Gottschalk                                   Fürst der Obodriten (1043-1066)
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vor 1015 7.6.1066 ermordet
                Lenzen
 

Sohn des Abodriten-Fürsten Uto-Pribigniew
 

Lexikon des Mittelalters: Band IV Seite 1610
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Gottschalk, Fürst der Abodriten nach 1043
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     1066

Vater:
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Udo

dänische Mutter

 Enkel des christlichen NAKONIDEN Mstislaw

  oo Sigrid, Tochter des dänischen Königs Sven Estridsen

Söhne:
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Budivoj
Heinrich

Im Lüneburger Kloster St. Michael erzogen, verbrachte Gottschalk nach der Vertreibung seines Großvaters 1018 durch die heidnischen Lutizen und die mit ihnen verbündeten Teile der abodritischen Oberschicht und nach der Ermordung seines Vaters ca. 1028 15 Jahre im dänischen Exil, wo er als Gefolgsmann des dänischen Königs Knut der Große diente. Ein Neubeginn wurde den NAKONIDEN erst möglich, als Gottschalk bald nach 1043 im siegreichen Kampf mit oppositionellen herrschaftlichen Gewalten die Rückkehr in sein Land gelang. Er nahm seinen Hauptsitz in der Mecklenburg. Politisch angelehnt an das dänische Königtum und an das sächsische Herzogtum, betrieb Gottschalk erfolgreich die Wiedererrichtung einer christlichen Kirchenorganisation, unterstützt durch Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen. Nach außen konnte Gottschalk seine Herrschaft nach Süden in die Prignitz hinein ausdehnen, nach Osten, in der Folge eines innerlutizischen Konfliktes um 1056, bis in den Raum der Odermündung. Im Innern gehen auf Gottschalk anscheinend die Anfänge einer fürstlichen Burgbezirksverfassung zurück, die wohl dänischem und polnischem Vorbild folgte. Gottschalks tragischer Ausgang zeigte freilich, dass er die Stärke der abodritischen Opposition erheblich unterschätzt hatte. Nach dem Sturz seines wichtigsten Verbündeten, des Erzbischofs Adalbert, 1066, brach ein neuer heidnischer, lutizisch inspirierter Aufstand los. Gottschalk wurde ermordet, die NAKONIDEN vertrieben, das christliche Kirchenwesen abermals vernichtet. Gottschalks Nachfolger wurde der heidnische Fürst Kruto aus dem Teilstamm der Wagrier.

Literatur:
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B. Friedmann, Untersuchungen zur Geschichte des abodritischen Fürstentums bis zum Ende des 10. Jahrhundert, 1986 - Ch. Lübke, Regesten zur Geschichte der Slaven an Elbe und Oder, V, 1988 [Register, S. 38].


Thiele, Andreas: Tafel 369
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II"

GOTTSCHALK
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    1066 ermordet

Im Kloster St. Michael in Lüneburg erzogen, führte 1030/31 Rachefeldzüge durch, wurde inhaftiert und weilte danach jahrelang im dänischen Exil. Gottschalk nahm an etlichen Feldzügen teil und gewann 1043 die väterliche Herrschaft durch die Schlacht bei Schleswig zurück. Er unterwarf in vielen Kriegen die anderen Slawenstämme, wie Wilzen, Kessiner und Circipanen und wurde bei seiner Christianiserungsarbeit in Mecklenburg und Wagrien, wo er auch regierte, von Erzbischof Adalbert von Bremen gefördert. Gottschalk sorgte für Ruhe und Ordnung unter den Slawen, wurde Vasall des Deutschen Reiches und residierte vorwiegend im Raum Lübeck. Die Bistümer Oldenburg/Wagrien, Ratzebuirgund Mecklenburg wurden gegründet, von denen aus die Christianisierung erfolgte. Er konnte trotz deutscher Hilfe die Selbständigkeit der Liutizen nicht brechen und fiel nach dem Sturz Adalberts von Bremen als Reichsregent der Verschwörung seines heidnischen Schwagers zum Opfer.

  1.) oo N.N.
                   

  2.) oo SIGRID VON DÄNEMARK, Tochter des Königs Swen Astridsen
                    

Sie wurde 1006 mit Heinrich verjagt.


Gottschalk - sein ursprünglicher Name ist unbekannt - wurde in St. Michael zu Lüneburg, dem Hauskloster der billungischen Herzöge, erzogen. Er verließ das Kloster aber, als sein Vater, um 1030 von einem Sachsen ermordet wurde, und rief seine Landsleute zum Kampf für die Befreiung von der deutschen Herrschaft auf. Jedoch unterlag er, geriet wiederum in die Gewalt des Sachsen-Herzogs Bernhard II. und begab sich nach seiner Freilassung ins Exil nach England zu König Knut dem Großen. Nach Knuts Tode ( 12.11.1035) trat er in die Dienste des späteren Dänen-Königs Svend Estridson (1047-1076), dessen Tochter Sigrid er heiratete. Als die Dänen unter König Magnus 1043 den Slawen-Fürsten Ratibor, der sich des Obotriten-Landes bemächtigt hatte, und dessen Söhne bei Schleswig vernichtend schlugen, bot sich Gottschalk die Möglichkeit der Rückkehr in die Heimat. Er trennte sich von Svend und verständigte sich mit dessen Gegnern - dem König Magnus und seinen sächsischen Verbündeten. Nachdem Gottschalk den Widerstand eines Teils des obotritischen Adels gebrochen hatte, vereinigte er das ganze Obotriten-Land unter seiner Herrschaft, die er später auch auf die Kessiner und Circipaner ausdehnen konnte. Um seine Macht zu festigen und um gleichzeitig ein Gegengewicht gegen den Einfluß des Sachsen-Herzogs zu erlangen, lehnte sich Gottschalk in der Folgezeit eng an den Erzbischof Adalbert von Bremen an. Eifrig förderte er dessen auf Christianisierung der Slawen gerichteten Bestrebungen und unterstützte die Gründung der Bistümer Ratzeburg und Mecklenburg sowie die Anlage mehrerer Kirchen und Klöster in seinem Herrschaftsbereich. Gottschalks Herrschaft und die mit ihr verbundene Christianisierungspolitik stießen jedoch bei den wendischen Völkerschaften auf wachsenden Widerstand. Der Sturz Erzbischof Adalberts (1066) gab das Signal für den offenbar vom wendischen Hauptheiligtum Rethra aus initiierten Aufstand, der schnell das gesamte Herrschaftsgebiet Gottschalks erfaßte. Gottschalk wurde erschlagen, seine Witwe und ihre Damen wurden nackt aus Mecklenburg vertrieben.

Jordan Karl: Seite 18
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"Heinrich der Löwe"

Was Adalbert von Bremen im Zusammenwirken mit dem christlichen Obodriten-Fürst Gottschalk erreicht hatte, war bei einem großen Wendenaufstand im Jahre 1066 vernichtet worden. Die drei Missionsbistümer Oldenburg in Wagrien, Ratzeburg und Mecklenburg waren einer heidnischen Reaktion zum Opfer gefallen. Gottschalk selbst hatte damals den Tod gefunden; seine Witwe floh mit ihrem kleinen Sohn Heinrich zu ihrem Vater, dem Dänen-König Svend Estridson.

Bork Ruth: Seite 128,156-160
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"Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert."

Gottschalk, der Enkel des oben erwähnten Mistui und Sohn des Wenden-Fürsten Uto (Pribignev?) befand sich ungefähr um das Jahr 1029 zur Erziehung in dem Michaelskloster in Lüneburg, das zu jener Zeit vom Bischof Gottschalk von Sklara geleitet wurde, von dem er eventuell auch seinen Namen erhielt, als er erfuhr, daß ein Sachse seinen Vater erschlagen habe. Zornentbrannt ließ er seinen Glauben und die Wissenschaften fahren, begab sich über die Elbe zu seinen Stammesgenossen, mit deren Hilfe er alsbald Rache nahm an den Sachsen. Dabei wurde er von dem Herzog gefaßt und in Haft genommen. Bald aber schloß Bernhard, da er die Tapgferkeit Gottschalks achtete, ein Bündnis mit ihm, ließ ihn frei, und Gottschalk begab sich zu König Knut ( 12. November 1035) nach Dänemark, um mit diesem (wohl im Frühjahr 1032) [2 Gebhardi, Geschichte von Dänemark und Norwegen I, 432.] für längere Zeit nach England zu gehen [3 Adam II, 66 (64) Seite 126.].
So konnte der aus England zurückgekehrte Wenden-Fürst Gottschalk unter den in ihren Grenzen zurückgewiesenen Wenden umso kräftiger seine Macht entfalten, von deren späterer Ausdehnung oben schon die Rede war [9 Siehe oben Seite 128.]. Also haben die BILLUNGER ihm nicht nur durch die einstige Freilassung, sondern auch durch ihre Teilnahme an jenen Kämpfen gegen die Wenden und das Geschlecht des Fürsten Ratibor direkt zu seinem Aufstieg mitverholfen.
Außerdem stand Gottschalk in einem guten Verhältnis zu Sven Estridson, der nach dem Tode des Königs Magnus im Jahre 1047 in Dänemark zur Herrschaft gelangte und dessen Tochter Sigrid Gottschalk zur Gemahlin erhielt [1 Adam III, 9 (18) Seite 162, ohne Namen, wie auch II, 51 (50) Seite 190, vgl. Saxo Grammaticus X, 557 "Sueno rex ... morum candorem sola libidinis intemperantis maculabat. Et filia Siritha (= Sigrid), quae postmodum Guthskalco Sclavico conjux accessit, in sequentibus referenda, pellice orta proditur." Die Zeit der Vermählung ist unbekannt. Suhm, IV, 259 nahm dafür das Jahr 1058 an, und bezeichnet sie als eine uneheliche Tochter Svens. Gottschalk war vorher schon einmal verheiratet und hatte von jener uns unbekannten Gemahlin den später noch eingehender zu behandelnden Sohn Buthue, der älter als sein von Sigrid empfangener Sohn Heinrich war.]. Daß er selber der Sohn einer Dänin gewesen sei, wird zwar mitunter behauptet, beruht aber auf einer Angabe, die sich im Chron. S. Mich. Lun. [2 Chron. S. Mich. Lun. SS XXXII, 398] und in der Sächsischen Weltchronik [3 Sächsische Weltchronik MG. Dt. Chron. II, 166] findet, während die zeitgenössischen Quellen nichts darüber bringen [4 Siehe Hofmeister, Hansische Geschichtsblätter 1920/21, Seite 281 ff.].
Unter den Obodriten wie auch unter den ihnen benachbarten Stämmen wußte Gottschalk nun für die nächsten Jahrzehnte ein straffes und den Frieden sicherndes Regiment zu führen, so daß er auch seitens der Kirche, vor allem beim Hamburg-Bremer Erzbistum volle Anerkennung und Unterstützung fand. Adam schreibt direkt: "Jenseits der Elbe aber und im Slawenland wurden unsere Angelegenheiten noch mit großem Glück geführt. Gottschalk nämlich, ein wegen seiner Klugheit und Tapferkeit zu preisender Mann, nahm eine Tochter des Dänen-Königs zur Gattin und bezwang die Slawen so, daß sie ihn wie ihren König fürchteten, ihm Tribute darbrachten und bei ihrer Unterwerfung um Frieden baten Unter diesen Zeitverhältnissen hatte unser Hamburg Frieden, und das Slawenland war voll von Priestern und Kirchen. Gottschalk also, ein gottseliger und gottesfürchtiger Mann, auch dem Erzbischof bereundet, ehrte Hamburg wie eine Mutter."
Sicher nachweisbar sind für uns aber die freundschaftlichen und, wie wie noch sehen werden, sogar entfernt verwandtschaftlichen Beziehungen der BILLUNGER zu jenen wendischen Fürstengeschlecht, das im Unterschiede zu anderen wendischen Nachbarn, allerdings oft auch im Gegensatz zu der Stimmung der eigenen Untertanen, ein Zusammengehen mit den sächsischen und dänischen Nachbarn für das ratsamste hielt. Dies gewiß aus guten Gründen, wenn es auch gerade dem Fürsten Gottschalk und seinem ältesten Sohne zum Verhängnis werden sollte. Denn zum Jahre 1066 berichtet Adam [4  Adam III, 50 (49) Seite 193 und ihm folgend Helmhold I, 22], daß Gottschalk am 7. Juni in Lenzen beim Ausbruch eines größeren Aufstandes der Wenden, dem auch viele Priester und Laien unter grausamen Martern zum Opfer fielen, erschlagen worden sei.
Adam scheint das Verhältnis Gottschalks zu Adalbert, die er beide vorher schon als Freunde bezeichnet hatte [1 Adam III, 19 (18) Seite 162.], noch einmal betonen zu wollen, wenn er hervorhebt, daß der Sturz des Erzbischofs und der Tod Gottschalks fast in einem Jahr, und zwar dem 22. des Erzbischofs erfolgten [2 Adam III, 51 (50) Seite 195f.]. Im weiteren Verlauf des Aufstandes wurde Hamburg völlig zerstört und das umliegende Land der Storarn von Grund auf verwüstet. Der Urheber dieser Greuel war Blusso, ein Schwager Gottschalks, der nach der Rückkehr gleichfalls erschlagen wurde [3 Nur dies ist mit Sicherheit aus Adam (siehe Anmerkung 2) zu entnehmen. Gewöhnlich wird die Stelle dahin verstanden, daß Blusso der Urheber des ganzen Aufstandes und damit auch des Todes Gottschalks gewesen sei.]. Die Gemahlin Gottschalks, eine Tochter des Dänen-Königs, trieb man zusammen mit ihren Frauen nackt aus der Obotritenhauptstadt Mecklenburg fort [4 Davon, daß sie, wie Witte, Mecklenburgische Geschichte Seite 47 angibt, nach Dänemark geflohen sei, steht in den Quellen nichts. Es liegt aber nahe.]. Wohin sie sich wandte, wird nicht berichtet. Von Helmhold erfahren wir nur, daß ihr und Gottschalks Sohn Heinrich, den auch Adam hier erwähnt, zu den Dänen floh, während sein älterer Stief-Bruder, Buthue, sich zu den Barden begab und bei den seinem Vater befreundeten Sachsen-Fürsten Hilfe suchte, die ihm auch in Erinnerung an vergangene Dienste, wie es heißt, beistanden und ihn nach vielen mühseligen Feldzügen wieder einsetzten [5 Helmhold I, 25 Seite 47.]. Seine Macht soll aber gering geblieben sein, da er bei seinem Völke als Verräter galt. Von seinem unglücklichen Ende, das Helmhold zeitlich in Zusammenhang bringt mit der Hochzeit des Herzogs-Sohnes Magnus, ist nachher noch einiges zu sagen.
 
 
 
 

  1. oo N.N.
                  -
 

  2. oo Sigrid von Dänemark, Tochter des König Svend Estridsons
                - nach 1066
 
 
 
 

Kinder:
1. Ehe

  Butue
      wohl 1073 gefallen
       bei Plön

2. Ehe

  Heinrich
  um 1050/6022.3.1127
 
 
 

Literatur:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte - Bork Ruth: Die Billunger. Mit Beiträgen zur Geschichte des deutsch-wendischen Grenzraumes im 10. und 11. Jahrhundert. Dissertation Greifswald 1951 Seite 128,156-160 - DIE SALIER UND DAS REICH. Gesellschaftlicher und ideengeschichtlicher Wandel im Reich der Salier. (Hg.) Stefan Weinfurter. Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1991 Band II Seite 110 - Helmhold von Bosau: Slavenchronik Buch I Kapitel 22 - Jordan, Karl: Heinrich der Löwe, Deutscher Taschenbuch Verlag 1993 Seite 18 - Meyer von Knonau, Gerold: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich IV. und Heinrich V. 1. - 7. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1890 Band I Seite 411-412,516, n. 42, 517-520,523 n. 55 - II 90,149,150,854-855,856- IV 416 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 2 Deutsche Kaiser-, Königs-, Herzogs- und Grafenhäuser II, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 369 -