Karl V.                                         Deutscher König (1519-1556)
----------                                        Römischer Kaiser seit 24.2.1530
24.2.150021.9.1558      als K. I. König von Spanien (1506/16-1556)
Gent          San Jeronimo de Yuste Erzherzog von Österreich
                                                    Herzog von Burgund
Begraben: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige  

Ältester Sohn des Königs Philipp I. des Schönen von Kastilien (25.9.1506) aus dem Hause der HABSBURGER und der Königin Johanna I. der Wahnsinnigen von Kastilien-Aragon, Tochter von König Ferdinand II. dem Katholischen von Aragon (23.1.1516) und der Königin Isabella I. von Kastilien (26.11.1504)
Bruder vom Römischen Kaiser
FERDINAND I. ( 25.7.1564), Königin Eleonore von Frankreich (18.2.1558), Königin Isabella von Dänemark (19.1.1526), Königin Maria von Ungarn (18.10.1558), Königin Katharina von Portugal ( 12.2.1578)
Neffe der Generalstatthalterin der Niederlande Margarete von Österreich (30.11.1530), Königin Isabella von Portugal (23.8.1498), Erb-Infant Juan von Kastilien-Aragon (4.10.1497), Königin Maria von Portugal (7.3.1517), Königin Katharina von England (7.1. 1536), Erzbischof Alfons Erzbischof von Saragossa und Valencia ( 1517)
Enkel vom Römischen Kaiser MAXIMILIAN I. (
12.1.1519) und der Maria von Burgund
Ur-Enkel von Herzog Karl dem Kühnen von Burgund (
5.1.1477), vom Römischen Kaiser FRIEDRICH III. (19.8.1493)

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Band III (1992) Spalten 1140-1151 Autor: Urs Leu

KARL V., Kaiser
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* 24.2. 1500 in Gent, 21.9. 1558 in Yuste

Als erster Sohn des Herzogs von Burgund, Philipp I. des Schönen, seinerseits Sohn des 1519 verstorbenen Kaiser MAXIMILIAN I., und Johanna der Wahnsinnigen, dem dritten Kind Ferdinands von Aragon und Isabellas von Kastilien, war KARL V. geradezu prädestiniert die Erbschaft über ein Reich anzutreten, in dem die Sonne nie untergehen sollte. Es umschloß Burgund, die Niederlanden, Österreich, Kastilien mit den dazugehörigen amerikanischen Besitzungen, Aragon mit Neapel und Sizilien, Sardinien sowie die Königreiche Navarra und Granada. - Nach dem Tod seines Vaters, Philipp des Schönen (25.9.1506), wuchs KARL V. elternlos mit seinen Schwestern Eleonore und Isabella am Hof seiner Tante Margarete, Regentin über die Niederlanden, in Mecheln auf. Den größten Einfluß auf den jungen KARL V. übte dabei sein Lehrer, der spätere Papst Hadrian VI. (1522-1523), Adrian von Utrecht aus. Adrian wußte sich dem praktischen Frömmigkeitsideal der »Brüder vom gemeinsamen Leben« (Devotio moderna) verpflichtet und verabscheute jeglichen sturen, religiösen Dogmatismus. Eine Haltung, die auch bei KARL V. während der sich über zwei Dezennien hinschleppenden Verhandlungen mit den Protestanten deutlich zutage trat. Seine politischen Lehrer waren weiter: Wilhelm von Croy, der eine profranzösische Linie vertrat, und in den späteren Jahren (ca. seit 1519) der Großkanzler und Humanist Mercurino Gattinara aus Piemont. Letzterer verfocht in ghibellinischer Tradition Dantes Ideal einer Universal-Monarchie mit Italien als Zentrum, was mit anderen Worten einem antifranzösischen Kurs entsprach. Am 5.1.1515, wenige Tage nach dem Tod Ludwigs XII., wurde KARL V. von den frankophilen burgundischen Ständen für großjährig und regierungsfähig erklärt und als Herzog von Burgund anerkannt. Mit dem Tod Ferdinands des Katholischen wurde die Nachfolge KARLS V. in Kastilien und Aragon aktuell. Er reiste deshalb 1517 nach Spanien, um dort vom achtzigjährigen Vizekönig Kardinal Ximenez de Cisneros als König bestätigt zu werden. Cisneros starb jedoch kurz vorher. Nach zähen Verhandlungen huldigten ihm die Stände Kastiliens endlich am 5.2.1518 in Valladolid und die Stände von Aragon am 16.4.1519 in Barcelona. Am 12.1.1519 starb KARLS V. Großvater, Kaiser MAXIMILIAN I. Aus dem Wahlkampf um die Kaisernachfolge, der unter Franz I., Heinrich VIII., Kurfürst Friedrich dem Weisen von Sachsen und KARL V. ausgetragen wurde, ging KARL V. dank der finanziellen Unterstützung der fuggerschen Großbank (543.585 von 851.918 Gulden) als Sieger hervor. KARL V. wurde am 28.6.1519 zum römischen Kaiser gewählt und am 23.10.1520 in Aachen gekrönt. Der seit dem Italien-Feldzug Karls VIII. (1494) erneut entfachte Konkurrenzkampf um die europäische Hegemonie zwischen den Häusern VALOIS und HABSBURG, erhielt durch die Wahl KARLS V. und die damit verbundene Niederlage Franz I. neuen Auftrieb. Denn für Frankreich hätte die Erringung der Kaiserwürde die rechtliche Sicherung der italienischen Ansprüche, die Bereinigung der burgundischen Frage und schlußendlich die europäische Hegemonie bedeutet. Nach der Wahl zum Kaiser suchte KARL V. sein Reich anhand eines hegemonial-dynastischen Einigungsprogrammes und auf dem Hintergrund einer von Gattinara geprägten sakralen Kaiseridee zu einen. Zu diesem Zweck bediente sich KARL V. einer ausgeklügelten Familien- und Heirats-Politik:
Tante Margarete amtete seit 1507 als Statthalterin der Niederlande;
Tante Katharina war die erste Frau Heinrichs VIII.;
der Bruder FERDINAND heiratete 1521 Anna, die Tochter Ladislaus' von Ungarn und Böhmen;
die Schwester Katharina war dem Neffen Friedrichs des Weisen, Kur-Prinz von Sachsen, versprochen usw.
All den aussichtsreichen und zukunftsträchtigen Bemühungen
KARLS V., eine christlich-europäische Universal-Monarchie nach mittelalterlichem Vorbild zu errichten, liefen die Forderungen nach mehr Autonomie der Comuneros in Spanien und der Reichsfürsten, die sich anbahnende Spaltung der Kirche wie die Aggressionen Frankreichs und der Türken diametral zuwider. Die Intensität dieser zentrifugal-emanzipatorischen Kräfte verdichtete sich bis Mitte des 16. Jahrhunderts derart, daß KARLS V. mittelalterlich-sakrales, dynastisch abgestütztes Kaisertum daran zerbrechen mußte. KARL V. stellte alle seine Kräfte in den Dienst einer Idee, die nicht mehr die Idee seiner Zeit war. Während KARL V. die spanischen Aufstände, insbesondere seit dem Sieg bei Villalar (23.4.1521), wieder in den Griff bekam, bahnte sich in Deutschland mit der Luthersache etwas an, dessen Tragweite er völlig unterschätzte. Zwar sprach KARL V. auf dem Reichstag in Worms (Januar-Mai 1521) über den ketzerischen Augustiner-Mönch die Reichsacht aus, doch investierte er seine Kräfte nicht auf eine radikale Durchsetzung des Edikts von Worms, sondern richtete sein Augenmerk als erstes auf den politischen Kardinalgegner Frankreich, der ihn fortwährend provozierte und hänselte. Dadurch, daß KARL V. von 1521-1529 nicht mehr deutschen Boden betrat, entglitt ihm, ja förderte er die Sache der Reformation, und somit die geistige Aufsplitterung seines Reiches, welcher die politische bald folgen sollte. Bereits im Frühjahr 1521 kam es zu kleinen Scharmützeln zwischen französischen und habsburgischen Streitkräften in Burgund und in Ober-Italien. Ermutigt durch das Einschwenken Papst Leo X. auf die kaiserliche Seite, unternahm KARL V. einen massiven Gegenschlag gegen die Truppen Franz I. in Ober-Italien, der im Sieg bei La Bicocca (24.7.1522) gipfelte. In den folgenden Jahren drohte Franz I. wieder die Oberhand zu gewinnen, bis er schließlich am 25. Geburtstag des Kaisers (24.2.1525) vor Pavia durch die Generäle Frundsberg und Pescara vernichtend geschlagen und von KARL V. gefangengesetzt wurde. Doch zum Frieden kam es dennoch nicht: Franz I. widerrief nach seiner Freilassung den Diktatfrieden von Madrid (14.1.1526), der für KARL V. eine derartige Machtsteigerung in Europa bedeutete, daß auch Papst Clemens VII. und der Herzog von Mailand, Venedig und Florenz für Franz I. Partei ergriffen und sich mit ihm in der Liga von Cognac verbündeten (22.5.1526). Ebenso ereignisreich und entscheidend wie das Jahr 1521 war das Jahr 1526. In diesem Jahr heiratete KARL V. seine stets geliebte Frau Isabella ( 1539), die Infantin von Portugal, welche ihm den Thronfolger Philipp II. (21.5.1527) gebar. Ebenfalls 1526 rückte die türkische Front, nach dem Sieg bei Mohacs (29.8.1526) und der tödlichen Verwundung des kaiserlichen Schwagers König Ludwig II., dem Besitz HABSBURGS näher. Im selben Jahr war KARL V., um sich den Rücken freizuhalten, auf dem Reichstag zu Speyer zu entscheidenden und folgenreichen religionspolitischen Konzessionen gegenüber den Protestanten bereit und stellte erstmals die Einberufung eines Konzils zur Beilegung der immer brennender werdenden Religionsfrage in Aussicht. Nachdem KARL V., nicht zuletzt im Hinblick auf die noch ausstehende Kaiserkrönung durch den Papst, auf eine politisch-militärische Ausschlachtung des »Sacco di Roma« (6.5.1527) verzichtet hatte, sich mit Clemens VII. versöhnt hatte und der vife Genueser Admiral Doria ins Lager des Kaisers übergetreten war, schlug KARL V. die restlichen Truppen der Liga bei Landriano (Juni 1529) und öffnete damit den Weg zu neuen und dauerhafteren Friedensgesprächen. Im Frieden von Barcelona (29.6.1529) garantierte KARL V. dem Papst die Sicherung der mediceischen Dynastie in Florenz, worauf dieser sich bereit erklärte, die habsburgische Hegemonie in Italien und Europa anzuerkennen. Franz I. rang sich seinerseits im Frieden von Cambrai (3.8.1529) dazu durch, die Niederlanden und Italien KARL V. zu überlassen, der in Mailand die Herrschaft der SFORZA wiederhergestellt hatte. Nun stand der Kaiserkrönung nichts mehr im Wege, welche am 24.2.1530 in Bologna vollzogen worden war. Es war dies die letzte Kaiserkrönung durch einen Papst. Nach der Beilegung des Konflikts mit Frankreich und der Aussöhnung mit dem Papst, konzentrierte KARL V. seine Kräfte auf die Beseitigung der inneren und äußeren Feinde der abendländischen Christenheit in Form der Protestanten und der Türken. KARL V. hoffte, nachdem Papst Clemens VII. aus Angst vor einem Wiederaufleben konziliarer Kräfte die Idee eines Universalkonzils verworfen hatte, auf dem Reichstag in Augsburg (Juni 1530) auf der Grundlage der Artikel des Apostolischen Glaubensbekenntnisses mit den Protestanten einen Ausgleich zu finden, ansonsten er sich gezwungen sah, das Wormser Edikt mit Waffengewalt durchzusetzen. KARL V., der ganz im Geist seines Lehrers Adrian von Utrecht einer humanistischen »via media« das Wort redete, stieß aber sowohl seitens Melanchthons wie auch seitens Kardinal Campeggios auf Widerstand und war genötigt, die endgültige Lösung der Religionsfrage mit Hoffnung auf ein Universalkonzil abermals zu vertagen. Auf dem Augsburger Reichstag wurde zudem über die Wahl FERDINANDS zum römischen König verhandelt, was die Opposition der protestantischen Stände zur Folge hatte, welche sich nach der Krönung FERDINANDS (11.1.1531) im Bund von Schmalkalden zusammenschlossen. Auf dem Hintergrund der nicht gebannten Türkengefahr, der Verstimmung Englands hinsichtlich der Ehescheidungsfrage Heinrichs VIII. und der latenten Widerstände seitens des Papstes gegen ein Konzil, konnte es sich KARL V., entgegen seiner ursprünglichen Absicht, nicht erlauben, gegen die Protestanten militärisch vorzugehen. Er schloß mit ihnen deshalb im Nürnberger Anstand (23.7.1532) einen bis zum geplanten Konzil befristeten Religionsfrieden. Dies bot dem Protestantismus Gelgenheit zu weiterer Ausbreitung und Konsolidierung. KARL V. wandte sich nun der Türkengefahr zu. Während er die Verteidigung der kontinentalen Türkenfront gegen Suleiman II. seinem Bruder FERDINAND überließ, konzentrierte er sich auf die Situation im Mittelmeer. Sein Interesse galt insbesondere der seit 1534 mit Frankreich verbündeten Korsarenflotte des in Diensten Suleimans II. stehenden Chaireddin Barbarossa, der im gleichen Jahr Tunis erobert hatte. Nach umsichtigem und überlegtem Planen gelang KARL V. im Juni/Juli 1535 die militärische Rückeroberung des Flottenstützpunktes La Goleta wie die Befreiung von Tunis, was dem Kaiser auf dem Kontinent große Ehren als »Türkensieger« einbrachte. Im Laufe des Jahres 1534 gelang dem evangelischen Landgrafen Philipp von Hessen mit französischer Hilfe die Wiedereinsetzung des inzwischen protestantisch gewordenen, ehedem vertriebenen, Herzogs Ulrich von Württemberg in seine Stammlande. Ebenfalls 1534 wurde der reform- und konzilsfeindliche Alessandro Farnese zum neuen Papst Paul III. gewählt (13.10.1534). Ein knappes Vierteljahr später starb Herzog Francesco Sforza von Mailand (11.1.1535), wodurch die Mailänder Frage wieder akut wurde. Franz I. nahm im April 1536 Piemont ein und plante einen Schulterschluß mit den Türken, was Papst Paul III. veranlaßte, sich mit KARL V., FERDINAND und Venedig in der Türkenliga zu vereinigen (8.2.1538). Dadurch in die Enge getrieben, fand sich der eher labile Franz I. dazu bereit, einen zehnjährigen Waffenstillstand zu unterzeichnen, der den status quo in Italien sanktionierte. KARL V. hoffte, den neuen Papst von seiner Konzilspolitik überzeugen zu können, doch die konfessionellen Fronten verhärteten sich immer mehr. Weder auf den Religionsgesprächen in Hagenau und Worms, noch auf dem Regensburger Reichstag (Januar 1541) gelang eine Annäherung unter den Konfessionen. Der theologisch-politische Widerstand von katholischer Seite sowie Zögern und theologische Überzeugung auf protestantischer Seite ließen KARLS V. Reunionspläne scheitern. Einzig Joachim II. von Brandenburg und den in strafbarer Bigamie lebenden Landgrafen Philipp von Hessen vermochte KARL V. zu neutralisieren. Beiden untersagte er ein Bündnis mit Frankreich und die Aufnahme des aufmüpfigen Herzogs von Cleve in den Schmalkaldischen Bund. Kurz nach dem Regensburger Reichstagsabschied reiste KARL V. im Juli 1541 nach Italien, um zu einem Schlag gegen die neuerdings mit den Türken liierten Barbaresken in Algier auszuholen. Heftige Herbststürme vereitelten jedoch KARLS V. Strafexpedition und ließen ihn seine Hoffnungen auf Waffenruhm und eine maritime Konsolidierung des spanisch-italienischen Herrschaftsbereiches begraben. Franz I. wußte diese Schlappe KARLS V. nicht sogleich auszunutzen und wartete mit einem Angriff auf die Niederlande bis zum Sommer 1542 ab. Der Herzog von Cleve war an einem Anschluß an den Schmalkaldischen Bund interessiert und mobilisierte ebenfalls gegen KARL V., welcher den Papst gegen Frankreich zu gewinnen versuchte. Paul III. jedoch gab sich neutral und verlangte für eine Bundesgenossenschaft das Herzogtum Mailand für seinen Enkel Ottavio Farnese. Enttäuscht zog KARL V. gegen den inzwischen von Franz I. im Stich gelassenen Herzog von Cleve, schlug seine Truppen und diktierte ihm im Vertrag von Venlo den Frieden (7.9.1543). Nach einem Bündnis mit England sicherte sich KARL V. auf dem Reichstag zu Speyer (Februar 1542) Truppenhilfe gegen die wachsende französisch-türkische Bedrohung, wofür er die reichsrechtliche Gleichstellung der Augsburger Konfession bis zum Konzil garantieren mußte. KARL V. stieß darauf von Osten her entlang der Marne gegen Franz I. vor, wobei Heinrich VIII. von Norden her Boulogne belagerte. Bereits am 20.9.1544 erklärte sich Franz I. zum Frieden von Crépy bereit, der ihm einerseits Aussichten auf Mailand eröffnete, andererseits, nach geheimer Absprache, Unterstützung gegen die Protestanten abverlangte. Die Weigerung der Protestanten an einem vom Papst präsidierten Konzil teilzunehmen und das Versprechen Papst Pauls III. zu Hilfeleistungen in einem Protestantenkrieg, veranlaßten KARL V. nun militärisch gegen die Häupter des Schmalkaldischen Bundes vorzugehen. KARL V. wußte sich über die Zusage der Kurwürde den protestantischen Herzog Moritz von Sachsen sowie die Bayern zu verpflichten. Um schwankende Protestanten nicht vor den Kopf zu stoßen, legitimierte KARL V. seinen Angriff auf die Schmalkaldener mit der Ächtung Kur-Sachsens und Hessens wegen ihres um Jahre zurückliegenden Überfalls auf das katholische Braunschweig. Nach neunmonatigen kriegerischen Konfrontationen errang KARL V. mit massiver Unterstützung durch Moritz von Sachsen den endgültigen Sieg bei Mühlberg an der Elbe (24.4.1547), welcher die Gefangennahme Kurfürst Johann Friedrichs von Sachsen und Philipps von Hessen mit sich brachte. Mit dem Sieg über die Schmalkaldener und dem ebenfalls 1547 zustande gekommenen Friedensabkommen mit den Türken war KARL V. auf dem Höhepunkt seiner Machtentfaltung im Reich und in Europa angelangt. Doch bereits der folgende »geharnischte« Reichstag in Augsburg 1547/48 wies KARL V. wieder in seine Schranken. KARL V. versuchte nämlich das Reichsregiment durch einen vom Kaiser geleiteten Reichsbund abzulösen und die Entwicklung des Reiches auf eine absolutistische Monarchie hinzulenken, was auf heftige Opposition der Reichsfürsten stieß. Auch hinsichtlich der immer noch hängigen Religionsfrage kam KARL V. nicht zum Ziel und mußte sich wiederum mit einer Interims-Lösung abfinden, da das am 13.12.1545 nach Trient einberufene Konzil am 11.3.1547 vom Papst nach Bologna, also auf kirchenstaatliches Territorium, überführt wurde, weshalb es sich für die Protestanten noch unattraktiver als bisher ausnahm. Das Konzil war zu einer rein katholischen Angelegenheit geworden und blieb es auch. Die Jahre 1547/48 stellen gleichsam die Peripherie im Verlauf von KARLS V. europäischer Hegemonial-Politik dar. Die Jahre 1548-1556 waren von einem wachsenden Widerstand gegen den Kaiser im Reich und in Europa geprägt und leiteten den Niedergang seiner Herrschaft ein. Dabei beschleunigte die eher unglückliche Nachfolgeregelung im Hause HABSBURG, welche die Rechte der Reichsfürsten arg zurückstutzte, den Zerfallsprozeß deutlich. Denn dadurch, daß auf FERDINAND zunächst Philipp II. und dann FERDINANDS Sohn MAXIMILIAN die Kaiserwürde erlangen sollten, begannen die Kurfürsten, insbesondere Moritz von Sachsen, um die Erhaltung ihrer Stellungen und Rechte zu bangen. Die Tatsache, daß KARL V. die beiden Fürsten Philipp von Hessen und Johann Friedrich von Sachsen immer noch gefangen hielt, steigerte ihren Unmut zusätzlich. Es erstaunt deshalb nicht, daß die protestantische Fürstenopposition unter der Leitung von Kurfürst Moritz von Sachsen Kontakte zu Frankreich aufnahm und sich mit Heinrich II. im Vertrag von Chambord (15.1.1552) gegen KARL V. verbündete. Der erneut mit den Türken im Bund stehende Heinrich II. versprach militärische Hilfe gegen KARL V., verlangte dafür aber die westlich des Rheins gelegenen Städte Metz, Toul und Verdun. Im Frühjahr 1552 stieß Moritz von Sachsen rasch gegen Süd-Deutschland vor, schwenkte im Juni gegen den heerlosen KARL V. in Innsbruck ab und erzwang in den Passauer Verhandlungen von FERDINAND einen vorläufigen Religionsfrieden sowie die Stärkung des Reichsregiments und die Freilassung Philipps von Hessen. Nach einem erfolglosen Rückeroberungsversuch von Metz (September 1552), zog sich KARL V. resigniert nach Brüssel zurück. Abgesehen davon, daß KARLS V. Macht militärisch gebrochen war, sah er sich außerstande, seinem Sohn ein geeintes Erbreich zu hinterlassen. Darüber hinaus war es ihm nicht gelungen, seiner kaiserlichen Aufgabe als Schützer und Erhalter einer geeinten Christenheit gerecht zu werden. Im Gegenteil: Er sah sich dazu gezwungen, das vor drei Jahrzehnten erlassene Edikt von Worms zu widerrufen. Nebst der alten Feindseligkeiten zu Frankreich und den Türken lebten neue zu Rom und dem 1555 neu gewählten spanienfeindlichen Papst Paul IV. wieder auf. Alle diese Faktoren, besonders aber der persönliche Eindruck, im von Gott gestifteten Kaiseramt versagt zu haben, was kausal mit der Unzeitgemäßheit der mittelalterlichen Kaiseridee verknüpft war, veranlaßten KARL V. sukzessive zurückzutreten. So überließ er seinem Bruder FERDINAND den Vorsitz auf dem Augsburger Reichstag von 1555, der in der Religionsfrage eine reichsrechtliche Dauerlösung verabschiedete. Am 25.10.1555 übergab er die Niederlande und am 16.1.1556 die spanischen Königreiche seinem Sohn Philipp II. Wenig später, im Herbst 1556, betraute er FERDINAND mit der »Administratio imperii«, worauf am 14.3.1558 die formale Übertragung des Kaisertitels durch die Kurfürsten in Frankfurt am Main folgte. Seinen Lebensabend beschloß der seit 1528 zunehmend an Gicht leidende KARL V. in seinem Landhaus in Yuste, unweit des Hieronymiten-Klosters, als politischer Beobachter und Berater. Am 21.9.1558 schloß er für immer die Augen.

Werke:
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Nur wenige Neudrucke: Aufzeichnungen des Kaisers K. des Fünften, hrsg. v. Kervyn von Lettenhove, übers. v. L. A. Warnkönig, Leipzig, 1862; Die Instruktion K.s V. für Philipp II. vom 25.10. 1555, dt. Text hrsg. v. Bruno Stübel, in: Archiv für Kunde österr. Geschichtsquellen, Bd. 39, 2. Hälfte, 1848; Neue dt. Gerichtsordnung, die peinliche, Kaiser K.s V. von 1532 »Carolina«, hrsg. v. Gustav Radbruch, Stuttgart 1962; Akten und Briefe: Papiers d'Etat du Cardinal de Granvelle d'après les manuscrits de la bibliothèque de Besançon, hrsg. v. Ch. Weiss, 9 Bde., Paris 1841-1852; Correspondenz des Kaisers K. V., hrsg. v. Karl Lanz, 3 Bde., Leipzig 1844-1846; Ders. (Hrsg.), Staatspapiere zur Gesch. Kaisers K. V., Stuttgart 1845; Ders. (Hrsg.), Actenstücke und Briefe zur Gesch. Kaisers K. V., 1853; Négociations diplomatiques entre la France et l'Austriche, durant les trente premières années du XVIe siècle, hrsg. v. A. G. Le Glay, 2 Bde., 1845; Cartas al Emperador Carlos V., escritas en los anños 1530-1532 por su confesor Garcia de Loaysa, hrsg. v. G. Heine, 1848; Correspondence of the Emperor Charles V. and his ambassadors at the courts of England and France, hrsg. v. W. Bradford, London 1850; Correspondance de Charles - Quint et d'Adrien VI., hrsg. v. M. Gachard, Bruxelles 1859; Dokumente zur Gesch. K.s V., Philipps II. und ihrer Zeit aus span. Archiven, hrsg. v. J. J. von Döllinger, Regensburg 1862; G. de Leva, Storia documentata di Carlo V. in correlazione all' Italia, 5 Bde., 1863-1894; Huit lettres de Charles - Quint à Mendoza, hrsg. v. R. Foulché-Delbose, in: Revue hispanique, 31, 1894; Die Korrespondenz Ferdinands I., hrsg. v. W. Bauer, A. Lacroix, H. Wolfram, Ch. Thomas, 3 Bde., 1912-1977; Die Reichsregisterbücher Kaiser K.s V., hrsg. v. Haus-, Hof- und Staatsarchiv Wien, 2 Bde., Wien und Leipzig, 1913-1930; Historia vite et gestarum per dominum magnum cancellarium (Mercurino Arborio di Gattinara), hrsg. v. C. Bornate, in: Miscellanea di storia italiana, 3, Ser. 17, 1915; Kaiser und Reich unter K. V., Urkunden und Akten im Staatsarchiv Koblenz, hrsg. v. Otto Graf v. Looz-Corswarem, 1964; S. de Madariaga, Charles Quint, 1969; Corpus documental de Carlos V., hrsg. v. M. Férnandez Alvarez, 2 Bde., Salamanca, 1973 ff.; Kaiser K. V. und die Zunftverfassung: ausgewählte Aktenstücke zu den Verfassungsänderungen in den oberdeutschen Reichsstädten, hrsg. v. E. Nanjoks, 1985; Bibliogr. allg.: Schottenloher, nn. 28340-734, 51055-100b, 60795-947; Karl Brandi, Kaiser K. V., Bd. 2, Quellen und Erörterungen, 1941.

Literatur:
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Hausmann, Francesco Petrarcas Briefe an Kaiser K. V. als »Kunstprosa«, in: Der Brief im Zeitalter der Renaissance, hrsg. v. Franz J. Worstbrock, 1983, 60-80; - John M. Headley, The emperor and his chancellor, a study of the imperialchancellery under Gattinara, 1983; - Cremades F. Checa, Carlos V. y la imagen del heroe en el Renacimiento, 1987; - LThK V, 1358-1360; - NDB III, 191-211; - New Catholic Encyclopedia III, 503-506; - RGG III, 1152 f.
Urs Leu

Werkeergänzung:

Das Vermächtnis Kaiser Karls V.: die politischen Testamente. Eingel., übers. u. komm. von Armin Kohnle. Darmstadt 2005.

Literaturergänzung:

Ricardo Evaristo dos Santos, Carlos V. Portugal y Brasil. 2. ed., rev. Madrid 2004; - Alfred Kohler, Karl V., Ferdinand I. und das Königreich Ungarn, in: Kaiser Ferdinand I. E. mitteleurop. Herrscher. Martina Fuchs/Teréz Oborni/Gábor Ujváry (Hgg.). Münster 2055 (=Geschichte in der Epoche Karls V.; 5), S. 3-12; - Alfred Kohler, Karl V. 1500-1558. E. Biographie. München 2005; - Philippe Erlanger, Charles Quint. Paris 2004; - Godofredo Garabito, La formación de un imperio. 2. ed. Barcelona 2001;- Harald Kleinschmidt, Charles V, the world emperor. Stroud 2004.

Letzte Änderung: 19.05.2006


Reifenscheid Richard: Seite 106-115
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„Die Habsburger“

2. KARL I., ERZHERZOG
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* 24.2.1500, 21.9.1558
Gent              San Jeronimo de Yuste

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige

  10.3.1526 in Sevilla
  oo ISABELLA VON PORTUGAL
      * 4.10.1503, 1.5.1539
       Lissabon       Toledo

Grabstätte: Monasterio de San Lorenzo de el Escorial - Pantheon der Könige

Eltern: Manuel I., König von Portugal, und Maria, Infantin von Aragonien, Tochter Ferdinands V., König von Aragonien

Wahlspruch: Plus ultra = Immer weiter

23.1.1516   als Karl I. König von Spanien
28.6.1519   in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen Kaiser gewählt
23.10.1520 in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt durch den Kurfürsten und Erzbischof von Köln Hermann V. Graf von
                   Wied-Runkel

26.10.1520 Bekanntgabe der Einwilligung Papst Leos X. zur Annahme des Titels "Erwählter Römischer Kaiser"
22.2.1530   In Bologna Empfang der "Eisernen Krone"der Langobarden aus den Händen Papst Clemens' VII.
24.2.1530   In Bologna in der Kirche San Petronio zum "Römischen Kaiser" gekrönt durch Papst Clemens VII.
                  Die Krönung Kaiser KARLS V. war die letzte Krönung eines Kaisers des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation durch den Papst.
22.10.1555 Bekanntgabe der Abdankung als Souverän des Ordens vom Goldenen Vlies
25.10.1555 In einem feierlichen Staatsakt in Brüssel gab KARL V. seine Abdankung bekannt.
12.9.1556  Niederlegung der römischen Kaiserwürde zur Verfügung seines Bruders FERDINAND


KARL V. wurde, wie seine Geschwister, nach dem Tode ihres Vaters durch ihre Tante Maragrete in den Niederlanden, überwiegend am Hof zu Mecheln, erzogen. Mit 15 Jahren wurde KARL für volljährig erklärt und begab sich zur Vorbereitung der Regierungsübernahme nach Spanien. Karl von Burgund, seit 1506 Erbe des Königreiches Kastilien und der neuentdeckten amerikanischen Besitzungen, Enkel Ferdinands von Aragon und Isabellas von Kastilien sowie Kaiser MAXIMILIANS I., erbte nach dem Tode Ferdinands II. ( 23.1.1516) Aragon sowie Neapel und Sizilien. Am 28.6.1519 wurde Karl, König von Spanien, Herzog von Burgund, Erzherzog von Österreich, nach dem Tode Kaiser MAXIMILIANS I. ( 12.1.1519) zum deutschen König gewählt. In Auseinandersetzungen mit Franz I. von Frankreich um die Thronfolge wendeten die HABSBURGER 852.000 Gulden zum Stimmenkauf der Kurfürsten auf und KARL willigte in eine Wahlkapitulation ein, die die Gewalt des Kaisers gegenüber den Ständen beschränkte. KARLS V. Politik, gerichtet auf die Erhaltung und Mehrung seiner ererbten Universal-Monarchie, war zu einer Zeit der beginnenden nationalstaatlichen Entwicklung zwangsläufig zum Scheitern verurteilt. Sie stellte in Deutschland keine Alternative zur Politik der Reichsfürsten dar und trug zur weiteren territorialen Zersplitterung bei. KARL war entschiedener Gegner der lutherischen Reformation, weil er mit Hilfe des Papsttums sein Weltreich zusammenhalten wollte. Mit Hilfe des spanischen Adels brach er 1521 bei Villalar die Macht der spanischen Städte. Im Vertrag von Worms (28.4.1521) überließ er seinem BruderFERDINAND Ober- und Nieder-Österreich, Steiermark, Kärnten und Krain; diese Besitzungen wurden im Vertrag von Brüssel (7.2.1522) um Tirol und Württemberg erweitert. Gegen den französischen König Franz I. führte er vier Kriege (1521-1526,1527-1529,1536-1538, 1542-1544), in denen sein Heer den glänzenden Sieg bei Pavia (24.2.1525) erfocht und 1527 Rom erstürmte; Frankreich mußte auf Mailand und die Vorherrschaft in Italien verzichten. Am 24.2.1530 fand die letzte vom Papst vorgenommene Kaiserkrönung in Bologna statt. Er besiegte 1546/47 im Schmalkaldischen Krieg die protestantischen Fürsten; aber der von Frankreich unterstützte Aufstand von 1552 unter Führung des Kurfürsten Moritz von Sachsen beseitigte das kaiserliche Übergewicht und führte zum Augsburger Religionsfrieden von 1555. Darauf dankte KARL 1556 ab und zog sich in das spanische Kloster Yste zurück, in seinen Ländern folgte sein Sohn Philipp II., als Kaiser dagegen sein Bruder FERDINAND I. Zur Abwehr der türkischen Seeräuber in Nord-Afrika hatte KARL Feldzüge gegen Tunis (1535) und Algier (1541) unternommen. Das spanische Kolonialreich erhielt unter seiner Herrschaft den wertvollsten Zuwachs durch die Eroberung Mexikos (1519-1521) und Perus (1532/33).
KARL V. war ein selbstbewußter, von seiner göttlichen Sendung überzeugter Herrscher, der seine ganze Kraft für die Einheit der Christenheit und für die Erhaltung der römischen Kaiseridee als weltliches Oberhaupt der westlichen Christen eingesetzt hat. Wenn  er auch letztlich an der Durchsetzung seiner Ideen gescheitert ist, so darf dennoch nicht übersehen werden, daß er der Ausbreitung des Islams durch die Türken entschieden entgegentrat und die Erneuerung der katholischen Kirche durch das Trienter Konzil, das von ihm initiiert wurde, ermöglichte. Vor allem aber schuf KARL den spanischen Nationalstaat und das spanische Weltreich und begründete damit die spanische Vorherrschaft, auch in der kulturellen Entwicklung, in Europa für das nachfolgende Jahrhundert.
 
 
 
 

10.3.1526
   oo Isabella von Portugal, Tochter des Königs Manuel I.
       4.10.1503 1.5.1539
       Lissabon  Toledo
 
 
 
 

Kinder:

  Philipp II.
  21.5.152713.9.1598

  Maria
  21.6.152826.2.1603
  Madrid      Villa Monte

13.9.1548
   oo Maximilian II. König des Deutschen Reiches
       31.7.1527 12.10.1576

  Ferdinand
  15301530
  Bologna Bologna

  Johanna
  26.6.1537 7.9.1573
  Madrid      Escorial

7.12.1552
   oo Johann Infant von Portugal
      3.6.1537 2.1.1554
      Evora      Lissabon

  Juan
  20.4.153920.4.1539
  Toledo      Toledo

Illegitim

  Don Juan d'Austria    von Barbara Blomberg
  24.2.15471.10.1578
  Regensburg Namur

  Margarete von Parma
  28.12.152218./31.1.1586
  Oudenaarde  Ortona

  Theodea        von Ursolina genannt La Bella
    1./2.1523nach 10.1562

  Johanna        von Ursolina genannt La Bella
  15241530
 
 
 
 

Geliebte:

  Herzogin von Aerschot

  Cornelia Annoni aus Mailand

  Dolores Gonzaga

  Johanna van der Gheenst

  Barbara Groen aus Gent

  Barbara Blomberg
 
 
 
 

Literatur:
-----------
Baumann Uwe: Heinrich VIII. mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt Taschenbuch Verlag GmbH 1991 Seite 34,45,50,61, 68,75,76, 79,89,99,101,111,115,121,130 - Bedürftig Friedemann: Taschenlexikon Karl V. Piper Verlag GmbH München 1999 - DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon. Piper Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 - Ehlers Joachim: Die Kapetinger. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 - Ehlers Joachim: Geschichte Frankreichs im Mittelalter. W. Kohlhammer GmbH 1987 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/ Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 - Fraser Antonia: Die sechs Frauen Heinrichs VIII. Claasen Verlag GmbH Hildesheim 1995 Seite 22-474 - Häbler Konrad: Geschichte Spaniens unter den Habsburgern. Friedrich Andreas Perthes Gotha 1907 - Horst, Eberhard: Die spanische Trilogie Isabella-Johanna-Teresa Claasen Verlag GmbH Düsseldorf, 1989 Seite 22,158,167,170,173,179,196,216,224,226-233, 235-241,244,252 - Ferdinandy Michael de: Philipp II. Bechtermünz Verlag Augsburg 1996 - Jurewitz-Freischmidt Sylvia: Die Herrinnen der Loire-Schlösser. Königinnen und Mätressen um den Lilienthron. Casimir Katz Verlag, Gernsbach 1996 Seite 99,146,151,161,165, 173,176,180-184,192,199,209,218-221,223,228,231,239,252,254 - Lavater-Sloman Mary: Elisabeth I. Herrin der Meere, Gustav Lübbe Verlag GmbH Bergisch Gladbach 1988 Seite 14-20,45,92,93,143,155 - Leicht Hans: Isabella von Kastilien. Königin am Vorabend der spanischen Weltmacht. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1994 Seite 42,43,70,154,163,176-178,181,221, 247,251,257,261 - Neale John E. Elisabeth I. Königin von England. Eugen Diederischs Verlag München 1994 Seite 85-455 - Perez Joseph: Ferdinand und Isabella: Spaniens Katholische Könige. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 19,38,110,140,151,154,156,182,193,196, 200,245,247,250, 252,258,283,286,309,312,315,317,353-356 - Ridley Jasper: Heinrich VIII. Eine Biographie. Weltbild Verlag GmbH Augsburg 1995 Seite 29-465 - Schelle, Klaus: Karl der Kühne. Burgund zwischen Lilienbanner und Reichsadler. Magnus Verlag Essen Seite 49,122,227,238 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 9-305 - Treffer Gerd: Franz I. von Frankreich Herrscher und Mäzen Verlag Friedrich Pustet Regensburg 1993 Seite 26-316 -