Dietrich (Thiedrich)                      Pfalzgraf von Sachsen (982-995)
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6.3.995  

Nach R. Schölkopf und E. von Uslar-Gleichen Sohn des Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen ( 982)
Nach R. Wenskus Sohn des Grafen Waldered in Sachsen (
um 973) aus dem Hause der IMMEDINGER und der Bertha von Schwaben, Tochter von Herzog Burchard III.; Bruder von Graf Siegbert im Liesgau ( 14.10.995) und Gisela, Schwieger-Sohn von Pfalzgraf Adalbero von Sachsen ( 982), Groß-Neffe von Königin Bertha von Burgund ( 2.1.961) und Neffe von König Konrad von Burgund (19.10.993) und der Römischen Kaiserin Adelheid von Burgund ( 16.12.999)

www.wikipedia.de
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Dietrich (Pfalz Sachsen)
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Dietrich, auch Theodericus oder Thiedrich ( 6. März 995) war ab 982 Pfalzgraf von Sachsen.
Als Eltern gelten Waldered und Bertha (beide um 984) (R. Schölkopf vermutet als Vater den Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen).
984 versuchte er vergeblich, die Gunst des Herzogs Heinrich, des "Zänkers", nach dessen Haftentlassung auf seinem Zug nach Sachsen zu erlangen. Zusammen mit seinem Bruder Siegbert (Sicco I., Sibertus, Sigibertus, auf der Asselburg) baten sie ihn in Corvey barfüßig um Verzeihung.
Nach einer Königsurkunde vom 10. August 990 besaß Sicco I. die Grafschaft im Liesgau und Dietrich die Grafschaft in Ostfalen mit der stark befestigten Mundburg.

Ehe und Kinder:
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Er heiratete Fritheruna, eventuell Tochter des Pfalzgrafen Adalbero (möglicherweise werden auch beider Eltern vertauscht.)


Althoff Gerd:
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                   G 20

Lü:  6.3. Thiedrich com                   995 Pfalzgraf von Sachsen

Der Eintrag des Grafen Thiedrich am 6.3. im Lüneburger und Magdeburger Necrolog wird in der Forschung dem sächsischen Pfalzgrafen dieses Namens zugeordnet, obwohl es hierfür keinen direkten Beweis gibt.
Von Thiedrich ist bekannt, dass er 984 vergeblich versuchte, die Gunst Heinrich des Zänkers (H 31) zu erlangen (Thietmar IV, 1). Über die billungische Beteiligung an den Aufständen Heinrichs siehe oben Seite 94ff.
Allgemein zu Dietrich vgl. Starke, Die Pfalzgrafen von Sachsen, Seite 30f: Schölkopf, Die sächsischen Grafen, Seite 120f.
Zum Todesdatum BU Nr. 1134c.


Schwennicke Detlev: Tafel 146
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

THIEDRICH
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6.II.995

992 PFALZGRAF, 984


Thietmar von Merseburg: Seite 116,136
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"Chronik"

Nachdem alle Fragen in seinem Sinne geregelt waren, reiste der Herzog (Heinrich der Zänker) mit ihnen nach Corvey; hier verweigerte er die Begnadigung der Grafen Dietrich und Siegbert, zweier Brüder, die ihn barfüßig um Nachsicht baten. Tief enttäuscht verließen sie ihn und versuchten nun mit allen Kräften, ihre Verwandten und Freunde dem Dienste des Herzogs abspenstig zu machen.
Doch viele der Versammelten, die aus Gottesfurcht nicht treubrüchig werden wollten, machten sich davon und begaben sich eilends nach der Asselburg, wo Gleichgesinnte zusammengekommen waren, die sich bereits offen gegen den Herzog zusammentaten. Hier sind ihre Namen:
aus dem Osten außer Herzog Bernhard und Markgraf Dietrich die Grafen Ekkehard, Binizo, Esiko, der Graf und Priester Bernward, Siegfried und sein Sohn und die Brüder Friedrich und Ziazo; aus der dortigen Gegend die Brüder Dietrich und Siegbert, Hoiko, die Brüder Ekkehard und Bezeko, Brunig und die Seinen; ferner auf Veranlassung des Erzbischofs Willigis die Ritter des heiligen Martin, denen eine beträchtliche Zahl aus dem Westen Folge leistete.

Im gleichen Jahre schieden Pfalzgraf Dietrich und sein Bruder Siegbert von dieser Welt.

Annalen von Quedlinburg
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Das Jahr 995.

Für die Sachsen begann ein noch schlechteres Jahr, als das vorige. Denn unter denen, welche Osterleute heißen, brach eine so große Pestilenz aus, daß bei ihnen nicht nur Häuser, sondern sogar sehr viele Dörfer leer standen, da die Bewohner gestorben waren. Außerdem wurden sie von Hungersnoth arg gedrückt und von so häufigen Einfällen der Sclaven heimgesucht, daß von ihnen, zur Strafe ihrer Sünden, mit Recht jenes Wort des Propheten gesagt zu sein scheint: "Ich will drei schwere Plagen, Pestilenz, Schwert und Hunger unter sie schicken." König Otto der Dritte fiel mit großem Heere in das Land der Apodriten und Wlotaber ein und verwüstete es mit vielem Brennen und Rauben; freilich hat er ihre Erhebung durchaus nicht unterdrückt. Als er endlich von dieser Kriegsfahrt heimkehrte, wurde er in Quedelingaburg von seiner schon erwähnten und immer wieder zu erwähnenden Tante, der Aebtissin Mechtild, würdig, wie es dem Ruhme des königlichen Namens gebührt, empfangen. Daselbst hat seine leibliche Schwester Adelheid, welche also wie ihre Großmutter,  die Kaiserin, Adelheid hieß, in Gegenwart ihres leiblichen Bruders, des Kaisers Otto des Dritten, und vor den Augen des gesammten Rathes und Volkes sich für das Vaterland dem Dienste des heiligen Dionysius und des heiligen Servatius geweiht, um kirchlich unter dem Joche der Ordensregel zu leben, weil sie um Christi Liebe die königlichen Freier und ihre Boten verschmähte, die ihr nicht blos Schätze, sondern über ihr Vermögen selbst goldene Berge und Städte versprachen, und in derselben Stunde wurde sie mit dem heiligen Schleier  dem himmlischen Bräutigam Christus durch den Bischof derselben Kirche Hildeward und im Beisein der übrigen Erzbischöfe und Bischöfe verlobt.
In diesem Jahre starb auch der Herzog des Baierlandes Heinrich der Zweite eines frühen Todes. Dieser war nach dem Absterben Kaisers
Otto des Zweiten
mehr durch fremden als eigenen Willen verlockt worden, in der Art die Herrschaft an sich zu reißen, daß er den Sohn des Kaisers gefangen nahm und sich selbst zum Könige erwählen ließ; aber vor der Weihe legte er von Reue getrieben die königliche Würde nieder, und da er sich demüthig dem Könige unterwarf, wurde er in ehrenvoller Weise mit der Herrschaft über Baiern beschenkt.  Um dieses machte er sich in der Sicherung des Friedens so viel mehr als seine Vorgänger verdient, daß ihn die Einwohner jenes Landes Heinrich den Friedensstifter und Landesvater nannten. Nach seinem Tode bekam sein Sohn Heinrich, der spätere König, das Herzogthum Baiern von König Otto dem Dritten zum Geschenk. Ghevehard, der ehrwürdige Bischof der Constanzer Kirche, starb und ihm folgte Landbert. Der ehrwürdige Bischof Hildeward erbaute am 21. Juli in der Stadt Stitterlingeburg ein Nonnen-Kloster.

Im Gebiete der Halverstädter Kirche zu Hordorp wurde ein Kind geboren, welches unterhalb des Hintern keinen Körper hatte, weder Schenkel noch männliches oder weibliches Glied, sondern nur als ein halber Mensch, den Hintern nach Art der Vögel, doch ohne Federn, das rechte Ohr größer als das linke und ebenso das rechte Auge größer als das linke, die Zähne von häßlicher gelber Farbe; am linken Arme war es gesund, doch ohne vier Finger, allein mit dem Daumen, der rechte Arm fehlte ganz. Dieses entsetzliche Ungeheuer sah vor der Taufe mit den Augen bestürzt umher, nach der Taufe aber öffnete es die Augen nicht mehr und starb am vierten Tage nach der Geburt. - Ein allgemeiner Verlust widerfuhr ganz Germanien durch die Krankheit der Schweine und Rinder. Der Pfalzgraf Theodorich und sein Bruder Sigibert, berühmte Sachsen, starben.

Eickhoff Ekkehard: Seite 104
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"Theophanu und der König"

Ihr erster Aufenthalt war in Corvey, wohin ihm Dietrich, Pfalzgraf von Sachsen, und sein Bruder Siegbert entgegenkamen. Es gab einen alten Zwist zwischen Heinrich dem Zänker und ihnen - vielleicht hatten sie während seines letzten Aufstands die Seiten gewechselt. Heinrichs Stern schien im Steigen, und die Brüder baten fußfällig um Verzeihung. Aber dazu war der Zänker schon nicht mehr bereit. So machten die beiden sich auf, um Verwandte und Freunde gegen den Herzog einzunehmen.

Starke, Heinz-Dieter: Seite 30-31
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"Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zum Jahre 1088"

Erst 992 wird wieder ein sächsischer Pfalzgraf namens Thiedrich in einem Diplom erwähnt [33 DO III. 81.]. Dort erscheinen die Pfalzgrafen den Markgrafen nicht viel untergeordnet. So zeichnet sich am Ende des 10. Jahrhunderts bereits die Rangordnung ab, die in der späteren Zeit zur Regel wird. Auch hier beweist das Auftreten als Intervenient nicht die Verwaltung von Königsgut durch die Pfalzgrafen, sondern allein die Teilnahme Thiedrichs und seines Bruders Siegbert an dem Hoftag zu Grone 992. Möglicherweise ist im Liesgau ein Sigebert Nachfolger im Komitat Bernos [34 DO III. 67 (990). Die Sigebert zugehörenden Orte liegen in unmittelbarer Nähe von Gittelde, das "in comitatu Burchardi comitis" lag, was Kurze auf Berno beziehen wollte (Vgl. oben Anmerkung 10.).]. Vielleicht könnte man auch aus den bezeugten Herrschaftsrechten Thiedrichs über die Mundburg und ihrer späteren Übertragung an Bernward von Hildesheim [35 DH II. 259. Die Feste lag am Zusammenfluß der Aller und Oker.], den Enkel Bernos, auf eine Verwandtschaft zwischen dem alten Pfalzgrafen und Thiedrich wie seinem Bruder Siegbert schließen. Gegenüber Kurze [36 Kurze, Pfalzgrafen Seite 301ff. K. stellt diese Möglichkeiten als Tatsachen dar.], der Berno als Vater der beiden ansieht, muß jedoch betont werden, daß eine solche nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit zu behaupten ist. Insbesondere läßt sich nicht, weil Thiedrich als Nachfolger im sächsischen Pfalzgrafenamt erscheint, seine Abstammung von Berno klar erweisen [37 Eine spätere Bearbeitung der Vita Bernwardi durch den Abt Dietrich II. zu St. Michael in Hildesheim ( 1205) nennt im Nachtrag als Schwieger-Sohn des Pfalzgrafen Athelbero und als Vater Bernwards einen "Markgrafen" Dietrich. (Gedruckt bei Lüntzel, Geschichte der Diözese und Stadt Hildesheim (1858) Seite 132 Anmerkung) Trotzdem kann man den Pfalzgrafen Thiedrich nicht als unbedingt mit Berno verwandt ansehen, denn die Notiz erregt wegen des angegebenen Besitzes der Sommerschenburg und umliegender Gebiete durch Dietrich höchste Bedenken. Sie steht auf gleicher Stufe wie die Korrektur der Nachricht von der Einsetzung des Bruders Bernwards, Tammo, über die Burg Paterno in Italien. "Ad regis imperium Paternum" wurde verändert in "imperium de Sommerschenburg paternum" (Vita Bernwardi c. 35, MG S. IV Seite 774 Anmerkung a.). Vgl. hierzu Van Hecke, Acta Sanctorum, Octobris, Tomus XI (1860) Seite 967.].
Als nach dem Tode OTTOS II. Heinrich der Zänker die Herrschaft erstrebte, kamen ihm auf seinem Zuge nach Sachsen 984
Thiedrich und Sicco entgegen und baten um seine Gnade, die ihnen verweigert wurde [38 Thietmar, Chronik, MG SS. rer. Germ. (1935) IV, 1 (künftig zitiert als Thietmar.). Bei der unversöhnlichen Feindschaft des Herzogs möchte man nicht an politische Gründe, sondern eher an einen persönlichen Racheakt denken. Unter der Voraussetzung, daß Berno der Vater der beiden Brüder war, mußten vielleicht die Söhne nun Heinrichs Groll erdulden. Sicherlich hatte doch der alte Pfalzgraf bei der Verurteilung des Zänkers ein gewichtiges Wort zu sagen gehabt [39 In diesem Zusammenhang bleibt auffällig, daß der Zänker in den Gewahrsam Poppos von Utrecht kam, der ein Sohn des Pfalzgrafen Berno war.]. Thiedrich und Sigebert stehen übrigens wenig später gemeinsam mit anderen sächsischen Großen im Kampf gegen den Herzog [40 Thietmar IV, 2.]. Sowohl der Pfalzgraf wie sein Bruder sind im Jahre 995 gestorben [41 Thietmar IV, 20: Ann. Quedlinb. MG SS. III, Seite 73, 20. Dümmler bezieht die Angabe des Magdeburger Totenbuches zum 6. März "Thiedricus comes obiit" auf den Pfalzgrafen (Neue Mitteilungen aus dem Gebiet hist.-antiqu. Forschungen (= NM) X, Seite 261) und die des Merseburger Totenbuches zum 14. Oktober "Sibertus comes obiit" auf seinen Bruder (NM XI, 2 Seite 243).].

Uslar-Gleichen Edmund von: Seite 200-201,209-210,225-229
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"Geschichte der Grafen von Winzenburg"

Von Köln aus habe sich Heinrich der Zänker nach Corvey begeben, wo ihn die gräflichen Brüder Dietrich (Thiedericus) und Sicco I. [1 Gemeint sind der spätere sächsische Pfalzgraf Dietrich und sein Bruder Sicco I. (Sibert, Sigibert), Söhne des Pfalzgrafen Athelbero (Bern) von Goseck (Stammtafel II). Die Ann. Quedl. in M.G. SS. III, 73 zum Jahre 995 nennen die Brüder "Saxones".] barfuss um Begnadigung baten, die ihnen verweigert wurde [2 Wedekind, Noten I, 34 vermutet die Ursache dieser Weigerung in begangener Felonie.]. In Folge dessen suchten die Brüder mit allen Kräften ihre Verwandten und Freunde dem Herzoge abwendig zu machen.
Die Verbündeten waren aus Ostfalen (ex oriente):
Herzog Bernhard (I. von Sachsen), Markgraf Dietrich (von der Nordmark), die Grafen Ekkihardus (Eckhard II. von Assel), Bio (Bio von Goseck?), Esic (Esico von Goseck?), Berwardus comes et clericus [3 Ich werde später zeigen, dass unter dem Bernwardus comes et clericus wahrscheinlich der Pfalzgraf Athelbero (Bern) von Sachsen und sein Groß-Sohn, der nachherige Bischof Bernward von Hildesheim, zu verstehen ist.], Sifrith (Siegfried der Ältere Graf von Walbeck, der Vater des Chronisten Thietmar, ejusque filius (Siegfried der Jüngere von 1022-1032 Bischof von Münster), Frithericus (Burggraf von Magdeburg, Gemahl der Thietburga, Tochter des Grafen Eckhard II. von Assel?), et Ciazo, confrateres. Von den dortigen Stammesgenossen erhoben sich mit gegen Herzog Heinrich den Zänker:
Thiedricus (der oben genannte später sächsische Pfalzgraf Dietrich, Sohn Athelberos [Berns] von Goseck) et Sibert (sein oben genannter Bruder Sicco I.) confratres, Hoico (der Erzieher König OTTOS III.), Ekkihardus et Bezeco, germani (Brüder), ferner Brunig mit den Seinen.

Berns Nachfolger war sein Sohn Dietrich, derselbe, den wir zuletzt mit seinem Bruder Sibert (Sicco I.) im Jahre 984 auf der Asleburg sahen und der in einer Urkunde König OTTOS III. aus dem Jahre 992, sowie in der Grenzbeschreibung zwischen Hildesheim und Minden (983-993) palatinus genannt wird. Ihm folgte, als Dietrich am 6. März 995 gestorben war [2 Ann. Saxo in MG SS VI, 640; Thietmar Chron. a.a.O. III, 773.], ein Friedrich im Amte, in welchem wir den palatinus comes Frithericus (Friedrich I.) wieder erkennen, welcher nach dem oben allegierten Schenkungsregister des Klosters Helmarshausen für das Seelenheil seines ungenannten Bruders dem Kloster die villa Alebroch (im Ambergau) schenkte, und der nach einer Tradition demselben Kloster für das Seelenheil eines ebenfalls nicht genannten Sohnes eine weitere Schenkung in demselben Dorf machte.
Nachfolger des Grafen Bern in der Pfalzgrafschaft, und folglich sein Sohn [6 Vgl. Waitz in Forsch. XIV, 23 f.], war Graf Dietrich (Theodericus), welcher mit seinem Bruder Sicco I. (Sibertus, Sigibertus) barfuss zu Corvey im Jahre 984 den Herzog Heinrich II. von Baiern vergeblich um Audienz und Gande bat, auch bei der Versammlung auf der Asleburg nicht fehlte, wo die Zukunft dieses Herzogs in die gebührenden Schranken zurückgebracht wurden [7 Thietm. chron. in MG SS III, 767 ff.]. Als Pfalzgrafen lernten wir Dietrich in Begleitung seines genannten Bruders bei Feststellung der Grenzen zwischen Ostfalen und Engern einerseits und den Bistümern Hildesheim und Minden anderseits zwischen den Jahren 983 und 993 kennen, und ebenso beide Brüder als Intervenienten am 6. Januar 992 beim König OTTO III. in Grone, als dieser dem Stifte Quedlinburg den Hof Walbeck schenkte. Sicco I. besaß nach einer Königs-Urkunde vom 10. August 990 die Grafschaft im Lisgo, Dietrich die Grafschaft in Ostfalen, worin die stark befestigte Mundburg lag, welche Bischof Bernward von Hildesheim auf Wunsch Kaiser OTTOS III. am Zusammenflusse der Aller und Ocker gegen die Einfälle der Slaven erbaut hatte. Beide Brüder starben im Jahre 995 [2 Ann. Saxo (MG SS VI, 632) 995: Teodericus comes palatinus et frater ejus Sigibertus, Saxones praeclari, obierunt; ebenso Thiet. chron. a.a.O. III,773, wo Saxones praeclari fehlt.], Dietrich nach dem Magdeburger Totenbuche am 6. März, Sicco I. nach dem Merseburger Totenbuche am 14. Oktober.
Die Gemahlin des Pfalzgrafen Dietrich war mußmaßlich eine Schwester Immeds III. aus dem berühmten Geschlecht der IMMEDINGER, deren Besitzungen sich von der Weser bis zur Elbe erstreckten, und deren Kern die Gegend um Northeim bildete, wo der Name des Dorfes Imbshausen (Immidshusun) noch jetzt an den Stammsitz des Geschlechts erinnert. In demselben Gau lag die Pfalz Grone bei Göttingen, in welcher der Pfalzgraf Dietrich als Nachfolger seines Vaters das Pfalzgrafenamt bekleidet haben wird.
Deuten hiernach schon die nachbarlichen Verhältnisse auf eine Verbindung Dietrichs mit einer Tochter aus dem Geschlechte der IMMEDINGER hin, so wird diese durch die erkennbaren Beziehungen des, durch die Urkunde vom Jahre 1013 [4 Or. G. IV, 435 u.a.O.: Thiedericus palatinus comes posteaque filius ejus Sirus.] als Dietrichs Sohn beglaubigten Sicco II. (Sirus, Sibert) zur Familie der, fast zur Gewissheit.
Lange vorher - jedenfalls aber nach 1015 - wurde diese Azela, Tochter des Grafen Immed III. und der berüchtigten Adela, die Erbin von Gütern eines Sicca (Sicco) und Vertherun, die sie durch den Vogt (der Paderborner Kirche) Dietrich (Thiadrich) mit Zustimmung ihrer Schwester und Erbin Glismod dem Bistum Paderborn übergab.
Wer Vertherun war, wird nicht gesagt; dass aber Sicca mit unserm Sicco II. identisch ist, geht unzweifelhaft daraus hervor, dass die von Azela geerbten Güter als in der Provinz Ostfalen, in welcher Siccos Vater das Grafenamt innegehabt hatte, und in Engern gelegen, bezeichnet werden. Aus alledem folgt, dass Graf Sicco II. kinderlos gestorben war [6 Vielleicht ist er der Sicco laicus, welcher auf den 30. Juni in das Totenbuch des Klosters Möllenbeck eingetragen ist. (Wiegand, Archiv V, 4, Seite 363.)] und die Erbin seiner Güter seine nahe Verwandte gewesen sein muss. Nimmt man nun eine  ungenannte Schwester des IMMEDINGERS Immed III. als Gemahlin des Pfalzgrafen Dietrich von Sachsen aus dem Hause GOSECK an, so war Sicco II., der Sohn aus dieser Ehe, Geschwisterkind mit der von ihm zur Erbin eingesetzten Azela.
Eine Bestätigung dieses Verwandtschaftsverhältnisses zwischen den IMMEDINGERN und GOSECKERN finde ich in einer undatierten, jedenfalls in die Zeit nach 1027 zu setzenden Aufzeichnung, derzufolge Sicco II. sein Eigentum in Rollsdorf (Ruoleichesdorf) im thüringischen Hessenagu (Hassegau) mit allem, was ihm im angrenzenden Nabelgau gehörte, dazu seinen Leinegauschen Besitz in Bühle (Builo in comitatu Herimanni [II. von Reinhausen]), ebenfalls der Paderborner Kirche übergab, und dabei seiner Gemahlin, die Azelon hieß, gedenkt. Endlich erklärt sich auf diese Weise, wie der Name des Gosecker Pfalzgrafen Dietrich in die Familie der IMMEDINGER kam.

Weinfurter Stefan: Seite 121
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"Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten."

Noch ein Mitglied aus "dem ruhmreichsten Geschlecht der IMMEDINGER" ist als Kapellan am Hof HEINRICHS II. anzutreffen: Unwan. Wie er in die IMMEDINGER-Sippe einzuordnen ist, kann nicht genauer bestimmt werden; vielleicht war er der Sohn des Pfalzgrafen Dietrich von Sachsen.

Althoff Gerd: Seite 35,243
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"Spielregeln der Politik im Mittelalter. Kommunikation in Frieden und Fehde."

Demselben Heinrich wurde es 983 anläßlich seines Versuchs, König zu werden, zum schweren Vorwurf gemacht, daß er zwei Gegner, die sich ihm zu Füßen warfen, entließ, ohne ihnen zu verzeihen [36 Vgl. Thietmar von Merseburg, Chronik, IV, 1, Seite 132.].
Daß man die Spielregeln auf diesem Felde auch verletzen konnte, indem man einen Unterwerfungsakt praktizierte, ohne daß zuvor alles genau abgesprochen und Gegenleistungen vereinbart worden wären, kennen wir auch aus anderen Fällen [43 Hingewiesen sei auf die beiden sächsischen Grafen Dietrich und Siegbert, die im Jahre 984 nudis pedibus veniam postulantes von Heinrich dem Zänker abgewiesen wurden, was dafür spricht, daß sie die Sache nicht zuvor ausgehandelt hatten; vgl. den Bericht in: Thietmar von Merseburg, Chronik, IV, 1, Seite 132.].
 
 
 
 

  oo Fritheruna, Tochter des Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen
          
 
 
 
 
 

Kinder:

  Siegbert Graf im Liesgau
     
um 1013

  Bernward Bischof von Hildesheim (993-1022)
  um  960
20.11.1022

  Tammo (Thankmar)
       
1037

  Thietburg
      
 

  Judith Äbtissin von Ringelheim
     
13.3.1000

  Unwan Erzbischof von Hamburg-Bremen
      
27.1.1029



Quellen:
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Annalen von Quedlinburg a. 995 - Annalista Saxo: Reichschronik in MG SS Band VI, Seite 632, 640 a. 995 - Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 116,136 -    

Literatur:
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Althoff, Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Wilhelm Fink Verlag München 1984 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 155,157 - Althoff Gerd: Spielregeln der Politik im Mittelalter. Kommunikation in Frieden und Fehde. Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1997 Seite 35,243 - 
Eckhardt Karl August: Eschwege als Brennpunkt thüringisch-hessicher Geschichte. Verlag Trautvetter & Fischer Nachfolger. Marburg/Lahn 1964 Seite 93 - Eickhoff Ekkehard: Theophanu und der König. Otto III. und seine Welt. Klett-Cotta Stuttgart 1996 Seite 104 - Giese, Wolfgang: Der Stamm der Sachsen und das Reich in ottonischer und salischer Zeit. Franz Steiner Verlag Wiesbaden 1979, Seite 25 - Schneidmüller, Bernd/Weinfurter Stefan/Hg.): Otto III. - Heinrich II. Eine Wende?, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1997, Seite 81A, 294 - Schölkopf Ruth: Die sächsischen Grafen 919-1024. Studien und Vorarbeiten zum Historischen Atlas Niedersachsens 22. Göttingen 1957 Seite 120 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998 Tafel 146 - Starke, Heinz-Dieter: Die Pfalzgrafen von Sachsen bis zum Jahre 1088, in: Braunschweigisches Jahrbuch Band 36 Seite 30-31 - Uslar-Gleichen Edmund von: Geschichte der Grafen von Winzenburg Hannover 1895 Seite 200-201,209-210, 225-229 - Weinfurter Stefan: Heinrich II. Herrscher am Ende der Zeiten. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1999 Seite 121 - Wenskus Reinhard: Sächsischer Stammesadel und fränkischer Reichsadel. Vandenhoeck & Ruprecht Göttingen 1976 Seite 143-146 -