Unwan                                         Erzbischof von Hamburg-Bremen (1013-1029)
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um 975
26. oder 27.1.1029
             Bremen

Jüngerer Sohn des Pfalzgrafen Dietrich von Sachsen ( 6.3.995) aus dem Hause der IMMEDINGER und der Fritheruna, Tochter von Pfalzgraf Adalbero von Sachsen; Bruder von Graf Siegbert II. im Liesgau (um 1013), Graf Tammo (Thankmar) im Hessengau ( 1037), Bischof Bernward von Hildesheim (20.11.1022), Burggräfin Thietburg von Magdeburg  und Äbtissin Judith von Ringelheim ( 13.3.1000), Groß-Neffe von König Konrad von Burgund (19.10.993) und der Römischen Kaiserin Adelheid von Burgund ( 16.12. 999)
Nach R. Wenskus Sohn des Grafen Siegbert I. vom Liesgau ( 14.10.995) aus dem Geschlecht der IMMEDINGER; Bruder von Mönch Siegbert (Sirus) in Corvey und Gräfin N.N. von Stade

Lexikon des Mittelalters: Band VIII Spalte 1274
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Unwan, Erzbischof von Hamburg-Bremen seit 2. Februar 1013
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   27. Januar 1029

Eltern:
Pfalzgraf Dietrich von Sachsen und Angehöriger der IMMEDINGER (daher verwandt mit Bischof Meinwerk von Paderborn und dessen Schwester Emma [von Lesum, oo BILLUNGER Liudger], Wohltäterin der Bremer Kirche)
Domherr in Paderborn und vielleicht in Hildesheim, Kaplan König HEINRICHS II., der ihn anstelle des vom Domkapitel gewählten Vizedominus Otto zum Bischof ernannte.
Das Pallium erhielt
Unwan von Papst Benedikt VIII. Unwan führte in allen Kanonikerstiften seiner Diözese die Aachener Regel (Institutiones Aquisgranenses) ein. Nach dem Aufstand Bernhards II. Billung gegen Kaiser HEINRICH II. vermittelte er 1020 und eröffnete so auch der Mission bei den Ostsee-Wenden (Bistum Oldenburg) neue Möglichkeiten nach deren Aufstand 1018.
Im wiederaufgebauten Hamburg gründete er mit je drei Kanonikern aus dem Domstift Bremen sowie Bücken, Ramelsloh und Harsefeld ein neues Domkapitel.
Gegenüber König Knud dem Großen von England-Dänemark-Norwegen wahrte er 1022 die Rechte des Erzbistums, gewann dessen Freundschaft und vermittelte 1025 einen Vertrag zwischen ihm und König KONRAD II. Für Schweden unter König Olaf Eriksson konnte er mit Thurgot von Skara den ersten Diözesan-Bischof ernennen.
W. Seegrün

Quellen und Literatur:
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ADB XXXIX, 323ff.
Reg. der Ebf.e v. Bremen, ed. O.H. May, I, 1937, 41-46
Gams, Ser. V, T. II, 25-27
W. Seegrün, Das Papsttum und Skandinavien bis zur Vollendung der nord. Kirchenorganisation, 1967, 56-62
E. Hoffmann, Beitr. zur Gesch. der Beziehungen zw. dem dt. und dem dän. Reich für die Zeit von 934 bis 1035, Schrr. des Vereins für Schleswig-Holstein. Kirchengesch. 33, 1984, 105-132
H. Schmidt, Kirchenbau und zweite Christianisierung im fries.-sächs. Küstengebiet während des MA, NdsJb 59, 1987, 63-93
P. Johanek, Die Ebf.e v. Hamburg-Bremen und ihre Kirche im Reich der Salier (Die Salier und das Reich, II, 1991), 79-112
H. Hoffmann, Mönchskg. und rex idiota, 1993, 64-69
H.-J. Schulze, Die Ebf.e v. Hamburg-Bremen und die Gf.en v. Stade vom Ausgang des 10. bis zur Mitte des 12. Jh. (Gesch. des Landes zw. Elbe und Weser, II, hg. H.-E. Dannenberg-H.-J. Schulze, 1995), 43-104, 525.

www.bautz.de    Band XXII (2003) Spalte 1396 Autor: Ekkart Sauser
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UNWAN Erzbischof von Hamburg-Bremen
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    gest. 26./27.1. 1029 in Bremen

Unwan war sächsischer Abstammung aus dem Geschlechte Widukinds. Als er Erzbischof von Hamburg-Bremen geworden war, zeichnete er sich dadurch besonders aus, daß er mit Erfolg die erzbischöflichen Rechte gegenüber den Bischöfen in Dänemark und Schweden vertreten hat. Er gilt daher als ein besonderer Patron in der Verteidigung der Metropolitanrechte.

Literatur:
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J. Torsy-H. J. Kracht: Der Große Namenstagskalender, Freiburg-Basel-Wien 2002, 51; - J. Torsy: Lexikon der Deutschen Heiligen, Köln 1959, 536; - A. Schütte: Handbuch der Deutschen Heiligen, Köln 1941, 352; - Joh. Ev. Stadler-J. N. Ginal: Vollständiges Heiligenlexikon V 606; - A. Hauck: Kirchengeschichte Deutschlands III, 637.

Ekkart Sauser

Letzte Änderung: 21.09.2003


Althoff Gerd: Seite 292
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                   B 5

Lü:     26.1.   Vnguan aps   1029  Hamburg/Bremen

Unwan stammte aus dem Geschlecht der IMMEDINGER wie auch Emma, die Gemahlin des BILLUNGERS Liudger (G 18); vgl. Bannasch, Paderborn, Seite 90f. und 182f.
Kontakte
Unwans zur billungischen Familie sind mehrfach bezeugt. Vor allem vermittelte er 1019/20 den Frieden zwischen HEINRICH II. und den BILLUNGERN nach den Aufständen Thietmars und Bernhards II.; siehe dazu oben Seite 117.
Die Beurteilung des Verhältnisses der BILLUNGER zu
Unwan bei Adam von Bremen (II, 49) ist angesichts dieser Zeugnisse nicht zu übernehmen; siehedazu oben Seite 61.
Allgemein vgl. Glaeske, Die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen, Seite 33-43; Schölkopf, Die sächsischen Grafen, Seite 133; Fleckenstein, Hofkapelle 2, Seite 181; May, Regesten der Erzbischöfe von Bremen, Nr. 164-168.


Unwan, der dem Hochstift Paderborn vorher als Kanoniker angehört hatte, wurde auf Empfehlung Meinwerks von Paderborn königlicher Kaplan. Er schenkte dem König 1013 seinen Eigenbesitz in Moringen, Bernshausen im Liesgau und Hohnstedt, damit dieser ihn an Paderborn weitervergabte. Die Güter stammten vermutlich aus immedingischen Erbe, da sie unweit der Plesse liegen, einem Kernpunkt immedingischen Allods.

Trillmich Werner: Seite 74,265
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Erzbischof Unwan ließ Bremens Domburg und Kaufmannssiedlung stark befestigen und förderte die Schule als Ausbildungsstätte für Priester im Dienste der Legation zu den Völkern des Nordens, den Dänen, Schweden und Slawen, so erfolgreich, dass sich neben deutschen Klerikern auch wieder vornehme Nordgermanen zum Studium einfanden. Bei festlichen Anlässen zeigte er sich gern im Kreise seiner Missions-Bischöfe. Daraus ergaben sich so wertvolle Beziehungen zu den skandinavischen Nachbarn, dass HEINRICH II. wie vor ihm OTTO III. eine Bremer Pfründe für die Hofkapelle in Anspruch nahm. Mit Herzog Bernhard verständigte sich Unwan über den gemeinsamen Wiederaufbau Hamburgs, für dessen Dom ein aus 12 Kanonikern bestehendes Kapitel geschaffen wurde. Zum Ärger der benachbarten BILLUNGER hielt der Erzbischof seitdem gern im Palais der Burg festlich Hof, empfing Bischöfe, Gesandtschaften, skandinavische und slawische Fürsten. Seine Stellung als Missionslegat und seinen Anspruch auf geistliche Jurisdiktion in Nord-Europa behauptete der gewandte Diplomat sogar gegen König Knut von England und Dänemark. Das Erzstift bildete eine wertvolle Stütze der königlichen Macht gegen den sächsischen Adel wie nach außen. Von seinen Suffragan-Bistümern behauptete sich dauernd nur Ribe. Für Schleswig und Oldenburg wurden in Erwartung künftiger Erfolge zwar Bischöfe geweiht, doch lebten sie fern von ihren Diözesen im Exil. Zahl und Ausmaß königlicher Gnadenerweise für Hamburg-Bremen waren bisher gering. Der kirchliche Grundbesitz beruhte weitgehend auf Schenkungen des Adels, der sich Vogteien und Nutzungsrechte vorzubehalten pflegte. In Bremen, dessen Hafen Seefahrer aus dem gesamten Nordseeraume anliefen, verfügten die Erzbischöfe über Markt-, Münz- und Zollrecht. Auch im Handelsort Stade, von dem der Fährverkehr nach Holstein ausging, besaß die Kirche einen ansehnlichen Hof.
Gestützt auf eigene Mittel hatte der vermögende IMMEDINGER seinem Stift Handlungsfreiheit gegenüber dem weltlichen Adel zurückgewonnen, ohne königlichen Beistandes zu bedürfen. Bremen ließ er durch stattliche Befestigungen sichern, und trotz politischer Rivalität und gegensätzliche Ziele im Obodritenlande erreichte er durch versöhnungsbereite Annäherung an den BILLUNGER-Herzog Bernhard, dass endlich der gemeinsame Wiederaufbau des 983 zerstörten Hamburg in Angriff genommen werden konnte. Burg, Dom und geistliche Residenz wurden instandgesetzt, die erloschenen Domherrnpfründen erneuert. Fürstliches Auftreten, Furchtlosigkeit und Tatkraft machten den Erzbischof zu einem Achtung gebietenden, vertrauenswürdigen Gesprächspartner. In seinen Hofhaltungen Bremen und Hamburg pflegte der gewiegte Diplomat, den stets einige Suffragan-Bischöfe umgaben, sächsische, slawische und skandinavische Herren oder deren Gesandtschaften zu empfangen.
 
 
 
 

Literatur:
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Adam von Bremen - Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 292 B 5 - Die Salier und das Reich, hg. Stefan Weinfurter, Jan Thorbecke Verlag 1991, Band I Seite  317,326/Band II Seite 83,85,89,105,109 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 Seite 133 - Trillmich Werner: Kaiser Konrad II. und seine Zeit. Europa Union Verlag Bonn 1991 Seite 74,265 - Weinfurter, Stefan: Heinrich II. (1002-1024) Herrscher am Ende der Zeiten, Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999, Seite 121,153,166,215 - 
Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 143-146 -