den Jahren 1094 bis 1158 gegeben; dadurch fällt  auch der Einwurf weg, als wäre des letzteren Ekberts Ahnherr nicht Graf Ekbert I., sondern Graf Eberhard II. gewesen, denn da in einer Urkunde Luipold, der Sohn des Grafen Eberhards II. noch mit dem Vater Eberhards III. vorkommt und  in der nämlichen Urkunde Ekbert II. ein Graf, Luipold aber ein Sohn des Grafen Eberhard II. genannt wird; so wäre es  nicht nur widersinnig gewesen, wenn man diesen Luipold, der nach der Voraussetzung ein Bruder des Grafen Ekberts II.  gewesen wäre, nicht seinen Bruder, sondern den Sohn des Grafen Eberhard, seines Vaters geheißen hätte, ja sogar Ekbert der Letzte könnte alsdann auch nicht der dritten genannt werden, weil Ekbert I. gewiss einen Sohn Namens Ekbert hatte, welchen der letzte Ekbert in allen Rechten nachfolgte und eben darum in der Zählung des Notarius nicht umgangen werden  konnte.
4) Mit dem Erzbischof Eberhard von Salzburg vertrug sich Graf Ekbert III. besser, als seine Vorfahren mit dem Erzbischof Konrad I.; denn im Jahre 1147 fand er sich mit ihm beim Verzichtleistungsakt ein, den die Grafen von Burghausen auf das Gut Alsa oder Herrenals machten. Zwei Jahre danach, 1149, war Graf Ekbert III. mit Erzbischof Eberhard und einer großen Anzahl von der Geistlichkeit und vom Adel selbst zu Pütten und bekräftigte durch seine Gegenwart die Schenkung der dort erbauten und nach Reichersperg gewidmeten Kirche, eben als sie vom Erzbischof eingeweiht wurde. Er allein erscheint als Graf, obgleich auch Grafen-Söhne zugegen waren, weil er nämlich Graf des Ortes war und hier sein geschlossenes Gebiet hatte.
5) Eine niederaltaische Urkunde vom Jahr 1154 lehrt uns, dass die Grafschaft in Quinzigau, welche schon der Urahnherr des Grafen Ekbert III.  besessen, nicht nur noch bestanden, sondern auch in ihrer ganzen Größe dem Grafen Ekbert III. zugehört habe; selbst die königliche Urkunde vom selben Jahre sicherte sie ihm zu. Das Kloster Niederaltaich und die  meisten Güter, die das Kloster jenseits und diesseits der Donau bis an die böhmischen Grenzen besaß, lagen darin.
6) Im Jahre 1146 war er beim ungarischen Feldzuge und kam glücklich zurück, soviel sagt eine formbachische Urkunde; ich will aber dieses lieber vom Kreuzzug nach Palästina verstanden wissen. Auch der Graf Bernhard von Kärnten und Markgraf Otachar von Steier waren dabei. Dieser war der ungarische Feldzug genannt, weil die Reise durch Ungarn ging und gleich nach dem ungarischen Kriege folgte. Der ungarische Einfall im Jahre 1146 geschah plötzlich und man konnte dort von keiner Vorbereitung sagen, von der diese Urkunde redet.
7) Im Jahre 1156 fand er sich nicht nur beim Herzog Heinrich Jasomirgott zu Wien in einer Versammlung von vielen Grafen und  Edelleuten ein, sondern er unterschrieb auch dem zu Regensburg am 15. September vom Kaiser FRIEDRICH I. errichteten Instrument wegen Errichtung des neuen Herzogtums Österreich. Hierdurch wurde Graf Ekbert III. wegen der Grafschaft Pütten mit dem österreichischen Herzogtum verbunden; wegen der Grafschaften in Quinzigau, Windberg, Neuburg, Formbach, Reichersperg und Schärding blieb er wie vorher, beim bayerischen Herzogtum; daher kann man  beobachten, dass er von dieser Zeit in einigen Urkunden, die vor dem Herzog Heinrich dem Löwen in Bayern ausgefertigt  wurden, nicht von Pütten, sondern von Neuburg geschrieben wird.
8) Die Vermächtnisse, die er nicht nur nach Formbach, sondern auch nach Reichersperg, Geisenfeld usw. gemacht, sind sehr viele. Seine Eltern selbst, besonders seine Mutter, hatten für ihn verschiedene Güter und Dienstleute nach Formbach geopfert; diese vermehrte er mit Mundriching, Antissen, einem Walde bei Lavenz, Gütern in Hall, einem Rittergut Grafendorf, einer starken Waldung im Passauer Wald und mit vielen Dienstleuten. Nach Reichersperg schenkte er die zollfreie Überfahrt auf dem Inn bei seinem Schloss Neuburg auch eine Hofstatt Munigen, nebst einem Wald beim Fluss  Pucka und eine andere Hofstatt bei Putinau.
9) Seinen Tod erzählen uns eine Menge gleichzeitige Schriftsteller, Urkunden und Nekrologien. Otto von Freising und Günther von Mailand melden von ihm seltene und merkwürdige Umstände. Den 4. oder nach anderen, den 5. August wollte er bei  der Belagerung von Mailand mit noch anderen von Adel und Rittern bei 1.000 an der Zahl, eine unerhörte Tat ausüben und sich einen großen Namen machen, ohne Befehl dazu zu haben. Sie allein berannten die Stadt und da die Mailänder sich ihnen mit einer großen Armee entgegenstellten, ließen sie sich in verzweifeltes Handgemenge ein; sie wurden aber, wie es auch nicht anders möglich war, von der Menge der Feinde zurückgetrieben. Bei dem allem, als Graf Ekbert III. einen seiner Leute, den uns die Reicherspergische Chronik nennt, nämlich den Eberhart von Witerun gewahr nahm, wie er vom Pferde gestürzt wurde, wollte er ihm helfen, sprang vom Pferde und drängte allein die Feinde, die schon den Sieg hatten, bis zur Verschanzung zurück. Alle flohen vor ihm, niemand konnte seinem Arme und seiner Kühnheit widerstehen; aber dies war seine letzte Tat, denn, da ihm niemand helfen konnte, wurde er von der Menge der Feinde umringt, mit einem Wurfspeer verwundet und nachdem man ihm den Helm und Panzer ausgezogen, in der Blüte seiner Jahre zum größten Leidwesen aller Gutdenkenden enthauptet. Der Mailänder Poet Günther versichert, dass gleich damals auf diesen Helden Volkslieder  verfertigt wurden. Was uns viel wichtiger, als alles dieses ist, sind einige Strahlen, die der unparteiische und wohlunterrichtete Geschichtsschreiber, Bischof Otto über sein Geschlecht verbreitet. Erst nennt er ihn einen Grafen von Pütten, der wegen seines Adels, Reichtums, auch Geistesgröße und Körperstärke sich vor anderen sehr auszeichnete. Endlich rückt er mit seinem hohen Adel selbst heraus; der edelste Graf, sagt er, nobilissimus comes, und ein Mann von  königlichem Geblüte, regalis Sanquinis, wird elend ermordet. Der Mailänder Poet Günther, da er nach Otto von Freising schreibt, und ihn zum Teil  erklärt, sagt kurz, er war von hohem Geblüte und gab am Adel keinem König etwas nach. An Gemütsgaben glich er großen Königen. Man möchte aber fragen, wo die königliche Abkunft in dem Grafen Ekbert herkomme. Die Vermutung ist, dass er mütterlicherseits mit allen Königen des fränkischen, sächsischen und karolingischen Stammes nahe verwandt war; denn  ob man gleich bisher die Art der Verbindung nicht hat entdecken können: so gibt uns doch das Diplom des Königs  KONRAD III. vom Jahre 1141 die authentische Probe zu einer solchen Behauptung; weil dort König KONRAD III. den Grafen Ekbert II., den Vater dieses letzten Ekbert, seinen geliebten Blutsfreund nennt. Sie kann vom König KONRADII. oder HEINRICH III. herkommen, wovon auch König KONRAD III. mütterlicherseits abstammt. Was aber den  Reichtum des Grafen Ekbert III. belangt, so erhellt er auch zum Teil aus den von ihm und seinen Eltern und Verwandten  gemachten vielen Stiftungen und Vermächtnissen.
10) Dass sich nach dem Tode des Grafen Ekbert III. hauptsächlich zwei Fürsten als seine Erben gemeldet haben, dieses ist uns  aus Urkunden, die bald nach seinem Tode ausgefertigt wurden, gewiss. Der 1. Erbe war Markgraf Otachar V. von Steier, der zweite der Graf Berthold III. von Andechs, nachmaliger Markgraf von Istrien und Herzog von Dalmatien; aber der Ankunftstitel zeigt sich aus den Urkunden so klar nicht. Gewisser ist die Zeit des Erbschaftsanfalls und dass er unmittelbar  nach dem Tode des Grafen Ekbert III. eingetreten ist. Die Urkunden sowohl des Markgrafen Otachar V. von Steier, als  jene des Grafen Berthold III. von Andechs, Markgrafen von Istrien und Herzog von Dalmatien, sagen deutlich, dass sie dem Grafen Ekbert III. und sonst keinem anderen nachgefolgt sind; sie nennen die Nachfolge ausdrücklich eine Erbschaft, die von keiner andern Fürstenperson, als allein vom Grafen Ekbert III. herrührt. Markgraf Otachar V. von Steier zeigt dieses in zwei schon ums Jahr 1160 ausgefertigten Urkunden sowohl durch seine eigenen Worte, als durch die Tat; er sagt, durch den  Tod des Grafen Ekbert sei desselben Erbschaft an den Markgrafen Otachar gefallen; er beweist dieses, weil er die Schenkung des Bernhard von Erlach, eines ehemaligen Ministerialen des Grafen Ekberts nach dem Kloster Admont  sogleich umstößt und durch seinen Rentmeister einziehen lässt, indem der Ministeriale die Einwilligung des Markgrafen umgangen hatte; er beweist es wiederum in einem placito, das er zu Hartberg, einen zu Pütten gehörigen Schlosse hielt und die Streitsache des Ulrich von Ezenbach, ebenfalls eines Ministerialen des Grafen Ekberts mit dem Kloster Formbach scheidet. Wir können hier um so weniger eine Zwischenzeit nach dem Tode des Grafen Ekbert III. denken, weil die Urkunden selbst den Erbschaftsanfall gleich nach dessen Tode setzen, weil sich auch der Fall mit den beiden Ministerialen gleich nach dem Tode des Grafen Ekberts ereignete, indem von dem zweiten ausdrücklich gesagt wird, dass er gleich nach dem Tode des Grafen in die Güter des Stifts Formbach, und ohne Zweifel auch in andere Güter seines ehemaligen Herrn  seine Hand ausgestreckt habe. Eben so gewiss ist, dass auch auf Seite des Grafen Berthold III. von Andechs sich der Erbschaftsanfall sowohl allein von Graf Ekbert III. herschreibe, als auch gleich nach dessen Tod ereignet habe. Die Urkunde, wo Graf Berthold III. mit seinem Vater, dem Markgrafen Berthold II. dem Kloster Reichersperg die Zollfreiheit  bei Neuburg am Inn bestätigt, sagt es uns ganz klar; denn da erklären der alte Markgraf Berthold II. dann sein Sohn Berthold III. selbst, dass sie sonst niemanden, als allein dem Grafen Ekbert III. in der Erbschaft gefolgt sind; selbst der Umstand, der in der Urkunde ausgedrückt wird, beweist dieses, nämlich, dass diese Zollfreiheitsbestätigung nicht nur für ihr eigenes, sondern auch für das Seelenheil des Grafen Ekbert III. gemeint sei. Käme die Erbschaft von einer Schwester des Grafen Ekbert III. oder von seiner Mutter her, so mussten auch diese der Dankbarkeit halber nicht umgangen, und im  Seelgerät zugleich eingeschlossen werden. Dabei aber ist wohl zu bemerken, dass, obwohl diese Urkunde erst im Jahre 1173 oder 1174 gegeben ist, sich doch schon seit dem Jahre 1159 und 1160 diese Bertholde in dem Besitz der Erbschaft befanden. Dies wird unwiderleglich aus dem erwiesen,
a) weil die Grafschaft in Antisengau schon im Jahre 1162 Graf Berthold II. von Andechs, der Vater des Berthold III. besaß, und sogar in einem kaiserlichen Diplom für das Kloster Reichersperg diesem Grafen Berthold II. bestätigt wird, nun war aber diese Grafschaft dem Grafen Ekbert III. bis zu seinem Tode 1158 zuständig; es lässt sich daher vom Jahr 1159 bis 1162 kein anderer rechtmäßiger Besitzer dieser Grafschaft denken, besonders da der Besitzstand des Grafen Berthold II. im  Jahre 1162 schon ruhig war, und sogar in einem kaiserlichen Diplom ausgedruckt steht,
b) Weil man die Bertholde von Andechs, bevor sie Markgrafen geworden, das ist, vor dem Jahre 1173 öfters in den formbachischen Urkunden antrifft, wo sie sich als Advokaten des Stiftes aufführen und selbst Advokaten nennen, endlich alles das tun, was Graf Ekbert III. und seine Vorfahren daselbst getan haben. Was den beiderseitigen Erbtitel betrifft, so sage ich, dass hier eine Verwandtschaft in was immer für einem Grade nicht hinreichend gewesen sei, sondern dass er allein  von einem gültigen und vom Kaiser bestätigten Testament herrühren müsse. Vom Markgrafen Otachar V. von Steier hat es  aus Urkunden und bewährten Schriftstellern seine vollkommene Richtigkeit, dass er mit Graf Ekbert III. nahe und zwar doppelt von mütterlicher Seite von der lambachischen Gräfin Mathilde, der Ahnfrau des Grafen Ekbert III., als von dessen Mutter, Gräfin Willipirg, verwandt war. Aber doch nach dem Zeugnisse eines alten Fragments, das uns Abt Aug.Rumpler von Formbach geliefert hat, war diese Blutsfreundschaft für sich allein nicht hinlänglich um den Markgrafen die Erbschaft des Grafen Ekberts III. zuzusichern; es musste noch ein Testament der Gräfin Kunigunde, der Schwester des Grafen Ekbert III., hinzukommen. Aus diesem folgt nun, dass auch beim Grafen Berthold III. von Andechs keine andere Ursache der Erbschaft, als ein Testament, vorhanden sein könne, um so mehr, weil man von diesem nicht einmal eine so nahe Verwandtschaft beweisen kann, als von Markgraf Otachar V.; denn die Verwandtschaft ist weder von väterlicher  noch mütterlicher Seite so nahe. Man kennt den Vater, den Ahnherrn, und die Mutter dieses Grafen aus klaren Zeugnissen  alter Schriftsteller. Hier nun zeigt sich keine Verwandtschaft; diese muss also, wenn doch eine da ist, höchstens nur von seiner Ahnfrau oder seinem Urahnherrn herkommen. In diesem Grade und noch in einem näheren waren aber dem Grafen Ekbert III. auch noch andere, nämlich die Grafen von Hall, Bogen und Burghausen verwandt. Wenn demnach in der Grafschaft allein auf die Grade der Blutsverwandtschaft Rücksicht genommen worden wäre, so hätten notwendig auch die Grafen von Hall usw. ihren Anteil bekommen müssen, das aber doch nicht geschehen ist, weil die ganze Verlassenschaft des Grafen Ekbert III., Pütten ausgenommen, an den Grafen Berthold III. von Andechs gefallen ist. Dass Graf Ekbert III. wirklich ein Testament gemacht habe, entweder schon vor der Reise nach Palästina im Jahre 1147 oder doch vor dem Feldzug nach Mailand nehme ich ab:
a) aus den vielen und beträchtlichen Schenkungen, die er bei dieser Gelegenheit an die Klöster Formbach, Reichersperg,
Geisenfeld usw. vermachte:
b) aus der damals durchgehend gewöhnlichen Sitte, gemäß der die Eigentümer, wenn sie entweder in fremde Länder oder ins Feld zogen, zuvor mit ihren Gütern Richtigkeit auf den Fall machten, wenn sie nicht mehr bei Leben zurückkehren sollten;  und dies um so mehr, da Graf Ekbert III. damals weder Gemahlin noch Kinder hatte. Von Seite des Kaisers FRIEDRICHS wird die Testamentsbestätigung sicher bald erfolgt sein, da sowohl Graf Ekbert III. als der Graf Berthold  von Andechs sehr in seiner Gunst standen. Dass endlich hauptsächlich nur der damals noch junge Berthold III. von Andechs  im Testament eingesetzt worden, dies geben die vielen Urkunden zu verstehen, wo seit dieser Zeit Berthold III. meistens mit seinem Vater genannt, und als ein Fürst und Herr, von ihm eigentümlich zugestandenen Gütern betrachtet wird, besonders jene formbachische Urkunden, wo der Vater Berthold II. mit seinem Sohne Berthold III. vorkommt und deutlich verraten,  wird, dass vielmehr der Sohn als der Vater die Hauptperson spiele.
11) Zur nämlichen Zeit, wo die Grafen von Andechs, Markgrafen von Istrien und Herzoge von Meran, die Grafschaft Neuburg  nebst der Burg Formbach usw. als ihren Erbteil aus dem Testament des Grafen Ekbert III. besaßen, kam in Formbach auch ein Advokat Ulrich vor. Eine ungefähr 40 Jahre frühere Urkunde, wo nach Grafen Ekbert II. unter den Zeugen auch ein Ulrich steht, der ein Sohn des Grafen genannt wird, hat mich veranlasst, aus diesem und den nachmaligen Advokaten Ulrich eine Person zu machen, und ihn mit unter die Geschlechtsreihe der Grafen von Formbach zu setzen. Wenngleich der Vater des Ulrichs nicht genannt wird, so gibt es doch der natürlichste Sohn des Grafen, der in der nämlichen Urkunde vorkommt, das ist, dass man Grafen Ekbert II. als Vater für den Sohn eines anderen ungenannten Grafen halten müsse. Es ist aber wohl zu bemerken, dass Ulrich mitten unter den Ministerialen des Grafen Ekbert II. steht. Dieser Ulrich muss also aus einer Gemahlin, die vom niederen Adel war, geboren worden sein. Ihm hat man die Advokatie gelassen, weil er vom Geblüte der Stifter war; aber in den Grafschaften und andere Hauptfamilien ist er nicht eingetreten. Sogar die Advokatie haben sich hernach der Markgraf Berthold von Istrien und endlich Graf Wernhard von Schaumburg zugeeignet; der erste als Erbe der Güter, der zweite als Erbrichter in der Gegend.
 
 
 
 

Literatur:
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Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246,Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 165, 363 A 3 -