Hatheburg von Merseburg
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um 876 21.6. nach 909/vor 932/35  

Tochter des "senior" Erwin von Merseburg (vor 909) und der Hiltigard, Nichte von Graf Thietmar (GERONEN) und Cousine von Graf Siegfried I. von Merseburg ( 10.7.937)

Hlawitschka Eduard: Seite 65-66
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"Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I 911-1137"

IV : Hatheburg, 1. Gemahlin König Heinrichs I.

1 : Hatheburg

Thietmar von Merseburg, Chron. lib. I cap. 5, MGH SS rer. Germ. NS 9 Seite 8, berichtet über HEINRICHS I. Jugendzeit:
Interim cuiusdam matronae famam, quae Hatheburch dicebatur, Heinricus comperiens, qualiter eam sibi sociaret, iuvenili exarsit amore ... Internuntios Heinricus quam propere misit, et quamvis hanc esse viduam et sciret velatam, suae tamen ut satis faceret voluntati, eam fide promissa petivit ... Nuptiis ex more peractis, sponsus cum contectali ad Merseburch venit. - Hatheburg war demnach, bevor Heinrich sie heiratete, bereits einmal verheiratet gewesen und hatte als Witwe den Schleier genommen.
Diese Ehe HEINRICHS I. ist - nach Thietmars Erzählabfolge (cap. 5/6) - zwischen 906 und 912 zustande gekommen; durch cap. 6 wird sie sogar erste der Zeit König KONRADS I. zugewiesen, was aber nicht stimmen kann (siehe unten). - Heinrichs Scheidung von Hatheburg und seine 2. Verehelichung - mit Mathilde - hingegen sind bei Thietmar in lib. I cap. 9 (Seite 14) erst in Heinrichs Königszeit gesetzt, was ebenfalls unrichtig ist. Denn dem widerspricht schon die Vita Mathildis antiquior cap. 4 (MGH SS 10 Seite 576, ed. B: SCHÜTTE Seite 116), indem dort zu finden ist, daß HEINRICHS I. Vater, Herzog Otto der Erlauchte (
912), die Brautwerbung um Mathilde durchführen ließ und erst drei Jahre nach dem Abschluß dieser Angelegenheit verstorben sei:
Praefectus vero dux Otto, pater Heinrici, tres post haec vivens annos mortem subiit. Damit ist Heinrichs 2. Ehe auf 909 datiert. Daß sie noch vor dem Tode Herzog Ottos des Erlauchten zustande kam, geht auch aus den Nachrichten über die Geburt OTTOS DES GROSSEN, des ältesten Sohnes HEINRICHS I. und Mathildes, hervor. So wissen wir aus den Primordia coenobii Gandeshem. Hrotsvithas von Gandersheim v. 561-564 (MGH SS rer. Germ. Seite 245) von OTTOS DES GROSSEN Geburt ante dies octo totidem quoque noctes vor dem Tode des Großvaters, das heißt Ottos des Erlauchten (
30.XI.912). Und dies wird auch durch andere Nachrichten bestätigt; vgl. BO nr. 55 c. - Wurde HEINRICHS I. 2. Ehe also im Jahre 909 geschlossen, so muß - da die 1. Ehe zur Zeit der Geburt und Taufe Thankmars, des Sohnes dieser 1. Ehe (vgl. Thietmar, Chron. lib. I cap. 9, MGH SS rer. Germ. NS 9 Seite 14; Widukind, Rer. gest. Saxon. lib. II cap. 9, MGH SS rer. Seite 73), noch bestanden haben muß, weil ja Thankmar den Namen eines Bruders Heinrichs (vgl. Widukind, a.a.O. lib. I cap. 21, Seite 30) erhielt - die 1. Verehelichung HEINRICHS I. doch wohl mindestens schon in die Jahre 906/08 fallen. Eventuell fand sie auch schon einige Jahre früher statt.
Über die Geburts- und Todeszeit Hatheburgs gibt es keine Quellenzeugnisse. W. GLOCKER, Studien Seite 263 vermerkt: "* vielleicht ca. (876)", was sich an der Geburtszeit König HEINRICHS I. orientiert. Zu den Scheidungsgründen - neue Liebe zur schönen und vor allem reichen Mathilde und Vorschieben der Einsicht, mit einer velata habe er keine Ehe eingehen dürfen - vgl. Thietmar, Chron. lib I cap. 9, Seite 14, und G. WAITZ, Jahrbücher Heinrichs I. Seite 15f.; hierzu jedoch skeptisch W. GLOCKER, Studien Seite 9.
Die Nennung einer Hadaburg in einem etwa 932 gefertigten, im Reichenauer Verbrüderungsbuch (pag. 20) überlieferten Nekrologexzerpt, das aus dem Umkreis Markgraf Geros zu stammen scheint, wobei diese Hadaburg - entsprechend der Stellung im rekonstruierbaren kalendarischen Gefüge der Vorlage - zwischen einem 17.X. und 4.XI. verstorben sein muß, erwog G. ALTHOFF, Unerforschte Quellen (III) Seite 99 und 102, auf HEINRICHS I. verstoßene 1. Gemahlin zu beziehen. Das ist freilich unsicher, wenngleich HEINRICHS I. 1. Frau dem weiteren Verwandtenkreis Markgraf Geros angehörte; vgl. dazu bei nr. 3. Andererseits ist jedoch auch eine Hadeburc abbatissa im Merseburger Totenbuch, in das 1017/18 das Totengedenken der Familie der OTTONEN eingegangen ist (vgl. G. ALTHOFF, Adels- und Königsfamilien Seite 156ff.), zum 21.VI. als verstorben verzeichnet (ed. E. DÜMMLER, Seite 236, Sonderausgabe Seite 14; MGH Lib. mem. et necrol. 2 Tafel 7), die wiederum mit einer im Juni verstorbenen Hedepurg einer St. Galler Gedenkliste, welche auf einem um 932/35 gefertigten Nekrologauszug aus dem Umfeld der Familie König HEINRICHS I. beruht, identisch sein dürfte (G. ALTHOFF, Unerkannte Zeugnisse Seite 402). Ist Hatheburg nach der Trennung ihrer Ehe wieder in eine geistliche Frauengemeinschaft zurückgegangen, in der sie schon einmal den Schleier genommen hatte - so vermuten bereits G. WAITZ, Jahrbücher Heinrichs I. Seite 15, und K. A. ECKHARDT, Genealogische Funde Seite 15 -, konnte sie dort wohl auch zur Äbtissinnenwürde gelangen. Während so der 21.VI. als Hatheburgs Todestag wahrscheinlich ist, könnte sich als Todesjahr die Zeit vor 932/35 ergeben. Sicherheit ist freilich nicht zu erlangen.

Althoff Gerd: Seite 350
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"Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung"

                                                   A 40

Me:     21.6.   Hadeburc abb  

Durch die starke Verblassung des Eintrags ist heute nicht mehr zu entscheiden, ob er der Ergänzungsschicht angehört.
Die Identifizierung ist bisher nicht gelungen. Auch in der Abschrift eines ottonischen Familiennecrologs im Verbrüderungsbuch von St. Gallen begegnet vielleicht diese Äbtissin; vgl. Althoff, Unerkannte Zeugnisse vom Totengedenken der Liudolfinger Seite 402.
Es sei angesichts des durchaus nicht häufigen Namens (vgl. auch Schlaug, Die altsächsischen Personennamen, Seite 100) an die erste Gemahlin HEINRICHS I. erinnert, die vor der Eheschließung schon den Schleier genommen hatte und daher wohl auch nach der Trennung wieder in eine geistliche Frauengemeinschaft eingetreten sein wird. Die gleiche Vermutung äußerte auch schon Eckhardt, Genealogische Funde Seite 15.


Schwennicke Detlev: Tafel 10
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"Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1"

HEINRICH I.
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* 876, Memleben 2. VII 936

   906 getrennt 909
  I. oo HATHEBURG
                    

Witwe von N.N.; Tochter von Erwin senior


Thiele, Andreas: Tafel 11
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"Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1"

HEINRICH I. "DER VOGLER"
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* um 876, 936

 906-909
  oo HATHEBURG VON MERSEBURG
                 

Tochter und Erbin des Grafen Erwin


Heinrich von Sachsen heiratete die Witwe Hatheburg, die im Raum Merseburg reich begütert war. Obwohl aus dieser Ehe ein Sohn hervorging, wurde die Ehe später geschieden, weil Heinrich die IMMEDINGERIN Mathilde wegen ihrer Jugendlichkeit und vielleicht wegen ihres noch reicheren Erbes der Hatheburg vorzog. Heirats- und Erbgut der Hatheburg gab Heinrich nicht mehr heraus.

Black-Veldtrup Mechthild: Seite 160-162
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"Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien."

Thietmar schreibt zum Beispiel, dass der spätere König HEINRICH I. zur Ehe mit Hatheburg, der Tochter Graf Erwins von Merseburg, ob huius pulchritudinem et hereditatis divitiarumque utilitatem bewogen worden sei [Dabei handelte es sich um die Hälfte von Merseburg, dessen andere Hälfte ihr Vater behielt.]. Was der Herzogs-Sohn Heinrich im Jahre 906 Gräfin Hatheburg als Dotalgut geschenkt hat, wissen wir nicht, es muß aber dem Wert ihres Heiratsgutes, nämlich einer Hälfte Merseburgs ungefähr entsprochen haben.

Althoff Gerd: Seite 23
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"Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat."

In die Lebenszeit Ottos des Erlauchten fällt auch ein Ereignis, das für die weitere liudolfingische Geschichte bedeutungsvoll werden sollte. Sein jüngerer Sohn Heinrich, der sein Nachfolger wurde, heiratet im Jahre 909 in zweiter Ehe Mathilde, eine Nachfahrin des Sachsen-Herzogs Widukind. Zunächst hatte er Hatheburg, die Erb-Tochter eines um Merseburg begüterten sächsischen Grafen, geehelicht und so die liudolfingischen Besitzungen in ihren Kernlanden vermehrt. Nach Protesten des Bischofs von Halberstadt, der einwandte, daß diese Hatheburg nach einer ersten Ehe bereits Nonne geworden war, schickte Heinrich seine Gemahlin ins Kloster zurück, obgleich er mit ihr bereits einen Sohn Thankmar hatte. Ihr reiches Erbe behielt er dagegen.

Offergeld Thilo: Seite 571,650
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"Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter."

Nach dem vollständigen Sieg der KONRADINER über die BABENBERGER war Zurückhaltung auf liudolfingischer Seite erst recht angeraten. Zwar sahen die LIUDOLFINGER sich gezwungen, vorerst ihre thüringischen und hessischen Pläne zurückzunehmen; in diesen Kontext dürfte auch der Verzicht Ottos auf die Hersfelder Abtswürde gehören. Doch konzentrierten sich im Ausgleich dazu die liudolfingischen Interessen nun offenbar stärker auf sächsische Bereiche:
Ottos Sohn Heinrich trennte sich 909 von seiner ersten Frau Hatheburg, freilich unter Einbehalt ihrer thüringischen Güter, und ging eine neue Eheverbindung mit der IMMERDINGERIN Mathilde ein.

[5 Thankmar, der älteste Sohn HEINRICHS, stammte aus dessen mittlerweile aufgelöster und im nachhinein als illegitim betrachteter Verbindung mit Hatheburg; er war insofern mit einer im rechtlichen, vor allem aber, als 'Resultat' einer nachträglich revidierten Bündnisentscheidung des Königs, mit einem Makel behaftet und deshalb in der Thronfolge entschieden benachteiligt.]
 
 
 
 

  1. oo N.N.
              

    900/07
  2. oo 1. Heinrich Herzog von Sachsen
               8762.7.936
 
 
 
 

Kinder:
2. Ehe

  Thankmar
  um 900/0528.7.936



Chroniken:
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Thietmar von Merseburg: Chronik Wissenschaftliche Buchgemeinschaft Darmstadt 1992 Seite 34 -   

Literatur:
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Althoff Gerd: Adels- und Königsfamilien im Spiegel ihrer Memorialüberlieferung. Studien zum Totengedenken der Billunger und Ottonen. Wilhelm Fink Verlag München 1984, Seite 350 A 40 - Althoff Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat. W. Kohlhammer GmbH Stuttgart Berlin Köln 2000 Seite 23,56,80 - Beumann, Helmut: Die Ottonen. Verlag W. Kohlhammer Stuttgart Berlin Köln, Seite 26,42 - Black-Veldtrup Mechthild: Kaiserin Agnes (1043-1077) Quellenkritische Studien. Böhlau Verlag Köln Weimar Wien 1995 Seite 160-162 - Diwald Helmut: Heinrich der Erste. Die Gründung des Deutschen Reiches. Gustav Lübbe Verlag GmbH, Bergisch Gladbach 1987 - Dümmler Ernst: Geschichte des Ostfränkischen Reiches. Verlag von Duncker und Humblot Berlin 1865 Seite 550,581 - Eckhardt Karl August: Genealogische Funde zur allgemeinen Geschichte. Deutschrechtlicher Instituts-Verlag Witzenhausen 1963 Seite 15 - Glocker Winfrid: Die Verwandten der Ottonen und ihre Bedeutung in der Politik. Böhlau Verlag Köln Wien 1989 Seite 7,9,16,46,58,62,263,268, 270,352 -
Hlawitschka Eduard: Die Ahnen der hochmittelalterlichen deutschen Könige, Kaiser und ihrer Gemahlinnen. Ein kommentiertes Tafelwerk Band I 911-1137 Teil 1 und Teil 2 Hahnsche Buchhandlung Hannover 2006 Seite 33,65-70,77 - Hlawitschka Eduard: Untersuchungen zu den Thronwechseln der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts und zur Adelsgeschichte Süddeutschlands. Zugleich klärende Forschungen um „Kuno von Öhningen“, Jan Thorbecke Verlag Sigmaringen 1987, Seite 26,95,116 - Holtzmann Robert: Geschichte der sächsischen Kaiserzeit. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1971 Seite 71,92,104,114 - Keller, Hagen: Die Ottonen. Verlag C.H. Beck München 2001 Seite 24,26 - Köpke, Rudolf/Dümmler Ernst: Kaiser Otto der Große, Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1962 Seite 15,69 - Laudage, Johannes: Otto der Große. Eine Biographie. Verlag Friedrich Pustet Regensburg 2001 Seite 36,67,82,85,113,124 - Ludat, Herbert: An Elbe und Oder um das Jahr 1000. Skizzen zur Politik des Ottonenreiches und der slavischen Mächte in Mitteleuropa, Böhlau Verlag Weimar 1995 Seite 117 Anm. 144 - Lüdtke Franz: König Heinrich I. Hermann Reinshagen Verlag Berlin 1936 - Offergeld Thilo: Reges pueri. Das Königtum Minderjähriger im frühen Mittelalter. Hahnsche Buchhandlung Hannover 2001 Seite 571,650 - Plischke, Jörg: Die Heiratspolitik der Liudolfinger, Inaugural-Dissertation Universität Greifswald 1909 - Schnith Karl: Frauen des Mittelalters in Lebensbildern. Verlag Styria Graz Wien Köln 1997 Seite 16 - Schulze Hans K.: Das Reich und die Deutschen. Hegemoniales Kaisertum. Ottonen und Salier. Siedler Verlag, Seite 137-139,167,178 - Schwennicke Detlev: Europäische Stammtafeln Neue Folge Band I. 1, Vittorio Klostermann GmbH Frankfurt am Main 1998  Tafel 10 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band I, Teilband 1, R. G. Fischer Verlag Frankfurt/Main 1993 Tafel 11 - Waitz, Georg: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter König Heinrich I., Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1963 Seite 15,208 - Wies Ernst W.: Otto der Große. Kämpfer und Beter. Bechtle Verlag Esslingen 1989 Seite 92 -