HEINRICH II.                             Deutscher König (1002-1024)
-------------------                            Römischer Kaiser seit 14.2.1014
6.5.973 13.7.1024      als H. IV. Herzog von Bayern (995-1004)
Regensburg Pfalz Grona bei Göttingen

Begraben: Bamberg, Dom  

Ältester Sohn des Herzogs Heinrich II. des Zänkers von Bayern (28.8.995) aus dem Hause der LIUDOLFINGER-OTTONEN und der Gisela von Hoch-Burgund, Tochter von König Konrad; Bruder von Bischof Brun von Augsburg (29.4.1029), Königin Gisela  von Ungarn (9.5. nach 1060), Äbtissin Brigida von Andlau, Stief-Bruder von Erzbischof Arnold von Ravenna ( 17.11.1018/19) und Äbtissin Gerberga von Frauenchiemsee, Ur-Enkel vom Deutschen König HEINRICH I. ( 2.7.936) und Herzog Arnulf von Bayern (  14.7.937), Neffe von König Rudolf III. von Hoch-Burgund (5./6.9.1032 ), Königin Bertha von Frankreich ( nach 1010), Herzogin Gerberga (Guepa) von Schwaben (7.7.1018/19), Gräfin Mathilde von Genf und Bischof Burchard II. von Lyon (10.6.1031), Groß-Neffe vom römischen Kaiser OTTO I. DEM GROSSEN ( 7.5.973) und der Römischen Kaiserin Adelheid von Burgund ( 16./ 17.12.999)

Lexikon des Mittelalters: Band IV Spalte 2037
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HEINRICH II.,
hl. (Fest: 13. Juli), Kaiser, deutscher König
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[1] Leben und Regierung:
* 6. Mai 973 (978?) in Bayern, 13. Juli 1024 Pfalz Grone

Begraben: Bamberg, Dom (Grabdenkmal von T. Riemenschneider, 1513 aufgestellt)

Ur-Enkel König Heinrichs I.
Eltern: Herzog Heinrich der Zänker von Bayern und Gisela von Burgund

  oo Kunigunde 998/1000, ohne Kinder

Ausgebildet für den geistlichen Stand zunächst in Hildesheim, wohl auf Anweisung Kaiser OTTOS II., der damit die Nachkommenschaft seines Gegners von jeder Teilhabe an der Reichsgewalt ausgeschaltet wissen wollte; dann in Regensburg unter der Leitung Bischof Wolfgangs. Im dortigen Kloster St. Emmeram lernte er auch die vom Kloster Gorze ausgehende monastische Reform kennen. Doch wurde er bald von seinem Vater an den Regierungsgeschäften beteiligt und folgte ihm 995 als Herzog Heinrich IV. von Bayern.
Nach OTTOS III. plötzlichem Tod fand der geblütsrechtlich legitimierte und durch äußere Umstände seinen Gegenkandidaten gegenüber begünstigte Heinrich zunächst nicht die einhellige Zustimmung der Großen; wahrscheinlich hegten sie auch Zweifel am Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte. In Mainz wurde er am 7. Juli 1002 durch die Mehrzahl der geistlicher und weltlicher Fürsten Ober-Deutschlands zum König gewählt und von Erzbischof Willigis gekrönt. Dem nachfolgenden Umritt durch weite Teile des Reiches wird man weniger als Vervollständigung des Wahlaktes, vielmehr als Bestätigung allgemeiner Anerkennung seiner Herrschaft zu deuten haben. Seine Regierung zeigte, daß auf den Visionär OTTO III. ein zäher Realpolitiker gefolgt war, der, durchdrungen von der Sakralität seines Amtes, Unsicherheit und Zweifel nicht kannte und das Reich konsolidierte.
Zunächst standen die Grenzprobleme des Ostens im Vordergrund seiner Politik. Gegen den polnischen König Boleslaw Chrobry führte er drei Kriege. Durch das Ärgernis, das sein Bündnis mit den heidnischen Lutizen erregte, mit denen er gegen das christliche Polen zog, ließ er sich nicht beirren.
Im Frieden von Bautzen (1018) konnte Polen schließlich die Lausitz und das Milsener Land als Lehen behaupten.
Im Westen des Reiches von Flandern bis Burgund griff er mit unterschiedlichen Erfolgen gegen die erstarkenden Territorialgewalten ein.
Dreimal zog HEINRICH II. nach Italien, wo sich nach OTTOS III. Tod Arduin von Ivrea als König durchgesetzt hatte.
Auf dem 1. Zug (1004) empfing er in Pavia die langobardische Königskrone;
auf dem 2. Zug krönte Benedikt VIII., dem er gegen die CRESCENTIER Rückhalt gewährt hatte, ihn am 14. Februar 1014 in St. Peter in Rom zum Kaiser.
Zum dritten Mal zog er 1021/22 nach Italien, um dem Papst und dem süditalienischen Fürsten Meles von Bari gegen Byzanz beizustehen; auf dem Rückmarsch setzte er in Montecassino einen neuen Abt ein und ließ in Pavia eine Synode (1. August 1022) abhalten, die den Zölibat einschärfte, um den Bestand des Kirchengutes zu sichern.
Innerlich festigte
HEINRICH II. das Reich durch noch engere Verflechtungen mit der Kirche. Durch Schenkungen stabilisierte er die Bistümer als Stützen königlicher Macht und beanspruchte sie dafür zu Dienstleistungen. 1004 stellte er das Bistum Merseburg wieder her. Durch die Gründung des Bistums Bamberg 1007 aktivierte er den Obermainraum als Mitte seiner Macht und als neues Glied der Reichskirche.
Die Widerstände gegen die Neugründung brach er nicht ohne Verschlagenheit.
Dem Bischof Heinrich I. von Würzburg, der einen großen Teil seines Jurisdiktionsgebietes abzutreten hatte, versprach er Rangerhöhung zum Erzbischof;
nach dem Tode des Eichstätter Bischofs Megingaud, der jede Abtretung verweigert hatte, ernannte er einen ihm willfährigen Nachfolger (Gundekar I.) zum Bischof.
Insgesamt vollendete er die Königshoheit in der Reichskirche, indem er unbekümmert um Vorschläge von Domkapiteln und Konventen tüchtige Bischöfe und Äbte einsetzte. Klösterliche Reformbewegungen mit spirituellem lothringischen Einschlag förderte er, ohne sie zu institutionalisieren. 1023 nahm er zusammen mit König Robert II. von Frankreich eine Reformsynode in Pavia in Aussicht, die jedoch nicht mehr zusammentrat.
Kurz nach seinem Tode fand der Kaiser Eingang in die Liturgie, und bald bemächtigte sich die Legende seiner Gestalt: »sie deutete seine Kinderlosigkeit als heroische Tugend und vereinfachte die widerspruchsvollen Züge seines Charakters ... zu einem frommen Idealbild« (H. Appelt). 1146 wurde er von Eugen III. kanonisiert. Deutschland, B. VI.

[2] Ikonographie:
Neben Darstellungen
HEINRICHS II. auf Münzen und Siegeln finden sich zeitgenössische Bildwiedergaben auf einigen seiner Stiftungen. Auf dem sogenannten Baseler Antependium (Paris, Museum de Cluny) erscheint er zusammen mit Kunigunde zu Füßen Christi. Auf einer reichenauischen Miniatur im Perikopenbuch HEINRICHS II. (München, Clm 4452, fol. 2r) werden beide unter der Fürsprache der Bamberger Patrone Petrus und Paulus von Christus gekrönt, während Personifikationen der huldigenden Provinzen den Herrschaftsanspruch des inschriftlich genannten Königs HEINRICH II. belegen. Neben einer in der Bildaussage ähnlicher Darstellung fol. 11v im Sakramentar HEINRICHS II., 1002/14 als Wiederholung des Thronbildes KARLS DES KAHLEN im Codex Aureus aus St. Emmeram (München, Clm 4456) entstanden, enthält diese Cimelie fol. 11r eine Krönung des Königs durch Christus, während die Regensburger Heiligen Emmeram und Ulrich seine Arme stützen. Eine Variante dieses auf Ex 17, 11-13 zurückgehenden Stützmotivs überliefert das in Kloster Seeon 1007/1024 wiederum für Bamberg geschriebene Pontifikale HEINRICHS II. (Bamberg, Staatsbibliothrk, Lit. 53) mit seinem Widmungsbild fol. 2v, auf dem der Herrscher beim Einzug in eine Kirche von zwei Bischöfen gestützt wird, eine zum Zeremoniell gehörende Gestik. Das Evangelistar aus Seeon (Bamberg, Staatsbibliothek, Bibl. 95, fol. 7v) zeigt den König bei der Übergabe der Handschrift an die Gottesmutter, ein Band mit dem Kommentar Gregors des Großen zu Ez (Bamberg, Bibl. 84, fol. 1r) den Kaiser als Empfänger der Handschrift; das Regensburger Evangeliar im Vatikan (Cod. Ottob. lat. 74, fol. 193v) gibt ihn unter der Taube des Hl. Geistes inmitten personifizierter Tugenden thronend wieder. Spätere, nach dem Tode HEINRICHS II. entstandene Darstellungen überliefern den Herrscher als Heiligen, Stifter oder innerhalb von Szenen, die der HEINRICHS- bzw. Kunigunden-Legende entnommen sind.
J.M. Plotzek

Bibliographie:
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Bibliogr. zur Gesch. von Stadt und Hochstift Bamberg 1945-1975 (Hist. Verein ... Bamberg, 10. Beih., 1980), 427-436

Quellen:
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MGH DD H. II.- RI II, 4 [Neudr. 1971]
MGH SS IV, 679-695; 787-820
BHL, Nr. 3811-3816

Literatur:
------------
NDB VIII, 310-313
TRE XV, 1-3
JDG H. II., 3 Bde, 1862-75
W. v. d. Steinen, Ks. H. II. der Hl., 1924
Th. Schieffer, H. II. und Konrad II., DA 8, 1951, 384-437 [Sonderausg. 1969]
R. Klauser, Der H.s- und Kunigundenkult im ma. Bm. Bamberg (95. Ber. des Hist. Vereins ... Bamberg, 1957), 1-208
R. Reinhardt, Ks. H.II. und seine Gemahlin Ksn. Kunigunde, Bavaria Sancta I, hg. G. Schwaiger, 1970, 233-248
R. Schneider, Die Kg.serhebung H.s II. i. J. 1002, DA 28, 1972, 74-104 MGH DD H II. - RI II, 4 [Neudr. 1971] - MGH SS IV, 679-695; 787-820 - BHL, Nr. 3811-3816
L. Auer, Geburtsjahr und Herkunft Ks. H.s II., ebd., 223-228
K.J. Benz, H.II. und Cluny, RevBén 84, 1974, 313-337
O. Meyer, Varia Franconiae Historica I, II, 1981
K. Guth, Die Hl.en H. und Kunigunde, 1986.


Bosl’s Bayerische Biographie: Seite 322
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HEINRICH IV.
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* 6.5.973,
13.7.1024
Bad Abbach  Pfalz Grona bei Göttingen

Begraben: Bamberg, Dom

bayerischer Herzog,
später König und Kaiser HEINRICH II.

Vater:
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Herzog Heinrich II. der Zänker (951-995)

Mutter:
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Gisela von Burgund (
wohl 1006)

  oo Kunigunde von Luxemburg (um 975-1033)

Erziehung durch Bischof Abraham von Freising und Bischof Wolfgang von Regensburg.
995 bayerischer Herzog.
Loyal gegenüber dem Kaiser.
Zog mit OTTO III. zweimal nach Italien.
1002 in Mainz von bayerischen und fränkischen Großen zum König gewählt.
1014 in Rom Kaiserkrönung.
1020 Papstbesuch in Bamberg, um HEINRICH zum Eingreifen in Süd-Italien zu bewegen.
1007 Gründung des Reichs-Bistums Bamberg und Ausstattung desselben vor allem mit bayerischem Königsgut.
1146 Kanonisierung durch Papst Eugen III.

Literatur:
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NDB 8; BWB 1; R. Holtzmann, Gesch. d. sächs. Kaiserzeit, 1955.


Hlawitschka Eduard: Seite 162-167
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"Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I 911-1137"

XII : König und Kaiser Heinrich II. (1002 bzw. 1014-1024)

1 : König und Kaiser Heinrich II.

Zu HEINRICHS II. Geburtszeit gibt es differierende Quellenzeugnisse. Thietmar von Merseburg, Chron. lib. VI cap. 60, MGH SS rer. Germ. NS 9 Seite 348, schreibt:
Peracta in civitatet Bavenbergensi aecclesiae maiore, cum natalicius regis dies esset et XXXV. iam inciperet annus, II. Non. Mai omnis primatus ad dedicattionem istius aulae (das heißt zur Bamberger Domweihe im Jahrre 1012) ibidem congregatur. (Die Angabe et XXXV. iam inciperet annus ist dabei eigenhändiger Nachtrag Thietmars). Daraus folgert der 6. Mai 978 als HEINRICHS II. Geburtstag. (Vgl. dazu den ebenfalls eigenhändigen Eintrag Thietmars im Necrol. Merseburg. zum 6. Mai, ed. E. DÜMMLER, Merseburger Todtenbuch Seite 233, Sonderausgabe Seite 11; ed. MGH Lib. mem. et necrol. NS 2Tafel 5: über der Zeile Natalis dies Heinrici imperatoris, unter welchem Datum auch Dedicatio Babenbergensis ecclesie vermerkt ist. - Hingegen vermeldet die erst 1099 bei Frutolf von Michelsberg faßbare Bamberger Tradition (vgl. Frutolf, Chron. [ad 1001], MGH SS 6 Seite 192f., ed. F.-J. SCHMALE Seite 50: Rex autem Heinricus ... Deo reddidit animam feliciter, ut credimus, III. Idus Iulii, anno regni sui XXIIII., imperii autem XI., vite vero LII., sepultusque est Babenberg in epyscopio a se facto in sancti Petri apostoli monasterio), die - was Todestag und Bestattungsort betrifft - auf dem älteren Chron. Wirziburgense (MGH SS 6 Seite 30) beruht und - was die Lebensalterangabe angeht - sich auch in einer (auf Frutolf beruhenden) erweiterung des Epitaphs HEINRICHS II. wiederfindet. (Zur Datierung der Frutolf-Chronik vgl. F.-J. SCHMALE, Zur Abfassungszeit Seite 81f.; zum Epitaph und seiner Überlieferung im 1125 entstandenen Codex Udalrici vgl. K. STRECKER in: MGH Poetae Lat. 5 Seite 285f. nr. 4 mit Hinweis auf die Ergänzung zur Überschrift des eigentlichen Epitaphs, das den Lebensalterhinweis nicht enthält; zur Datierung des Codex Udalrici vgl. T. REUTER, Codex Udalrici, in: LexMA I Spalte 2209). Die Bamberger Tradition, die auch in einige spätere Quellen einging (vgl. L. AUER, Geburtsjahr Seite 223 Anm. 7; F. GELDNER, Geburtsort Seite 521 Anm. 4), ergibt also 973 als HEINRICHS II. Geburtsjahr.
Eine Entscheidung darüber, welche Quelle recht hat, ist kaum zu treffen. Für die Richtigkeit der Thietmar-Angabe plädierte 972 vor allem L. AUER, Geburtsjahr Seite 223-228, für die Bamberger Tradition danach E. RITTER, Studien Seite 149-168, und F. GELDNER, Geburtsort Seite 520-538. Die Bamberger Sicht war schon seit S. HIRSCH, Jahrbücher Heinrichs II., Band  Seite 88f., vor allem durch R. HOLTZMANN, Sächsische Kaiserzeit Seite 395, und dem Beitrag von M. L. BULST-THIELE über 'Das Reich vor dem Investiturstreit' in Gebhardts Handbuch der deutschen Geschichte allgemein gängig und hatte auch in BG nr. 1483 a ihren Platz gefunden. Nur R. KLAUSER; Heinrichs- und Kunigundenkult Seite 24, hatte diskussionslos Thietmars Nachricht den Vorzug gegeben. - Beachtenswert ist bei aller Abwägung nach Kriterien von 'zeitgenössisch' und 'ortsnah', daß Frutolf seine Angaben mit ut credimus relativierte und daß die Ergänzung im Bamberger Epitaph auch folgende Fehler enthält:
indictione V (statt richtig VII), anno regni sui vicesimo IIII (statt vicesimo III) und bei den Amtsjahren des damals in Bamberg residierenden Bischofs Eberhard anno XVII (statt XVI). Ist dann auch die Lebensalterangabe voll glaubwürdig? Gegen Thietmar kann andererseits gewiß eingewendet werden, daß seine eigenhändigen Angaben auf falscher Unterrichtung beruhen könnten, daß nämlich HEINRICH II. möglicherweise bei der ersten Planung der Bamberger Bistumsgründung am 6. Mai 1007, nicht erst bei der endgültigen Domweihe am 6. Mai 1012, sein 35. Lebensjahr begann. So ist man auf Zusatz-Argumente verwiesen:
1) Für HEINRICHS II. Vater, Herzog Heinrich der Zänker, waren die Jahre von 974-987 eine turbulente Zeit:
974 (Ende Juni) wegen Verwicklung in einen Aufstand gegen Kaiser OTTO II. inhaftiert, gelang ihm Anfang 976 die Flucht aus Ingelheim (BMik nr. 667 b und nr. 711 a); im Juli 976 wurde er von OTTO II. in Regensburg belagert und mußte rasch aus der Stadt nach Böhmen (degit cum Sclavis) entfliehen (BMik nr. 717 b). Wann 'der Zänker' wieder nach Bayern zurückkehren konnte, ist nicht sicher. Im August 977 jedoch vermochte er schon wieder von Bayern aus den sogenannten 'Aufstand der drei Heinriche' gegen OTTO II. zu inszenieren; (daß er dies von Böhmen aus zu organisieren vermochte, ist schon wegen der damaligen Kommunikations-Möglichkeiten über weite Entfernungen hinweg auszuschließen). Doch brach der Auffstand schon kurz vor Ende September 977 zusammen; er endete mit der Kapitulation und der Mitnahme Heinrichs des Zänkers in OTTOS Gefolge nach Sachsen, wonach 'der Zänker' Anfang April 978 bei einem Gerichtstag in Magdeburg zu ritterlicher Haft beim Bischof von Utrecht verurteilt wurde (BMik nr. 750 b, nrn. 751-753 [im Lager vor Passau bzw. in der Stadt Passau] und nr. 763 c). Läßt dieser Lebensgang eine Zeugung HEINRICHS II. im August 977 - bei vorausgesetzter Geburt am 6. Mai 978 - zu? Trotz aller gegen sie angeführten Turbulenzen in Heinrichs des Zänkers Lebensgang:
ja.
Heinrich der Zänker kann durchaus im August 977 Kontakt mit seiner Gemahlin (auch wenn sie nicht mit nach Böhmen geflüchtet war) gehabt haben.
2) Am 22. Juli 976 verlieh Kaiser OTTO II. der Bischofskirche von Passau einen Teil des in der Stadt einzuziehenden Zolles, den Bischof Adalbert zu seinen Lebenszeiten zu Lehen et postmodum Bruno nepos noster in proprium habere videbantur; MGH D O II 138. Wenn es sich bei jenem Brun um HEINRICHS II. jüngeren Bruder  - wie argumentiert wird - gehandelt hat, müßte HEINRICH II. selbst vor 976 geboren sein, so daß 978 als sein Geburtsjahr ausschiede. Jedoch dürfte es bei jenem nepos OTTOS II. um einen Bruder Heinrichs des Zänkers gehandelt haben, der durchaus bezeugt ist; vgl. K. REINDEL, Luitpoldinger Seite 252 nr. 131:
Undatierte Traditio Heinrici Ducis et matris eius Judite in Beutelshausen an das Regensburger Kloster Niedermünster: ... qualiter nobilissimus dux nomine Henricus cum manu matris sue domine Judite tradidit ad aram sancte Marie tale predium quale frater eius nomine Brun habere visus est. Daß man - mit REINDEL, a.a.O. Seite 253 Anm. 194 - matris in aviae zu verbessern habe und daß die Tradition bereits dem späteren Kaiser HEINRICH II., nicht mehr Heinrich dem Zänker zuzuweisen sei, ist willkürlich und unangebracht; vgl. schon E. Frh. v. OEFELE, Urkundliches Seite 30 und 32; auch F. TYROLLER, Ahnen zum anderen Male Seite 123f. Anm. 32. (K. F. WERNER, Nachkommen Seite 474, möchte indessen diese Traditionsnotiz als unecht beiseite lassen). Da OTTOS II. nepos Bruno den Passauer Zoll in der Nachfolge des am 15.VI.971 verstorbenen Bischofs Adalbert von Passau innehatte, müßte der Zoll - will man Bruno mit Kaiser HEINRICHS II. jüngerem Bruder identifizieren - jahrelang (mindestens bis 974) unerhoben  geblieben und dann das Zollrecht dem Wickelkind in die Wiege gelegt worden sein, was nur schwer vorstellbar ist. Auch scheint jener nepos Bruno Kaiser OTTOS II., da der Zoll nun der Passauer Kirche gegeben wurde, am 22.VII.976 schon verstorben gewesen zu sein; ansonsten wäre ja eine Erklärung über die Aberkennung bzw. Brunos Unwürdigkeit - und das bei einem Kleinkind - nötig gewesen. So läßt sich also auch mit der Geburtszeit eines Bruders Kaiser HEINRICHS II. nicht für die Bamberger Tradition argumentieren.
3) Und Gleiches gilt für ein Argumentieren mit der Geburtszeit von Kaiser HEINRICHS II. Schwester Gisela, die (997) mit König Stephan von Ungarn verheiratet wurde. Denn wir wissen ja nicht, wann Gisela geboren wurde und ob sie älter oder jünger als HEINRICH II. war. Heinrich der Zänker könnte um 972/73 Gisela von Burgund (vgl. nr. 3) geheiratet haben, die ihm zunächst  (eventuell 974) die um 997 mit Stephan von Ungarn vermählte Tochter Gisela gebar; und der älteste Sohn dieser Ehe, Kaiser HEINRICH II., kann dann 978 zur Welt gekommen sein. Wenn Königin Gisela von Ungarn bald nach 1054 verstarb (der 1054 verstorbene Hermann von Reichenau kennt sie offenbar als noch Lebende: MGH SS 5 Seite 117f.: consenuit), würde sie etwa 80  Jahre alt geworden sein, was dem anthropologischen Befund der Untersuchung ihres Skelettes ("wenigstens 60 bis 70 Jahre alt"; B. HIELSCHER; Gisela Seite 282) nicht unbedingt widerspricht. Doch kann Gisela - was noch wahrscheinlicher ist - auch erst nach 978 geboren und um 997 als Sechzehn- bis Achzehnjährige mit Stephan von Ungarn verheiratet worden sein; dann wäre sie bei ihrem Tode (nach 1054) etwa 75 Jahre alt gewesen. Ja, auch eine Geburt Giselas erst "um 980" ist möglich. (Vgl. L. VESZPREMY, Königin Gisela Seite 608ff.). Auswertbare Argumente entfallen somit. - Selbst aus den ermittel- bzw. erschließbaren Geburts- und Hochzeitszeiten der Eltern Kaiser HEINRICHS II. (vgl. bei nrn. 2 und 3) sind keine Schlüsse für die hier anstehende Frage zu ziehen.
4) Kaiser HEINRICHS II. Bruder Bruno wurde 1006 auf den Augsburger Bischofsstuhl erhoben. Da HEINRICH II. 1014 - so wird argumentiert - unter Bannandrohung die alte kanonische Bestimmung erneuern ließ, daß Bischöfe bei ihrer Weihe 30 Jahre alt sein müßten (MGH Const. 1 Seite 61f. nr. 30: Si quis episcopus ante XXX. annum presbiterum consecravit, vel diaconum ante XXV. annum, anathema sit ...; dazu Thietmar, Chron. lib. VII cap. 2; Seite 398 (zur Römischen Synode vom Februar 1014):
In Ravenna duos [episcopos] ... papa deposuit. ... Sanctorum instituta patrum in sacris ordinibus ibidem et apus nos diu, pro dolor! neglecta cum excommunicatione redintegrata renovavit. Prohibent namque canones, ut ante XXV annos diaconus, presbiter autem et episcopus ante XXX annos nequaquam ordinetur), werde man "kaum annehmen können, daß er diese Regel bei der Erhebung seines eigenen Bruders nicht beachtet hätte"; und wenn Bruno als Zweitgeborener "nicht später als 976 zur Welt" gekommen sein könne, müsse Kaiser HEINRICH II. vorher, also, wie die Bamberger Tradition besagt, 973 geboren sein; so St. WEINFURTER; Heinrich II. Seite 23. Jedoch enthält HEINRICHS II. Connstitutio - wie obiges Zitat zeigt - die 30-Jahresregel zwar für Presbyter, aber nicht ausdrücklich auch für Bischöfe! Für Bischöfe gilt sie selbstverständlich auch in den Augen Thietmars, doch beteuert er zugleich, daß sie in Italien wie auch "bei uns leider langezeit außer acht gelassen" worden sei; und er fügt hinzu:
Hoc quia non servavimus, miseri prevaricatores sumus ... Auch war Bruno beim Erlaß der Constitutio bereits 8 Jahre Bischof und also zu jener Zeit erhoben worden, als die Regeln unbeachtet geblieben waren. Insofern greift auch dieses Argument für eine Datierung der Geburt HEINRICH II. ins Jahr 973 nicht.
5) Auch der Hinweis von G. ALTHOFF; Adels- und Königsfamilien Seite 194, daß der 6. Mai 973 doch der Tag vor dem Tode OTTOS DES GROSSEN war und daß diese "symbolträchtige Überschneidung" für HEINRICH II. Anlaß geboten haben dürfte, "die Vorstellung von der eigenen Auserwähltheit zur Königsherrschaft zu bestärken", vermag keine Klärung zu schaffen. Denn ein solcher Gedanke HEINRICHS II. ist in den Quellen nicht nachzuweisen, während er für das Zusammentreffen des Todes Herzog Ottos des Erlauchten und der Geburt OTTOS DES GROSSEN durchaus feststellbar ist (vgl. R. KÖPKE-E. DÜMMLER, Otto der Große Seite 6f. mit Anm. 3). So läßt sich wohl eher argumentieren: Gerade das Fehlen solcher Assoziationen in den Quellen könnte gegen das Jahr 973 angeführt werden.
6) Der künftige Kaiser HEINRICH II. ist am 23.XI.994 in einem Diplom OTTOS III. bei der Einrichtung eines Marktes in Quedlinburg als "Mit-Herzog" (condux) neben seinem Vater Herzog Heinrich dem Zänker bezeugt; MGH D O III 155:
placuit Heinrico videlicet duce et consanguineo nostro suoque aequivoco filio et conduce. Das setzt nicht ein Alter von 21, sondern nach der damals gültigen Großjährigkeitsgrenze ein Alter von 15 Jahren voraus (vgl. E. HLAWITSCHKA, Untersuchungen zu den Thronwechseln Seite 135ff. mit Anm. 94; auch oben bei XI : Kaiser Otto III. nr. 1). Sollte mit der Heranziehung des Zänker-Sohnes dessen erreichte Großjährigkeit demonstriert werden, so könnte das eher für 978 als Geburtsjahr HEINRICHS II. sprechen.
So muß diese Frage hier offenbleiben: - vielleicht mit einer kleinen Präferenz für 978. (Einer solchen scheint jetzt auch B.  SCHNEIDMÜLLER, Otto III. - Heinrich II. Seite 12 Anm. 12, zuzuneigen). Für eher 973 hat sich in letzter Zeit entschieden W. GLOCKER, Verwandte der Ottonen Seite 303; auch St. WEINFURTER, Heinrich II. Seite 22ff.; ganz ohne Einnschränkung für 973 zuletzt DERS., Heinrich II., in: Deutsche Herrscher Seite 100: "am 6. Mai 973 geboren". - Ganz unentschieden lassen die Frage H. HOFFMANN, Mönchskönig Seite 117f.; A. BORST, Geburtstag Seite 41f.
Zum Geburtsort - sehr wahrscheinlich Hildesheim - vgl. BG nr. 1483 a; K.-U. JÄSCHKE, Material Seite 309f.; anders (Bamberg) F. GELDNER, Tatsachen Seite 21-27.
Zur Zeit seiner Verehelichung  vgl. bei XIII : Kaiserin Kunigunde nr. 1.
Die Quellen für das Todesdatum - 13.VII.1024 -, den Sterbeort - Grone - und die Beisetzung HEINRICHS II. in Bamberg verzeichnet ausführlich BG nr. 2063 a. Verwiesen sei hier lediglich auf Ann. necrol.  Fuldens. ad 1024:
3. Id. Iul. obiit HEINRICHUS imperator augustus; ed. MGH SS 13 Seite 211, ed. K. SCHMID, Klostergemeinschaft von Fulda I Seite 354;
Wipo, Gesta Chuonradi cap. 1, MGH SS rer. Germ. Seite 8f.:
Anno ab incarnatione Domini MXXIIII. impperator Heinricus secundus bene composiitis rebus ... mente sanna, corporis correptus est infirmitate, qua invalescente III. idus Iulii hanc vitam decessit. Cuius corpus de Saxonia ad sepeliendum dicitur ad locum qui dicitur Pabenberc;
Ann. Hildesheim. ad 1024, MGH SS rer. Germ. Seite 34:
Heinrichus imperator ... postea Gruna venit, et ibi languore correptus decubuit; et cum tocius regni merore ... 3. Idus Iulii hominem deposuit.


A
lthoff Gerd: Seite 368

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"Adels- und Königsfamilien"

                                                   K 26

Me:  6.5. Natalis dies Heinrici imperatoris  Kaiser HEINRICH II.
Me:  7.6. Ordinatio secundi Heinrici regis

Das Merseburger Necrolog erwähnt den Geburtstag (973) und den Tag der Königserhebung HEINRICH II. in Mainz aus dem Jahre 1002.
Zum Todestag ist wohl deshalb kein Eintrag verzeichnet, weil das Necrolog nach 1018 nicht mehr kontinuierliche geführt wurde; siehe dazu oben Seite 154.
Die Erwähnung des Geburtstages gehört nicht der Ergänzungsschicht an, dagegen die Notiz seiner Königserhebung. Nach Meinung der Forschung wurde der Geburtstag eigenhändig von Thietmar von Merseburg eingetragen; vgl. BG Nr. 1483a;
zum Geburtstag vgl. Geldner, Geburtsort, Geburtsjahr, Jugendzeit Kaiser Heinrichs II., Seite 520ff.
Beide Einträge dokumentieren die Initiative HEINRICHS II. bei der Neustiftung der ottonischen Gedenktradition in Merseburg, bei der auch bayerische Traditionen aus der Familie HEINRICHS nach Merseburg transferiert wurden; vgl. dazu ausführlich oben Seite 198.

Allg. vgl. NDB 8, Seite 310ff.; Biographisches Wörterbuch 1, Spalte 1065ff.; FW K 44. Zum Todesdatum: BG Nr. 2063a


Glocker Winfrid: VI, 31; Seite 303
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"Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik"

VI. 31. HEINRICH II.
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* (973) V 6,
1024 VII 13

995-1004 und 1009-1017 als Heinrich IV. Herzog von Bayern
1002 VI 7 König des Deutschen Reiches
1014 II 14 Kaiser

Frühsommer 1000
   oo KUNIGUNDE, Tochter des Grafen Siegfried von Luxemburg
      * 975,
1033 III 3

Kaiser HEINRICH II. (der als bayerischer Herzog als Heinrich IV. gezählt wird!) ist als Sohn Herzog Heinrichs II. von Bayern ("des Zänkers") unter anderem bezeugt bei Thietmar IV c. 20, Seite 154, ebd. IV c. 49, Seite 188 und ebd. V Prolog, Seite 220; weitere Belege haben BU. 1144c und ebenso BG. 1483a/b gesammelt.
Urkundlich ist HEINRICH II. zusammen mit seinem Vater, dem Zänker, in D O III. 155 von 994 XI 23 erwähnt. Der Tag der Geburt Kaiser HEINRICHS II. ist bei Thietmar VI c. 60, Seite 348, und im Merseburger Nekrolog überliefert.
Für die Bestimmung von HEINRICHS Geburtsjahr gibt es zwei unterschiedliche Hinweise. Thietmar VI c. 60, Seite 348, berichtet zum Jahr 1012, die Bamberger Domkirche sei am 35. Geburtstag des Königs geweiht worden: das ergäbe das Geburtsjahr 978.
In einem Bamberger Epitaphium, das im Codex Udalrici überliefert ist (gedruckt bei Jaffe, Bibl. rer. Germ. Bd. 5, S. 34), heißt es, Kaiser
HEINRICH II.
sei im 52. Lebensjahr verstorben:
dieser Angabe zufolge müßte er 973 geboren sein.
Mit BG. 1483a ist der Bamberger Tradition der Vorzug zu geben. Möglicherweise ist HEINRICH II. in Hildesheim geboren:
dies berichtet zumindest die Fundatio ecclesiae Hildensemensis c. 4, SS XXX/2 945.
Die Belegstellen für die gegebenen Daten zu Kaiser HEINRICH II. sind zu finden bei BG. 2063a (Todestag), BG. 1483yy (Krönung zum König) und BG. 1800b (Krönung zum Kaiser).

Der Zeitpunkt der Eheschließung des Bayern-Herzogs Heinrich IV. mit der luxemburgischen Grafen-Tochter Kunigunde ist von Wampach, Altluxemburgisches UB. Bd. 1, Nr. 214, ermittelt; die Lebensdaten Kunigundes hat Renn, Grafenhaus Seite 82 und 101, festgestellt.
Die Gemahlin des letzten Kaisers aus der Dynastie der OTTONEN stammte aus dem Hause der Grafen von Luxemburg, wie uns Thietmar IV c. 51, Seite 190 (in Verbindung mit ebd. V c. 19, Seite 243), bezeugt.
Die Eltern der Kaiserin Kunigunde waren der Graf Siegfried von Luxemburg (bezeugt unter anderem durch eine genealogische Tafel aus der Münchener Handschrift clm 29093, gedruckt in SS II 314) und dessen Gemahlin Hadwig (bezeugt durch den Eintrag ihres Sterbetages XII 13 im Nekrolog von Ranshofen).
Doch ist der Vater der Kaiserin Kunigunde zugleich eine der rätselhaftesten Gestalten des 10. Jahrhunderts. So ist nicht einmal mit letzter Sicherheit zu entscheiden, welcher der beiden Grafen Siegfried, die im 10. Jahrhundert gelebt haben, denn der Vater der Kaiserin Kunigunde war. Die einzelnen Thesen, die in der Forschung zu dem Komplex der Ahnen der Kaiserin Kunigunde entwickelt wurden, sind jetzt bequem von Geldner, Tatsachen Seite 28-52, zusammengestellt. Grundlegend für alle Fragen ist die Studie von Renn, Grafenhaus, heranzuziehen, der es Seite 57-65 sehr wahrscheinlich gemacht hat, daß der ältere der beiden Grafen Siegfried der Vater Kunigundes war. Doch hat das von Renn erarbeitete System einen Angriffspunkt:
Siegfried (I.) ist spätestens in den Jahren zwischen 915 und 920 geboren worden, doch sind die Kinder Graf Siegfrieds (I./II.) von Luxemburg erst 100-120 Jahre später gestorben. Diesen vorauszusehenden Einwand hat Renn mit der Überlegung zu entkräften versucht, Graf Siegfried (I.) könne ja schließlich erst mit 40 Jahren geheiratet haben; dies sei zwar sicher nicht der Normalfall, aber dürfe deshalb nicht ausgeschlossen werden. Um Renn zu stützen, sei darauf hingewiesen, daß auch OTTO DER GROSSE bei seiner Eheschließung mit Adelheid bereits 39 Jahre alt war!

Auf die Probleme um die Grafen von Luxemburg ging Mathilde Uhlirz in ihren beiden Aufsätzen "Domnus Sicco" und "Grafen" ein. Sie setzte den "Domnus Sicco, imperatorius f(rate)r" des Indiculus loricatorum (MGH Const. I, Nr. 436) mit Graf Siegfried (I.) von Luxemburg gleich, wobei sie die Formulierung "imperatorius frater" als die Bezeugung einer Verwandtschaft der Luxemburger Grafen mit den OTTONEN interpretiert, die aber - wie Mathilde Uhlirz konstatiert - nicht weiter erklärbar sei. Es sei angemerkt, daß die fragliche Formulierung "imperatorius frater" auf eine Taufpatenschaft OTTOS I. für Siegfried hindeuten könnte, wobei dann in der "Aufgebotsliste Siegfried (II.) gemeint sein müßte und so jener "Sicco" nicht mit Siegfried (I.) gleichgesetzt werden dürfte.
Den jüngeren Vorschlag, die Fragen um die Ahnen der Kaiserin Kunigunde zu klären, machte Geldner, Tatsachen Seite 40-45. Er griff auf bereits früher angestellte Überlegungen zurück und versuchte erneut, Hadwig, die Mutter der Kaiserin Kunigunde, mit jener gleichnamigen Tochter Herzog Giselberts von Lothringen und dessen Gemahlin Gerberga, der Schwester OTTOS DES GROSSEN, gleichzusetzen. Doch impliziert dieses System eine Nahehe im Verhältnis 3:3, die HEINRICH II. dann mit der luxemburgischen Grafen-Tochter eingegangen sein müßte, was bei der bekannten Gegnerschaft HEINRICHS II. gegen solche, gegen die kanonischen Ehehindernisse verstoßenden Verbindungen nur schwer vorstellbar erscheint. Trotzdem Geldner noch versucht, diesen Einwand mit dem Hinweis auf die von HEINRICH II. und Kunigunde geführte Josephsehe zu entkräften, ist der Beweisgang Geldners wegen der Notwendigkeit, eine Verwandtenehe anzunehmen, abzulehnen.
Die Belege für das Todesdatum der Kaiserin Kunigunde sind bei Wampach, Altluxemburgisches UB. Bd. 1, Nr. 243, zusammengestellt.


Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1,"

HEINRICH (IV.) II. DER HEILIGE 
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* 6.V.973,
Pfalz Grona 13.VII.1024

Begraben: Bamberg Dom

995/1002 HERZOG VON BAYERN,
gewählt Mainz 7.VI.
gekrönt Aachen 8.IX.1002
Rom 14.II.1014
1046 kanonisiert

  oo Frühsommer 1000
       KUNIGUNDE VON LUXEMBURG (WIGERICHE)
             
Bamberg 3. III 1033

Tochter von Graf Siegfried

Begraben: Bamberg Dom

gründet 1017 Stift Kaufungen


Nach der mißlungenen Rebellion seines Vaters sollte Heinrich für den geistlichen Stand vorbereitet werden, um die bayrischen Sachsen politisch endgültig kaltzustellen. Aus diesem Grund kam der junge Prinz bereits im Vorschulalter in die vom berühmten Bischof Bernward von Hildesheim geführte Domschule zu Hildesheim. Mit Sicherheit hat Heinrich hier Latein, Lesen, Schreiben und die Kenntnis der wesentlichen Inhalte der Bibel erlernt. Nach der Begnadigung seines Vaters kehrte er nach Regensburg zurück, wo er in die Obhut des Bischofs Wolfgang kam. Heinrich kehrte nach seines Vaters Tode nach Bayern zurück und hier wurde nach dem alten Vorrecht des bayerischen Stammes seine Wahl zum Herzog vollzogen, der die Belehnung durch den König folgte. Die fundierte Ausbildung, die Heinrich erhielt, blieb nicht ohne Auswirkungen. Seinem Vetter OTTO III. stand er treu zur Seite. Als der Überführungszug mit dem Leichnam OTTOS III. durch bayrisches Gebiet kam, bemächtigte sich HEINRICH der Reichsinsignien, um seinen Ambitionen auf den Thron Nachdruck zu verleihen. Gegen die Thronansprüche von Markgraf  Ekkehard von Meißen, der am 30.4.1002 in Pöhlde ermordet wurde, und von Hermann II. von Schwaben, der am 1.10.1002 in Bruchsal zurücktrat, setzte Heinrich von Bayern seine Wahl, die ohne Wissen der Sachsen, Lothringer und Thüringer und gegen die Stimmen der Schwaben erfolgte, zum deutschen König durch. Er besaß in Bayern eine stabile Position und stützte sich auf einen großen Teil des deutschen Episkopats unter der Führung des Erzbischofs Willigis von Mainz. Ein Jahr genügte ihm, um sich nach OTTOS Tod im Reich durchzusetzen, eine Tatsache, die gemessen an den Schwierigkeiten mancher seiner Vorgänger Verwunderung hervorrief und diplomatisches Geschick und Intellegenz vermuten läßt. Er wandte sich von den imperialen Bestrebungen OTTOS III. ab. Es gelang ihm, die Zentralgewalt in Deutschland erneut zu festigen. Im Gegensatz zu OTTO III. wollte HEINRICH II. eine Erneuerung des Reiches der Franken (Renovatio regni Francorum). Er versuchte die königliche Macht unter anderem durch eine Reform der Reichs-Klöster zu stärken, die einen Teil des Reichsheeres zu stellen hatten.
HEINRICH
war mit Abt Odilo von Cluny, dem Haupt der cluniazensischen Reformbewegung befreundet. Er stützte sich auf die Bischöfe und hielt am königlichen Einsetzungsrecht trotz gelegentlichen Widerstandes fest.
In seinem Bestreben, die Mark Meißen und Lausitz dem frühfeudalen polnischen Staat einzugliedern (1003-1018), stieß Boleslaw I. Chobry mit HEINRICH II. zusammen, der die Eroberungspolitik gegen die Slawen wiederaufnahm und, mit den heidnischen Liutizen verbündet, Boleslaw bekriegte. Im Frieden von Bautzen 1018 erhielt Boleslaw die Mark Meißen und die Lausitz zu Lehen.
Auf seinem ersten Italienzug ließ sich HEINRICH 1004 zum König von Italien krönen, und bekämpfte den nach dem Tode OTTOS III. zum italienischen König erhobenen Markgrafen Arduin von Ivrea, der 1014 verzichtete.
In einem Erbvertrag (1006) mit seinem kinderlosen Oheim Rudolf III. von Burgund sicherte sich HEINRICH II. die Nachfolge in Burgund, mit dessen Erwerb er unter anderem die Herrschaft des deutschen Königtums über Italien schützen wollte.
1007 begründete er das Bistum Bamberg, dem die Christianisierung der slawischen Bevölkerung südlich des Frankenwaldes, am oberen Main und an der Regnitz oblag.
Auf seinem zweiten Italienzug wurde HEINRICH II. zum römischen Kaiser gekrönt.
Auf seinem dritten Italienzug unterwarf er die süditalienischen Fürstentümer Capua und Salerno.
HEINRICH
fühlte sich als Protektor der Kirche und seine hohe Bildung setzte ihn in den Stand, auch in ihre inneren Angelegenheiten kräftig einzugreifen. Der weltliche Adel blieb auch jetzt den Regierungsgeschäften fern, baute seine dynastischen Herrschaften aus und verbrauchte sich in kleinlichen Streitereien. Vielleicht lag hierin der Grund dafür, dass HEINRICH trotz redlicher Bemühungen an der Ostgrenze des Reiches noch keinen durchschlagenden Erfolg erzielen konnte. Gegen Ende seiner Regierung wandte er sich der Reform der Kirche zu. Seine letzten Jahre waren erfüllt mit Konflikten, weil er sich durch die Reform der Kirche dem hohen deutschen Klerus entfremdete.

Kaiser HEINRICH II. war weder der strahlende, glanzvolle Prachtherrscher noch der erfolgreiche Kriegsheld. Seine fundierte Bildung, seine Intelligenz, sein realer Sachverstand sowie der Humor stempeln ihn zu einem fleißigen, beharrlichen, leutseligen, beliebten und erfolgreichen Politiker, dessen Stabilitätspolitik die Erfolge seiner Nachfolger möglich machte. Mit HEINRICH II. starb die männliche Linie des sächsischen Königs-Hauses aus.

Keller Hagen: Seite 133-134
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"Schwäbische Herzöge als Thronbewerber: Hermann II. (1002), Rudolf von Rheinfelden (1077), Friedrich von Staufen (1125). Zur Entwicklung von Reichsidee und Fürstenverantwortung, Wahlverständnis und Wahlverfahren im 11. und 12. Jahrhundert"
in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 131. Band

Heinrich von Bayern hat 1002 von vornherein die Initiative an sich gerissen. Er scheint nicht daran gezweifelt zu haben, daß ihm das Königtum zustehe, auf das, wie man es in seiner engeren Verwandtschaft sah, schon sein Großvater 936 einen berechtigten Anspruch hätte anmelden können und nach dem sein Vater 984 vergeblich gegriffen hatte. Was man in der Familie Heinrichs in Frage stellte, war nicht, jedenfalls aus der späteren Perspektive, die Entscheidung für die Individualsukzession, sondern der Vorzug, den die OTTO-Linie vor der Heinrich-Linie durch die Designation von 929/30 und die Thronfolge von 936 erhalten hatte.
Dennoch soll Heinrich, als er vom Tode OTTOS III. erfuhr, die Königswürde zunächst dem Herzog Otto von Kärnten angeboten haben, der durch seine Mutter Liutgard ein Enkel OTTOS I. und somit - wenn solche Vorstellungen galten - ein näher berechtigter Erbe war und außerdem durch Ansehen, Alter und Erfahrung, durch seine Verbindung mit OTTO III. und als Vater Papst Gregors V. in der Königs-Sippe zweifellos einen Vorrang genoß. Ob dies ein ernstgemeintes oder nur formales Angebot war, durch das einer möglichen Konkurrenz aus der eigenen Sippe vorgebaut werden sollte, mag unentschieden bleiben; der Vorgang selbst zeigt jedenfalls, daß Heinrich ganz in erbrechtlichen Kategorien dachte und daß man deshalb wohl auch sein weiteres Verhalten aus diesem Anspruch verstehen muß.
Als der Zug mit dem Leichnam OTTOS III. in Bayern anlangte, empfing Heinrich ihn an der Grenze des Herzogtums und übernahm betont die Sorge für den Toten, ließ die Eingeweide in Augsburg beisetzen und verfügte eine umfangreiche Seelgerätstiftung, wie dies normalerweise die Nachfolger im Königtum für ihre Vorgänger zu tun pflegten. Er zwang den Erzbischof von Köln, die Reichsinsignien herauszugeben, und erzwang auf brutale Weise, indem er den Erzbischof in Haft nahm, daß ihm die Heilige Lanze, die man heimlich schon nach Aachen vorausgeschickt hatte, ausgehändigt wurde. Wo er konnte, so auch während er im Trauerzug dem toten Kaiser das Geleit durch sein Herzogtum gab, übte er Druck auf die Großen aus, um ein Wahlversprechen oder eine Huldigung zu erlangen. Ohne einen Wahltermin abzuwarten, sicherte er sich durch weitere Aktivitäten und heimliche Treffen mit Parteigängern aus anderen Stämmen die Machtbasis, um die Königsherrschaft übernehmen zu können. Durch einen Beauftragten ließ er sich den in Werla versammelten Sachsen als künftiger König vorstellen und jedem reiche Geschenke versprechen, der seinen Anspruch anerkannte; und es gelang ihm mit Unterstützung der Schwestern OTTOS III., mögliche Gegenkandidaten auszuspielen und eine Mehrheit für die Bestätigung seines "Erbrechts" zu gewinnen. Kaum war seine Übermacht gegenüber anderen Kandidaten gesichert, unternahm er einen Feldzug nach Mainz und ließ sich dort von den Bayern und Ost-Franken zum König wählen und sofort krönen. Eine allgemeine Wahlversammlung war von ihm offensichtlich gar nicht angestrebt worden. Wer in Mainz nicht dabei war, konnte an anderem Ort, in einem nachträglichen Erhebungs- und Huldigungsakt, der Wahl beitreten. Das Verhalten Herzog Heinrichs ist ganz von dem Anspruch oder der Überzeugung bestimmt, daß ihm das Reich zustehe, das heißt, daß er einen erblichen Anspruch auf die Herrschaft habe, der durch formale Anerkennungsakte und zeremonielle Herrschaftsübergabe in die Realität umgesetzt werden mußte. Einer von diesen Akten war die Wahl: sie war unentbehrlich, weil sie die Zustimmung zu seiner Herrschaft manifestierte, aber sie war für sein Königtum nicht allein konstitutiv. Ihre Form spielte für Heinrich offensichtlich eine geringe Rolle.

Trillmich Werner: Seite 142
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"Kaiser Konrad und seine Zeit"

Das Ende HEINRICHS II.

Kaiser HEINRICH II. litt seit vielen Jahren an einem schmerzhaften Steinleiden, das seine mit ständigen Reisen durch das Reich verbundene Regierungstätigkeit immer beschwerlicher machte. Seit Weihnachten 1023 lag der 52-jährige Kaiser drei Monate lang in Bamberg darnieder, bevor er sich soweit wiederhergestellt fühlte, dass der Hof nach Sachsen aufbrechen konnte, um das Osterfest in Magdeburg bei Erzbischof Hunfrid zu feiern, der sein Amt wenige Monate zuvor angetreten hatte. Am Palmsonntag, dem 29. März 1024, stellten sich in der thüringischen Pfalz Allstedt neue Beschwerden ein, die den Zug verlangsamten. Gründonnerstag und Karfreitag verbrachte man still in Nienburg an der Saale. Außer der Kaiserin duldete der Kranke nur wenige Vertraute in seiner Nähe. Der Bevölkerung zeigte er sich nicht. Am Sonnabend erreichte man Magdeburg, wo am 5. April feierliche Ostergottesdienste stattfanden. Da sich das Befinden des Herrschers besserte, brach er bald danach wieder auf, so daß ihm wenige Tage später der vor kurzem ernannte Bischof Branthog von Halberstadt in seiner Residenz einen festlichen Empfang bereiten konnte, doch schon in Goslar erkrankte HEINRICH wieder. Dort mußte er wohl bis Ende Juni verweilen. Als man endlich weiterzuziehen wagte, zwang ein heftiger Rückfall zu erneutem Aufenthalt an der Leine in der Pfalz Grone. Hier ist HEINRICH am 13. Juli 1024 verstorben. Die Kaiserin und der Hof geleiteten seine Leiche nach Bamberg. Wie er gewünscht hatte, wurde der letzte männliche LIUDOLFINGER weltlichen Standes im Dome des von ihm gestifteten, liebevoll privilegierten, aber auch rücksichtslos genutzten Bistums beigesetzt.
Mit ihm schied ein frommer, trotz körperlicher Beschwerden rastlos tätiger Herrscher dahin. Sein Werk stellt sich nicht nur als traditionsbewußte Fortsetzung des überkommenen Erbes der OTTONEN dar, sondern auch als entschlossener Neubeginn zur Überwindung der durch OTTO III. verursachten Unsicherheit. HEINRICH war nicht eigentlich schöpferisch, besaß aber im Vertrauen auf Gottes Führung Fleiß und Zähigkeit, um trotz schärfster Kritik gegen harten Widerstand unbeugsam die ihm verliehen Macht zu gebrauchen und zu mehren. Dabei zeigte er sich in der Wahl seiner Mittel recht unbedenklich, verschlagen, zuweilen sogar hinterhältig und wortbrüchig. Seine Standhaftigkeit sicherte ihm zwar bewundernde Anerkennung, aber nur wenig Liebe. Dem Nachfolger hinterließ er Deutschland als mächtiges, befriedetes Reich.
Der kinderlose Kaiser scheint keinerlei Andeutung gemacht zu haben, wem er die Herrschaft zu hinterlassen gedachte. Eine für die bevorstehende deutsche Königswahl richtungsweisende Designation lag also nicht vor. Trotzdem blieb es, anders als im Jahre 1002, überall im Lande ruhig. Anwärter auf den Thron, die ihren Anspruch vernehmlich mit den Waffen anmelden können, gab es diesmal nicht. Noch lebten Nachfahren der zum Regiment befähigten LIUDOLFINGER-Sippe.

Weinfurter, Stefan: Seite 269
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"Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten"

Epilog

HEINRICH II., so wird man sicherlich sagen dürfen, war für seine Zeit kein bequemer Herrscher, weder als Herzog  noch als König und Kaiser. Sein Auftreten und seine Entscheidungen erwecken den Eindruck von Härte, Unbeugsamkeit und rastlosem Eifer. Mit Mißtrauen muß er seine Umgebung beobachtet haben. Nichts habe er vergessen, so erfahren wir, und "niemand konnte ihn täuschen". Ein Vertrauensverhältnis zu ihm war wohl nur möglich, wenn man sich ihm und seinem Herrscherwillen völlig unterordnete. Gegen seine Autorität durfte sich niemand erheben, denn durch ihn wurde die Autorität Gottes vertreten. Daher, so formulierte es Thietmar von Merseburg, "demütigte er jeden, der gegen ihn aufstand, und zwang alle, ihm in gebeugtem Nacken zu huldigen". Unerbittlich bestand er auf Sühneleistungen und scheute auch vor jahrelangen Konflikten nicht zurück. Das Pauluswort von der gottgegebenen Gewalt, der jedermann zungehorchen habe, war zu keiner Zeit soverbreitet wie während der Herrschaft HEINRICHS II.
Aber man darf nicht übersehen, daß das autokratische Herrschaftsverständnis HEINRICHS II. auch größte Probleme hervorrief, wenn es galt, das Kirchenrecht gegenüber der Königsautorität zu behaupten. Das war der Fall bei der Gründung Bambergs. Daß sich der König hier durchsetzte und daß die Bischöfe den Gehorsam gegenüber der von Gott gegebenen Gewalt über ihr eigenes Rechtssystem stellten, bedeutete die höchste Steigerung seines Ansehens. So stellte die Bischofskirche von Bamberg von Anfang an das Symbol seiner Autorität und seines Königtums dar. Gleichzeitig verkörperet sie, wie sich zeigte, das Testament des Königs, der damit sein Königtum an Christus, den König des Himmels, zurückgab. Diese innige Verbindung HEINRICHS mit der Kirche von Bamberg, die er eben nicht nur als seine Grablege dienen sollte, sondern auch Ausdruck seines Herrschaftsprogramms war, hat sich später recht treffend in der Bezeichnung "Heinrich der Bamberger" (Heinricus Babenbergensis) niedergeschlagen.
Beginnend bereits seit der Kaiserkrönung 1014, verstärkt dann seit etwa 1018, nachdem er mit Boleslaw Chrobry einen "Resignationsfrieden" geschlossen hatte, tritt bei HEINRICH II. ein stärkerer Zug zur Verantwortlichkeit für die gesamte christliche Kirche in den Vordergrund. Sein Eingreifen in Süd-Italien 1022, seine synodalen Entscheidungen und auch seine Kontakte mit König Robert II. von Frankreich 1023 weisen alle in diese Richtung. Sein Kaisertum, das er auch für die Legitimation seiner Herrschaft in Italien gegen Arduin von Ivrea benötigte, verstand er als "Petruskaisertum", das nicht auf die Herrschaft über Rom, sondern auf Schutz für die römische Kirche ausgerichtet war. Zusammen mit einer zunehmend monastischen Frömmigkeitshaltung, von der er ganz persönlich ergriffen wurde, bestimmt dies das Bild seiner letzten Jahre. In Bamberg dagegen wurde das Bild des heilgen Kaisers aufgebaut. Die eigentliche Verklärung HEINRICHS II. durch eine besondere "Heiligkeit" ist dann um die Mitte des 11. Jahrhunderts zu fassen. Schließlich erreichte die Bamberger Kirche, in der durch die jährliche Totenmesse sein Andenken wachgehalten wurde, 1146 die Heiligsprechung HEINRICHS II. durch Papst Eugen III.
Diese Entwicklung freilich verdrängte vollkommen das Bild, das in seiner eigenen Zeit vor allem in weiten Kreisen der Großen von ihm vorgeherrscht haben dürfte. Bei ihnen hat HEINRICHS Handlungsweise Unverständnis und erbitterten Widerstand hervorgerufen und immer wieder zu langjährigen Konflikten geführt. Vielen von ihnen, insbesondere den führenden Adelsfamilien in den westlichen Gebieten des Reiches, aber auch in Teilen des sächsischen Adels, dürfte er eher als Unglück für ihr Rechts- und Ordnungsempfinden vorgekommen sein. Er durchbrach die vom Adel geübten Regeln der Konfliktlösung und traf Entscheidungen, die man nur mit großem Murren hinnahm. Das Wort vom illegitimen "Gewaltherrscher" (invasor regni) entstand, und HEINRICHS Verfolgung der hochadligen Nahehen hat die Feindschaften weiter vertieft. Es kam sogar soweit, dasß man heimlich den Vorwurf erhob, "der Gesalbte des Herrn tue Sünde", denn, so war damit gemeint, er lasse dem Volk nicht Gerechtigkeit widerfahren.
 


 
 
 
 

 1000
  oo Kunigunde von Luxemburg, Tochter des Grafen Siegfried
  x   975
3.3.1033


Chroniken:
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Adam von Bremen: Hamburgische Kirchengeschichte. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 284,286,294 - Annalista Saxo: Reichschronik. Seite 40,45,56,64,65,70 - Hermann von Reichenau: Chronicon. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 652-662,700 - Lampert von Hersfeld: Annales/Annalen Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 2000 Seite 38,40 - Thietmar von Merseburg: Chronik. Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe, Seite 20,28, 136,164,166,170,174,192-196,202-262,266,270-288,292,296-316,320,322,326-342,346-388,402,406-432,436,438,444-448,454-472, 476 - Wipos Leben Konrads II. in: Ausgewählte Quellen zur Deutschen Geschichte des Mittelalters Band XI Seite 524,530-534,544,548, 558,562,572,578,582 -    

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 34,105,132,138,147,157,160,194,197,199,243,251,368 K 26 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 141,156,173,192,202-229,233,236,239,242,246 - Althoff, Gerd: Die Thronbewerber von 1002 und ihre Verwandtschaft mit den Ottonen, in: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins 137, 1989, Seite 453-459 - Althoff, Gerd: Otto III., Primus Verlag, Darmstadt 1997, Seite 12-210 - Baumgärtner, Ingrid (Hg.): Kunigunde - eine Kaiserin an der Jahrtausendwende, Furore Verlag Kassel 1997 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 7,157-177 - Beyreuther, Gerald: Heinrich II., in Deutsche Könige und Kaiser des Mittelalters, Urania-Verlag 1988, Seite 84-94 - Black-Veldtrup, Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien, Böhlau Verlag Köln 1995, Seite 103-316 - Boshof, Egon: Die Salier. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln 1987, Seite 20,23-26,28-35,39,40,43-45, 47,50,56,65-69,75,83-39,94,98,113,116,125,147,161 - Bresslau, Harry: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. 1. und 2. Band, Verlag von Duncker & Humblot Leipzig 1879 - Brüsch, Tania: Die Brunonen, ihre Grafschaften und die sächsische Geschichte. Herrschaftsbildung und Adelsbewußtsein im 11. Jahrhundert. Matthiesen Verlag Husum 2000 Seite 25,29,44-48,91,150,178,179,185,207 - Cardini, Franco: Friedrich I. Barbarossa. Kaiser des Abendlandes, Verlag Styria Graz 1990, Seite 134,143,188,201 - Csendes, Peter: Heinrich VI., Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Wiesbaden 1993, Seite 34,38 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991 - Die Zähringer. Schweizer Vorträge und neue Forschungen. Hg. von Karl Schmid; Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1990, Seite 63,252,254,282,296 - Eickhoff, Ekkehard, Theophanu und der König, Klett-Cotta Stuttgart 1996, Seite 451-518 - Erkens, Franz-Reiner: Konrad II. Herrschaft und Reich des ersten Salierkaisers. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1998, Seite 13,24, 26,32,34-38,46,50,58-61,64,73,82,88,91,94,128,141,148,152,154,158,170,200-207 - Finckenstein, Albrecht Graf: Beobachtungen zur Königswahl nach dem Tode Ottos III. - Geldner, Ferdinand: Geburtsort, Geburtsjahr und Jugendzeit Kaiser Heinrichs II. in Deutsches Archiv zur Erforschung des Mittelalters Band 34, 1978 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 26-31,50,60,73,90,92,113-115,119,128,131,145-149,165-167,195 - Goez Elke: Beatrix von Canossa und Tuszien. Eine Untersuchung zur Geschichte des 11. Jahrhunderts, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1995, Seite 13,14,89,124,126,130 - Golinello, Paolo: Mathilde und der Gang nach Canossa, Artemis und Winkler Düsseldorf 1998, Seite 48,54,60,66,93,254 - Gregorovius Ferdinand: Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. dtv-Bibliothek 1978 Band II Seite 3,6,7,8,11,12, 23,24,27,29,30,34,40,41 - Hils, Kurt: Die Grafen von Nellenburg im 11. Jahrhundert. Ihre Stellung zum Adel, zum Reich und zur Kirche, Eberhard Albert Verlag Freiburg 1967, Seite 18,46,50,60,67,75 - Hirsch, Siegfried: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich II. 1. und 2. Band, Verlag von Duncker & Humblot Berlin 1864 -
Hlawitschka Eduard: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I 911-1137 Teil 1 und Teil 2 Hahnsche Buchhandlung Hannover 2006 Seite 28,30,78,121,162-169,171,173,175,185,198-201,208,214,219-223,241,246,263,266,270,272,280,283,290,301, 303,361,426,436,493,515,523-525,532,626,629,665,676,689,697,699,701,707 - Hlawitschka, Eduard: Die Anfänge des Hauses Habsburg-Lothringen. Genealogische Studien zur Geschichte Lothringens und des Reiches im 9.,10. und 11. Jahrhundert, Saarbrücken 1969, Seite 9,15,45,48,58,62,67,70,83,88-91,99,119,125,137,148,179 - Hlawitschka, Eduard: Die Thronkandidaturen von 1002 und 1024. Gründeten sie im Verwandtenanspruch oder in Vorstellungen von freier Wahl?, in Reich und Kirche vor dem Investiturstreit von Karl Schmid (Hrsg.) Seite 49-65, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1985 - Hlawitschka, Eduard: Konradiner-Genealogie, unstatthafte Verwandtenehen und spätottonisch-frühsalische Thronbesetzungspraxis. Ein Rückblick auf 25 Jahre Forschungsdisput. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2003 Seite 2-204 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 7,13-15,22,25,29,34,38,41-46,50,52,68,73-79,82,84,96,98,116,134,139,148,163,167,175,177 - Hlawitschka Eduard: Kaiser Heinrich II. (1002-1024), in Mittelalterliche Herrscher in Lebensbildern, Hg. Karl Rudolf Schnith, Seite 166-183 - Hlawitschka, Eduard: Vom Frankenreich zur Formierung der europäischen Staaten- und Völkergemeinschaft 840-1046, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1986 - Höfer, Manfred: Die Kaiser und Könige der Deutschen, Bechtle Verlag Esslingen 1994, Seite 49-52 - Jaeckel, Gerhard: Die deutschen Kaiser. Die Lebensgeschichten sämtlicher Monarchen von Karl dem Großen bis Wilhelm II., Weltbild Verlag Augsburg, Seite 55-56 - Kaiser Heinrich II. 1002-1024. Begleitband zur Bayerischen Landesausstellung 2002 Konrad Theiß Verlag  GmbH 2002 - Kaiserin Theophanu. Begegnung des Ostens und Westens um die Wende des ersten Jahrtausends. Gedenkschrift des Kölner Schnütgen-Museums zum 1000. Todesjahr der Kaiserin. Herausgegeben von Anton von Euw und Peter Schreiner Band I und II Köln 1991 - Kallen, Gerhard: Kaiser Heinrich II. und Würzburg - Keller, Hagen: Schwäbische Herzöge als Thronbewerber: Hermann II. (1002), Rudolf von Rheinfelden (1077), Friedrich von Staufen 1125). Zur Entwicklung von Reichsidee und Fürstenverantwortung, Wahlverständnis und Wahlverfahren im 11. und 12. Jahrhundert, in  Zeitschrift für Geschichte des Oberrheins Band 131 1983 - Keller, Hagen: Die Ottonen. Verlag C.H. Beck München 2001 Seite 16,84,86-102,108,111,116,120,122 - Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 2002 Seite 28,31,41,42,45-56,58,61,68,73,81,106 - Lechner Karl: Die Babenberger. Markgrafen und Herzoge von Österreich 976-1246, Böhlau Verlag Wien-Köln-Weimar 1992, Seite 41,54,56-62,64-66,98,179,318 A 33, 1; 319 A 18;322 A 37;330 A 12 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar Köln Wien 1995 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 - Pätzold Stefan: Die frühen Wettiner. 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(1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999 Seite 14-17,20,38,43,51,110,120,186,236,261 - Weller Tobias: Die Heiratspolitik des deutschen Hochadels im 12. Jahrhundert. Rheinisches Archiv. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 2004 Seite 698 - Wies, Ernst W.: Kaiser Friedrich Barbarossa. Mythos und Wirklichkeit, Bechtle Esslingen 1999, Seite 205 -