Bernward                                     Bischof von Hildesheim (993-1022)
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um 960 20.11.1022
             Hildesheim

Begraben: Hildesheim, St. Michael  

Enkel des Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen ( 982) eventuell durch seine Tochter Athelburgis
Nach Reinhard Wenskus Sohn des Pfalzgrafen Dietrich von Sachsen (
6.3.995) aus dem Hause der IMMEDINGER und der Fritheruna, Tochter von Pfalzgraf Adalbero von Sachsen; Bruder von Graf Siegbert im Liesgau (um 1013), Graf Tammo (Thankmar) im Hessengau ( 1037), Erzbischof Unwan von Hamburg-Bremen ( 27.1.1029), Burggräfin Thietburg (Thietberga) von Magdeburg  und Äbtissin Judith von Ringelheim ( 13.3.1000), Groß-Neffe von König Konrad von Burgund (19.10.993) und der Römischen Kaiserin Adelheid von Burgund ( 16.12.999)
Nach von E. von Uslar-Gleichen Sohn des Grafen Eckhard II. von Assel und einer namentlich unbekannten Tochter des Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen  

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 2012
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Bernward
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I. Leben; politisches und kirchliches Wirken:
Bernward, hl., Bischof von Hildesheim seit 993
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* ca. 960, 20. November 1022 in Hildesheim

Begraben: ebd., St. Michael

Stammte aus sächsischem Hochadel, Großvater mütterlicherseits ist der sächsische Pfalzgraf Adalbero (Bern), sein Onkel Folkmar, Bischof von Utrecht 976-991, seine Tante Rotgard Äbtissin des Reichsstiftes Hilwartshausen.
Geschwister Bernwards sind Thankmar (Tammo), Graf in Astfala und Hessengau, Thietburg und Judith, Äbtissin des immedingischen Hausstifts Ringelheim.
Verwandte
Bernwards sind auch Erzbischof Erchanbald von Mainz (1011-1021) und Frideruna, Äbtissin von Steterburg.
Nach einer Hypothese von R. Wenskus ist
Bernward Sohn des IMMEDINGERS Dietrich, sächsischer Pfalzgraf nach Adalbero, und der Frideruna, Tochter der KONRADINERIN Ida (Konradiner, Immedinger). - Die quellenkritischen Probleme der Thangmar zugeschriebenen Vita Bernwards sind bislang noch ungelöst.
Bernward trat vor 976 in die Hildesheimer Domschule ein, die Thangmar leitete. Er machte sich dort nicht nur mit den septem artes, sondern auch den Techniken der Kunstschrift, Malerei, Architektur und des Kunstschmiedehandwerks vertraut. Bernward besaß auch medizinische Kenntnisse. Aufenthalte in Utrecht und Mainz, wo ihm Erzbischof Willigis die geistlichen Weihen erteilte, gaben ihm mannigfache Anregungen.
Später übernahm er die Verwaltung der Güter Adalberos und übte wohl gräfliche Funktionen aus, als er 984 dem Nachfolgeanspruch Heinrich des Zänkers entgegentrat (Thietmar IV, 2: comes et clericus). Die von Folkmar ihm angebotene Abtswürde in Deventer lehnte er ab und trat 987 in die Hofkapelle ein. Die Regentin Theophanu übertrug ihm 989 die Erziehung des jungen Königs OTTO III. - Nach einer Wahl am Hofe wurde
Bernward am 15. Jan. 993 von Erzbischof Willigis zum Bischof von Hildesheim geweiht.
994/995 zog er gegen die aufständischen Elbslaven und errichtete zum Schutz der Grenzgebiete die Burgen Mundburg und Warenholz. Den Dombezirk umgab er mit einem turmbewehrten Mauerring.
In Italien unterstützte er OTTO III. bei der Einnahme von Tivoli (1000-1001) und der Niederwerfung des stadtrömischen Aufstandes.
Nach OTTOS Tod begünstigte
Bernward zunächst die Kandidatur Markgraf Ekkehards von Meißen.
1005 nahm er an der Dortmunder Reformsynode teil, 1006/07 am Feldzug König HEINRICHS II. gegen Graf Balduin IV. von Flandern (Balduin 8.). Anschließend traf er auf einer Pilgerfahrt nach St. Denis und Tours mit König Robert II. von Frankreich zusammen und erhielt von ihm wertvolle Reliquien.
Als typischer Vertreter des ottonischen Reichsepiskopats bemühte sich Bernward auch um die Intensivierung des geistlichen Lebens, die Hebung von Kirchenzucht und Bildung und den Ausbau der Kirchenorganisation in seiner Diözese. Um 1001 gründete er hier das erste Benediktiner-Kloster, St. Michael (Hildesheim), wobei sein reiches Vermögen vor allem der künstlerischen Ausstattung zugute kam.
Unter
Bernward entstanden auch die Nonnen-Klöster Heiningen und Steterburg sowie das Chorherrenstift Oelsburg. Bernwards Amtszeit litt unter dem Gandersheimer Streit (Gandersheim). Bestärkt von Sophie, der Schwester OTTOS III., suchte Erzbischof Willigis immer wieder Mainzer Ansprüche auf Gandersheim durchzusetzen. 1006 entschied HEINRICH II. den Streit zugunsten von Hildesheim, doch lebte er unter Erzbischof Aribo um 1021 noch einmal auf. 1022 starb Bernward wenige Wochen nach der Weihe von St. Michael. - Nach dem ersten Anlauf einer bischöflichen Kanonisation um 1150 konnte Kardinal Cinthius um 1192 Bernwards Heiligsprechung erwirken.

II. Kunstförderung:
Unter den geistlichen Reichsfürsten der ottonischen Zeit ist
Bernward die kunstgeschichtlich interessanteste Gestalt. Seine künstlerische Aktivität, in der Vita Thangmars eher anregend als manuell aufzufassen, ist geprägt von der Tätigkeit Bernwards am Kaiserhof, von Reisen in Deutschland und nach Rom (1000-1001).
Seine bauliche Großleistung stellt die Abteikirche St. Michael in Hildesheim dar:
doppelchörige Basilika mit zwei Turmgruppen, nach der Vita innen mit Fresken, musivischem Fußboden und anderem ausgestattet. Wohlbezeugt für
Bernward sind vor allem plastische Bildwerke. In massivem Bronzeguß die Bernwardtüren (vgl. auch Türen), technisch von Aachen, bildlich vielleicht von S. Sabina in Rom angeregt, mit typologischem Zyklus von Genesis bis Passion. Eine posthume Inschrift nennt 1015 als Entstehungsjahr. Stilistisch unterscheidbar die Kreuzsäule Bernwards, nach dem Vorbild römischer Triumphsäulen mit spiraligem Reliefband der Wundertaten Christi. Beide Werke waren ursprünglich für St. Michael bestimmt. Aus Bernwards Zeit stammt ferner die »Goldene Madonna«, ein Holzkruzifix in Ringelheim und der Steinsarkophag des Heiligen. - Besonderes Interesse Bernwards galt der Goldschmiedekunst (Patron); das Bernward-Kreuz im Domschatz ist nicht identisch mit der bei Thangmar erwähnten Theca für eine Kreuzreliquie.
Einzigartig mehrere Silbergüsse:
Leuchterpaar, Abtskrümme und Kruzifix, ausdrücklich als Werk
Bernwards bezeichnet. - Aus dem von Bernward geförderten Hildesheimer Skriptorium sind mehrere Handschriften erhalten, Nr. 19 und 33 von Guntbald illuminiert, Hs. 61 ist eine seltene ottonische Vollbibel. Hauptwerk das »Kostbare Evangeliar« (Hs. 18), mit zahlreichen Miniaturen. Der Einband trägt byzantinisches Elfenbeinrelief, wie auch die spätkarolingische Handschrift 13, deren Deckel von Bernward mit seinem Monogramm in Braunfirnis versehen wurde. - Die bernwardinische Kunst läßt Beziehungen zu verschiedenen Kunstkreisen der Zeit (Lothringen, Corvey, Fulda, Regensburg) und darüber hinaus römische und byzantinische Einflüsse erkennen.
V. H. Elbern

Quellen:
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Vita Bernwardi, hg. G.H. Pertz, MGH SS IV, 754-782 [dt. Übers. H. Kallfelz, AusgQ 22, 1973, 272-361, mit Einl. und Lit., 265-271] - Hist. canonizationis et translationis S. Bernwardi ep., AASS Oct. XI, 1024-1034 [Krit. Neuausg. der erzählenden Q. zu B. vorber. v. H.J. Schuffels] - UB des Hochstiftes Hildesheim I, hg. K. Janicke, 1896.

Literatur:
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NDB II, 143f. - LThK II, 260f - BWbDG I, 255ff. - R. Wenskus, Sächsischer Stammes- und fränkischer Reichsadel, 1976.


www.bautz.de         Band I (1990)Spalten 545-546 Autor: Friedrich Wilhelm Bautz
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BERNWARD, Bischof von Hildesheim, Heiliger
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* etwa 950, 20.11.1022 in Hildesheim

Bernward stammte aus sächsischem Adels-Geschlecht und erhielt in der Domschule zu Hildesheim durch Thangmar, seinen späteren Biographen, eine treffliche Ausbildung in der Wissenschaft und Kunst. Erzbischof Willigis weihte ihn in Mainz zum Diakonen und Priester.
Bernward
wurde 987 Hofkaplan, und 988 betraute ihn Theophano, die Witwe OTTOS II., mit der Erziehung OTTOS III., ihres damals achtjährigen Sohnes. Am 15.1. 993 weihte Willigis Bernward zum Bischof von Hildesheim.
1000/01 begleitete
Bernward OTTO III. auf seinem Zug nach Italien und bewährte sich im Kampf gegen den römischen Aufstand. Auch beteiligte er sich 1006/07 an dem Feldzug HEINRICHS II. nach Flandern. 1001 verteidigte Bernward auf der von Silvester II. einberufenen Synode die Rechte seines Bistums auf das von Mainz beanspruchte Kloster Gandersheim. Der lange Streit zwischen Mainz und Hildesheim um die Sprengelzugehörigkeit von Gandersheim wurde aber erst 1028 endgültig zugunsten des Bistums Hildesheim entschieden und endete 1030 mit dem Verzicht des Mainzer Erzbischofs Aribo auf Gandersheim. Gegen Einfälle der Normannen und Slawen sicherte Bernward sein Bistum durch Anlage von Befestigungen und Bau einer Stadtmauer und mehrerer Burgen im Lande. Er förderte die cluniazensische Klosterreform (siehe Odolo von Cluni), gründete das Benediktinerkloster St. Michael in Hildesheim und baute die dortige Michaeliskirche, eins der edelsten früh-romanischen Bauwerke Sachsens. Die Baukunst, Erzgießerei, Goldschmiedekunst und Malerei verdankten ihm ihre Blütezeit. Wenige Wochen nach der Einweihung der Michaeliskirche starb Bernward Coelestin III. sprach ihn am 8.1. 1193 heilig. - Fest: 20. November; in der Diözese Hildesheim am Mittwoch vor dem vorletzten Sonntag des Kirchenjahres.

Literatur:
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Thangmari Vita Bernwardi, episcopi Hildesheimensis, ed. Georg Heinrich Pertz, in: MG SS IV, 754 ff.; dt. v. Bernhard Gerlach, in: Unsere Diözese in Vergangenheit u. Gegenw. 15, 1941, H. 1/2; - H. A. Lüntzel, Der hl. B. v. H., 1856; - Ders., Gesch. der Diöcese u. Stadt Hildesheim I, 1858, 129 ff.; - Wilhelm Sommerwerck, Der hl. B. v. H., 1885;- Stephan Beißel, Des hl. B. Evv.buch im Hildesheimer Dom, 1891; - Ders., Der hl. B. v. H. als Künstler und Förderer der dt. Kunst, 1895; - K. Janicke, UB des Hochstifts Hildesheim u. seiner Bisch. I, 1896; - Adolf Bertram, Die Bisch. v. Hildesheim, 1896; - Ders., Gesch. des Bist. Hildesheim I, 1899, 60 ff.; - J. R. Dietrich, Über Thangmars Vita Bernwardi, in: NA 25, 1900, 425 ff.; - Franz Dibelius, Die B.tür zu Hildesheim, 1907; - Victor Kurt Habicht, Des hl. B. v. H. Kunstwerke, 1922; - Adolph Goldschmidt, Die dt. Bronzetüren des frühen MA, 1926; - Siegfried Heinrich Steinberg, Die ältesten Bildnisse B.s u. Godehards, in: AKultG 17, 1927; - K. Flügge u. a., Die bernwardin. Kunst. Bisch. B. u. seine Werke, 1937; - Herbert v. Einem, Zur Hildesheimer Bronzetür, in: Jb. der preuß. Kunstsmlg.en 59, 1938, 1 ff.; - Wattenbach-Holtzmann I, 58 ff.; - Werner Haftmann, Die B.säule, in: Zschr. f. Kunstgesch. 8, 1939, 151 ff.; - Emil Masuhr, B.tür u. -säule in Hildesheim im Wandel dt. Kunstanschauung. Ein Btr. z. Wirkungsgesch. ma. Kunst (Diss. Königsberg), 1940; - F. J. Tschan, Saint B. of H., 3 Bde., Notre Dame (Ind.) 1942-52; - Braun, TA 136; - Hans Jantzen, Otton. Kunst, 1947; - Roswitha Hespe, Die B.säule zu Hildesheim (Diss. Bonn 1950), 1949; - Hans Goetting, Gandersheim u. Rom, in: JGNKG 51, 1953, 36 ff.; - Hartwig Beseler u. Hans Roggenkamp, Die Michseliskirche in Hildesheim, 1954; - Jörg Erb, Die Wolke der Zeugen I³, 1954, 163 ff.; - Ders., Geduld u. Glaube der Hll., 1965, 392; - Rudolf Wesenberg, Bernwardin. Plastik. Zur Otton. Kunst unter Bisch. B. v. H., 1955; - Wolfram v. den Steinen, B. v. H. über sich selbst, in: DA 12, 1956, 338 ff.; - Walter Pilz, B. Bisch. u. Künstler, 1962; - ADB II, 505 f.; - NDB II, 143 f.; - RE II, 643; XXIII, 189; - EKL I, 406; - RGG I, 1069; - LM I, 734 ff.; - LThK II, 260 f.; - DHGE VIII, 864 f.; - EC II, 1458; - Schütte 75; - Wimmer³ 154 f.; - Torsy 84; - Biogr. Wb. z. dt. Gesch., 1952, 65 f.; - Maria Kreitner, Hll. um uns, Wien 1956, 55 f.; - Wulf Schadendorf, Die B.tür in Hildesheim, 1956; - Hans Hümmeler, Helden u. Hll., 1959 (501-510. Tsd.), 498 ff.; - Wilhelm Hünermann, Der endlose Chor. Ein Buch v. den Hll. f. das christl. Haus, 1960, 621 ff.; - B. u. Godehard v. Hildesheim. Ihr Leben u. Wirken, hrsg. v. Konrad Algermissen, 1960; - Richard Drögereit, Bisch. B. v. H., in: JGNKG 58, 1960, 5 ff.; - Renate Neumüllers-Klauser, B. v. H., in: Die Hll. in ihrer Zeit, hrsg. v. Peter Manns, I, 1966², 504 ff.

Friedrich Wilhelm Bautz

Literaturnachtrag:

1984

Johannes Laudage, Priesterbild und Reformpapsttum im 11. Jahrhundert, Köln/Wien 1984, 94-104; -

2003

Bernhard Bruns, Die zwei-eine Kirche aus Juden u. Heiden. Die Ekklesiologie d. hl. B. im Licht d. lat. Patristik, in: Augustiniana 53.2003, S. 159-264.

Letzte Änderung: 13.09.2009


Althoff Gerd: Seite 334
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                    B 166
 

Lü:   20.11. Bernwardi epi Hildesemensis XII lect(iones)  1022

Bernward ist ins Lüneburger Necrolog als Heiliger eingetragen.
Er entstammte dem sächsischen Adel und war Enkel des Pfalzgrafen Adalbero.
1002 unterstützte er zusammen mit Herzog Bernhard I. von Sachsen die Thronkandidatur des Markgrafen Ekkehard von Meißen; siehe dazu ausführlich oben Seite 106.
Zu seiner Bedeutung als Reichsbischof und Förderer der Kunst vgl. Bertram, Hildesheim, Seite 60-88.
Allg. s. NDB 2, Seite 143f.; LThK 2, Spalte 260f.; Biogr. Wörterbuch 1, Spalte 225f.


Schwennicke Detlev: Tafel 146
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

BERNWARD
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Hildesheim 20. VI 1022

Begraben: ibidem St. Michael

um 1192 kanonisiert, 987 königlicher Hofkapellan
993/1022 Bischof von Hildesheim


Bernward erfreute sich als Kind der großen Liebe seines Großvaters Adalbero. Er wurde bei ihm aufgezogen und blieb bis zu dessen Tode bei ihm. Unmittelbar nach seines Großvaters Tode begab sich Bernward an den königlichen Hof, wo er Lehrer des jungen OTTO III. wurde. Schon aus dieser Stellung geht hervor, daß das Ansehen der Familie am Hof sehr groß war. Bernward war 984 bei der Versammlung der sächsischen Großen auf der Asselburg anwesend. Bischof Bernward erhielt von OTTO III. den Auftrag, die Feste Mundberg zu errichten. Zum Schutz der Nordgrenze gegen Überfälle normannischer Seeräuber ließ er zwei Burgen anlegen.

Trillmich Werner: Seite 69
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"Kaiser Konrad II. und seine Zeit"

Der fromme, wissenschaftlich und künstlerisch hochgebildete, diplomatisch gewandte, in Wirtschaft, Verwaltung und Kriegswesen erfahrene Bischof Bernward (993-1022) aus der Sippe der sächsischen Pfalzgrafen hatte sich als Hofkapellan, Erzieher und Berater OTTOS III. hervorgetan. Sein Bistum sicherte er sorgfältig durch Burgbauten gegen slawische Einfälle. Als Entschädigung für diese beträchtlichen Aufwendungen verlieh ihm der Kaiser die Grafschaft Ostfalengau. Bernward rühmte sich, mehr als 30 Höfe erworben zu haben. Hildesheims Domschule galt als hervorragend. Zu ihren Zöglingen gehörten HEINRICH II., Meinwerk von Paderborn und Ekkehard von Schleswig. Die doppelchörige Kirche des von Bernward gestifteten Hildesheimer Michaelis-Klosters, an deren Errichtung Kölner Mönche aus St. Pantaleon mitwirkten, wurde durch ihr theologisches Programm und die Besonderheit des "niedersächsischen Stützenwechsels" vorbildlich für die frühromanische Baukunst. In den Werkstätten der Domburg entstanden großartige Werke der Goldschmiede, Bildschnitzer und Buchmaler. Bronzegießer schufen aus Erzen der Harzberge in neuartiger Technik Türflügel, eine Triumphsäule Christi, Kleinplastiken und Kirchengerät von erlesener Qualität.

Eickhoff Ekkehard:
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"Theophanu und der König"

Für die Erziehung OTTOS III. wurde ein Lehrer berufen, der ihn zunächst ins Latein und in die Geisteswelt seiner Zeit einführen sollte. Es war ein von Erzbischof Willigis geförderter Geistlicher, der in der Hofkapelle gedient hatte und höchsten Ansprüchen genügte:
Bernward
, der Sohn des Pfalzgrafen Dietrich. Durch seine Mutter Fritherun war er Neffe des Bischofs Folkmar von Utrecht und Enkel des Pfalzgrafen Adalbero von Sachsen. Sein Onkel Folkmar, damals noch Hildesheimer Kanoniker, hatte ihn dort in die hochangesehene Domschule gebracht, wo seine reichen Gaben früh entdeckt und sorgfältig gefördert wurden. Dieser Bernward war mehr als ein Stubenscholaster. Er war aus begütertem hochadligen Hause, den IMMEDINGERN. Beide Großväter waren Pfalzgrafen in Sachsen gewesen, der auf der Mutter Seite mit dem heiligen Ulrich von Augsburg verwandt. Kindern aus solchen Familien standen viele Wege offen:
Sein Bruder war Graf im Hessengau, später einer der Heerführer OTTOS III. in Italien; Bernwards Schwester wurde Äbtissin in Ringelheim. Der wissensdurstige junge Mann ging an die Domschulen von Utrecht und Mainz. Aber dann wandte er sich weltlichen Aufgaben zu, diente als Gehilfe und Ratgeber seines Großvaters, dem Pfalzgrafen Adalbero, und übernahm die Verwaltung von dessen Gütern, obwohl der Bischof von Utrecht, Bernwards Oheim, ihn gern zum Abt von Deventer gemacht hätte. Erzbischof Willigis holte ihn an den Hof OTTOS II., und von ihm empfing er die Priesterweihe. Wie Graf Hoiko war auch Bernward seinerzeit auf der Asselburg, um den Widerstand gegen die Usurpation des Zänkers zusammenzufassen - "Graf und Priester", so nennt ihn, ganz ungewöhnlich, des Chronisten Bericht von diesem entscheidenden Treffen. Inzwischen war Folkmar im Jahr 975 Kanzler in der Kapelle OTTOS II. geworden und holte seinen Neffen zum Hof. Dieser Weg von der Hildesheimer Domkirche bis zum Königsdienst war alles andere als ungewöhnlich. Hildesheim war das Bistum der angestammten Heimat der LIUDOLFINGER, und Dutzende seiner Domherren wurden nacheinander Mitglied der Hofkapelle, Kanzler und Reichsbischöfe. Bernward wurde hier in die Arcona der reisenden Reichsregierung eingeführt; seit 977 finden wir ihn über 10 Jahre lang im kleinen Kreis der Notare, welche die Königs-Urkunden entwarfen und schrieben. Handwerk und Kunsthandwerk waren ebenso Gegenstand seiner Wißbegierde und Fertigkeiten wie die Texte der Kirchenväter und klassischen Dichter, an denn man sich stilistisch schulte. In seinem breiten Bildungsgang "bezog er... die niederen Künste, die man die mechanischen nennt, in seine Studien ein." Den Süd-Feldzug OTTOS II. hat er bis zu den langobardischen Fürstentümern Unter-Italiens begleitet; er muß dort mit dem Erlebnis der vielgestalteten Politik des italienischen Königreiches in den Hauptstädten Pavia, Ravenna und Rom auch mit einer Fülle geistiger Strömungen in Kontakt gekommen sein. Die Kaiserin konnte in ihn das vollste Vertrauen setzen, denn im Thronstreit hatte Bernward unwandelbar zu ihr und OTTO III. gehalten, während seine einlußreichen Verwandten zumindest schwankten und Folkmar durch die Entlassung des Zänkers aus der Utrechter Haft beim Ausbruch des großen Konflikts einen entscheidenden Schritt zu verantworten hatte. OTTO III. bewahrte dem liebenswürdigen Lehrer, dem er eine mannigfaltige Bildung verdankte, zeitlebens innige Dankbarkeit. Auch als Bischof von Hildesheim genoß Bernward weiter die Wertschätzung als Berater und Helfer, die familiaritas, den ständigen Zutritt, den vertrautesten Umgang mit OTTO III.

Schölkopf Ruth:
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"Die sächsischen Grafen 919-1024"

Der zweite Bischof dieser Familie war der berühmte Bernward von Hildesheim. Er war der Sohn einer nicht namentlich aufgeführten Tochter Adalberos. Sie könnte - der Namensform nach - vielleicht jene Athelburgis comitissa sein, deren Todestag das Hildesheimer Totenbuch, das auch die Todestage der anderen Familien-Mitglieder verzeichnete, am 14. Juni angab. Der Name seines Vaters wurde nirgendwo überliefert. Eine spätere Interpolation der Vita Bernwardi fügte als seinen Vater Pfalzgraf Dietrich von Sommerschenburg ein, wahrscheinlich aus dem Grunde, weil die sächsischen Pfalzgrafen aus dieser Familie stammten und das Amt inzwischen erblich geworden war. Bernward erfreute sich als Kind der großen Liebe seines Großvaters, über den die Vita ausführte: hunc praeclarum adolescentem primis auspiciis pubescentis decoris florentem in affectum filii adoptavit. Bernward wurde bei ihm aufgezogen und blieb bis zu dessen Tode bei ihm. Vielleicht kann man die Todesnachricht eines Bern comes im Fuldaer Totenbuch zum Jahre 982 auf den sächsischen Pfalzgrafen beziehen. Unmittelbar nach seines Großvaters Tode begab sich Bernward an den königlichen Hof, wo er Lehrer des jungen OTTO III. wurde. Schon aus dieser Stellung geht hervor, daß das Ansehen der Familie am Hof sehr groß war. Thietmar bestätigte die Anwesenheit Bernwards bei der Versammlung der sächsischen Großen auf der Asselburg und machte ihn als Bernward comes et clericus kenntlich. Bernward wurde am 15. Januar 993 zum Bischof von Hildesheim ordiniert. Am 20. November 1022 starb er.
Bischof
Bernward erhielt von OTTO III. den Auftrag, die Feste Mundberg contra perfidorum incursiorem ac vastationem Slavorum zu errichten. HEINRICH II. übertrug ihm im Jahre 1013 mercedis causa, copmitatem circumiacentem illud castellum in pago Astvala als Lehn. Über Bernward kam die Grafschaft wohl in den Besitz seines Bruders, der hier noch 1013 als Graf nachweisbar ist.

Wenskus Reinhard:
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"Sächsischer Stammes- und fränkischer Reichsadel"

Bernward rückt jedoch selbst in immedingische Zusammenhänge, was aufs beste dadurch bestätigt wird, daß seine Schwester Judith Äbtissin des immedingischen Haus-Klosters Ringelheim wurde. Die spätere Überlieferung machte Bernward zu einem Sohn des Grafen Dietrich von Sommerschenburg bzw. zu einem Sohn des Markgrafen Dietrich (von Haldensleben). Nun sind die HALDENSLEBENER wahrscheinlich auch immedingischen Stammes und gerade die Tatsache, daß daher eine Tochter Markgraf Dietrichs wie eine Schwester Bernwards Thietburg hieß, mag zu der Kombination geführt haben.
Da jedoch die Besitzkomplexe Bernwards und die des Markgrafen ganz anders gelagert sind, werden wir zwar das Vorkommen des Namens Thietburg für verwandtschaftliche Verbindungen anführen können, doch nicht als Beweis für die Vaterschaft Markgraf Dietrichs gelten lassen. Der Hinweis auf die SOMMERSCHENBURGER, die die GOSECKER 1088 in der Pfalzgrafenwürde ablösten, könnte dagegen ein Indiz dafür sein, daß in Hildesheimer Quellen die den obigen Konstruktionen zugrunde liegen, ein Pfalzgraf als Vater Bernwards genannt wurde. Mit der Annahme, daß Pfalzgraf Dietrich der Vater Bernwards von Hildesheim gewesen sei, erklärt nämlich am zwanglosesten der Übergang der Pfalzgrafenwürde von Adalbero/Bern auf Dietrich, der wohl als Schwieger-Sohn Berns in seine Stellung einrückte.

Algermissen, Konrad Prof. Dr. (Hg.): Seite 18
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"Bernward und Godehard von Hildesheim. Ihr Leben und Wirken."

Wenn sich auch der Name der Mutter Bernwards nicht ermitteln läßt, so kann doch der Name und das Geschlecht seines Vaters aus den zeitgenössischen Urkunden mit Wahrscheinlichkeit festgestellt werden. Als Bernwards Vater ist wohl Graf Eckhard (Eggihardus) II., ein Nachkomme des Grafen Ricdag, des Stifters des Klosters Lamspringe, anzusehen. Eckhard findet sich in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts als Herr auf der Asleburg, westlich des Ortes Burgdorf im Archidiakonat Holle im Norden des alten Ambergaues [3 Ebd., Seite 198 ff.; dazu Stammtafel II und die Chronik Thietmars von Merseburg ( 1018). Der Name des väterlichen Geschlechtes "comes de Sommerschenburg" (Sommerschenburg in der Nähe von Helmstedt) ist in die Thangmarsche Vita erst später eingetragen und trotz der eingehenden Begründung durch Joh. Mich. Kratz "Der Dom zu Hildesheim", 3. Teil (Hildesheim 1840) Seite 2-4, Anmerkung 2, ungeschichtlich anzusehen.]. Doch sind wir hier, ebenso wie bei den Forschungen über Athelbero, weithin auf geschichtliche Kombinationen, nicht auf dokumentarisch feststehende Tatsachen angewiesen, so daß sich wohl von einer historischen Wahrscheinlichkeit, nicht aber von einer geschichtlichen Gewißheit sprechen läßt.

Nach meiner Meinung sind in Wenskus Argumenten einige Probleme ungeklärt:
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1. Wenn Ida von Schwaben die Schwieger-Mutter des Pfalzgrafen Dietrich ist, dann kann Bischof Bernward nicht sein Sohn sein. Die Ehe Idas von Schwaben mit Pfalzgraf Adalbero wäre erst nach dem Tode ihres ersten Gatten Liudolf (
6.9.957) möglich.
2. Fritheruna, die Tochter Adalberos, kann als Tochter Idas von Schwaben erst um 960 geboren sein und scheidet somit als Mutter des Bischofs Bernward aus, der als Erzieher OTTOS III. und Bischof von Hildesheim um 960/65 geboren sein muß.
3. Wenn Pfalzgraf Dietrich der Sohn des Pfalzgrafen Adalbero mit Ida von Schwaben ist, wie R. Schölkopf vermutet, dann kann der Bischof  Bernward nicht Dietrichs Sohn sein.

Die Kombination mit Ida von Schwaben geht nur auf, wenn Fritheruna, die Gemahlin Dietrichs, eine Tochter Adalberos aus einer anderen Ehe wäre. Es spricht eigentlich auch nichts dagegen, daß Dietrich der Sohn des Pfalzgrafen Adalbero war.
 
 
 
 

Literatur:
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