Bianca Maria Sforza                      Römische Königin und Kaiserin
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5.4.1472 31.12.1510
Mailand  Innsbruck

Begraben: Innsbruck  

Ältere Tochter des Herzogs Gian Galeazzo von Mailand ( 26.12.1476 ermordet) aus dem Hause SFORZA aus seiner 2. Ehe mit der Bona von Savoyen, Tochter von Herzog Ludwig I. ( 29.1.1465) und der Anna von Zypern
Schwester von Herzog
Gian Galeazzo II. Maria von Mailand (22.10.1494), Markgraf Ermes Sforza von Tortona (1503), Herzogin Anna Sforza von Modena (1497 im Kindbett), Graf Alessandro Sforza von Galliate ( 1523), Graf Carlo Sforza von Magenta ( 1483), Caterina Sforza (28.5.1509), Chiara Sforza ( 1531), Graf Galeazzo Sforza von Melzo (1515), Bischof Ottaviano Sforza von Lodi und Arezzo ( 1541)
Nichte
von Herzog Lodovico il Moro von Mailand (17.5.1508), Herzog Sforza Maria von Bari (1505), Graf Filippo Maria Sforza von Korsika (1492), Octavianus Sforza (1477), Kardinal Ascanio Sforza (28.5.1505), Königin Ippolita Maria Sforza von Neapel (20.8.1486), Markgräfin Elisabeth Sforza von Montferrat ( 1473), Condottiere Tristano Sforza (1477), Condottiere Sforza Secondo (1491), Polidoro Sforza (1475), Giovanni Maria Sforza (1520), Ottaviana Sforza (1520), Giulio Sforza (1495),
Polissena Sforza (
1449)Drusiana Sforza (1474)Luzia Sforza ( nach 1474), Bianca Francesca Sforza (1516), Griselda Sforza (1501), Fiordelisa Sforza (1522), Beatrice Sforza (1494), Bona Francesca Sforza (1498), Herzog Amadeus IX. dem Seligen von Savoyen (16.4.1472), Herzog Philipp II. Ohneland von Savoyen (7.11.1497), Graf Ludwig von Genf ( 8.1482), Graf Janus von Faucigny (22.12.1491), Graf  Jakob von Romont (30.1.1486), Haimon von Savoyen (1440), Jakob von Savoyen ( 20.6.1445), Erzbischof Franz von Auch (6.10.1490), Bischof Peter von Genf (21.10.1458), Bischof Johann Ludwig von Genf (4.7.1482), Königin Charlotte von Frankreich (1.12. 1483), Gräfin Agnes von Longueville (15.3.1509), Gräfin Marie von Luxemburg-St. Pol ( 1475), Markgräfin Margarete von Montferrat (1483)Anna von Savoyen, Johanna von Savoyen ( 1440) 
Enkelin von HerzogFrancesco I. von Mailand ( 8.3.1466) und der Bianca Maria Visconti

Lexikon des Mittelalters: Band II Spalte 37
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1. Bianca Maria Sforza, römische Königin und Kaiserin
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* 5. April 1472 in Mailand, 31. Dezember 1510 in Innsbruck

Begraben: Innsbruck

Tochter des Galeazzo Maria Sforza und der Bona von Savoyen

  oo Kaiser MAXIMILIAN I. seit 1493

Mit zwei Jahren wurde sie mit Philibert (Filiberto) von Savoyen verlobt, der jedoch bereits 1482 starb. Seit 1480 stand Bianca Maria Sforza unter der Vormundschaft ihres Onkels Ludovico il Moro, der sie als Objekt seiner Heirats- und Bündnispolitik betrachtete. Als Bewerber kamen unter anderem in Frage:
Johann, der uneheliche Sohn des Matthias Corvinus, und
Wladislaw II., König von Böhmen und Ungarn.
Schließlich kam nach langen Verhandlungen die Ehe mit dem HABSBURGER MAXIMILIAN, römischer König und Prätendent auf die Kaiserkrone, zustande. Die ausbezahlte Mitgift betrug 300.000 Dukaten, die Aussteuer der Braut an Juwelen, kostbaren Kleidern und Hausrat wurde auf weitere 70.000 Dukaten geschätzt. Dieses Bündnis war für beide Parteien vorteilhaft:
für Ludovico il Moro, der danach strebte, vom Kaiser mit dem Herzogtum Mailand belehnt zu werden, und auch für MAXIMILIAN, der Geldmittel für seine politisch-militärischen Unternehmen benötigte. Die Hochzeitsfeier fand per procuram am 30. November 1493 in Mailand statt, nachdem die Braut auf alle ihre Rechte zugunsten ihres Onkels verzichtet hatte.

MAXIMILIAN
traf mit seiner Gemahlin erst März 1494 in Innsbruck zusammen. Bianca Maria Sforza war anmutig, aber kränklich und vermutlich nicht besonders intelligent; sie hatte keinen politischen Einfluß auf ihren Mann, dem sie keine Kinder schenkte, und der sie sehr oft vernachlässigte. Trotz ihrer Antipathie gegen ihren Onkel unterstützte sie ihn jedoch in gewisser Weise durch die Vermittlung von Nachrichten und durch Ratschläge und bemühte sich, ihm 1499 bis 1500 Militärhilfe gegen die Franzosen zu verschaffen.
G. Soldi Rondinini

Quellen und Literatur:
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 DBI, s. v.
 Arch. di Stato, Milano, Fondo Sforzesco, Potenze sovrane, cart. 1467.


Reifenscheid Richard: Seite 90
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"Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I."

KAISER MAXIMILIAN I.
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* 22.3.1459, 12.1.1519
Wiener Neustadt Wels

Grabstätte: Unter dem Hochaltar der St.-Georgs-Kapelle in der Hofburg Wiener Neustadt, Herzurne im Sarkophag Marias von Burgund

   19.8.1477 in Gent - Schloß Ten Walle
  1. oo MARIA, Herzogin von Burgund
           * 13.12.1457, 27.3.1482
              Brügge         Brügge

Grabstätte: In der Liebfrauenkirche in Brügge/Belgien

Eltern: Karl der Kühne, Herzog von Burgund, und Isabella, Prinzessin von Bourbon, Tochter Karls I., Herzog von Bourbon

   oo 16.3.1494 in Hall in Tirol
  2. oo BIANCA MARIA SFORZA, PRINZESSIN von MAILAND
          * 5.4.1472, 31.12.1510
            Mailand      Innsbruck

Grabstätte: Sigmundgruft in der Stiftskirche in Stams/Tirol

Eltern: Galeazzo Maria Sforza, Herzog von Mailand, und Bona, Prinzessin von Savoyen, Tochter Ludwigs, Herzog von Savoyen


DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon: Seite 66-68
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BIANCA MARIA SFORZA, Kaiserin
* 5.4.1472
31.12.1510
Mailand       Insnbruck

Begraben: Zisterzienser-Kloster Stams/Tirol

zweite Gemahlin des Kaisers MAXIMILIAN I.

Die Tochter des Galeazzo Maria Sforza und der Bona von Savoyen wurde 1480 Vollwaise und lebte unter der Obhut ihres Onkels Ludovico il Moro, der seine usurpierte Herrschaft über Mailand durch Heirat seiner Nichte mit dem Angehörigen einer fürstlichen Familie legitimieren wollte. Nach dem Tod ihres ersten "Bräutigams" Filibert von Savoyen, dem sie bereits im Alter von zwei Jahren versprochen worden war, folgten seit 1484 Eheprojekte mit den Dynastien von Bayern, Ungarn (zuerst Johann, unehelicher Sohn des Matthias Corvinus, dann Wladislav II. von Ungarn und Böhmen), Schottland und Sachsen. 1493 wurden jedoch die Verhandlungen mit den HABSBURGERN erfolgreich abgeschlossen:
im Mailänder Dom wurde die Prinzessin die zweite Ehefrau des römischen Königs MAXIMILIANS I., der am Altar von Markgraf Christoph von Baden vertreten wurde.
Für Lodovico bedeutete diese Verbindung die Legitimierung seiner Herrschaft, für MAXIMILIAN eine Flankendeckung durch Mailand beim geplanten Türken-Krieg und vor allem eine Mitgift von 300.000 Gulden (bei der Investitur Ludovocos mit Mailand sollte dieser weitere 100.000 Gulden bezahlen); die militärischen Unternehmungen MAXIMILIANS 1493/94 wurden tatsächlich zum Großteil mit dieser Mitgift finanziert.
Daß MAXIMILIANdiese Ehe ausschließlich als einen Akt der Staatsräson betrachtete, zeigte er damit, daß er erst im März 1493 seine seit Dezember 1493 in Innsbruck wartende Gemahlin aufsuchte und sich auch in der folgenden Zeit wenig um sie kümmerte. Zwar bezeichnete er sie selbst als nicht weniger schön als seine erste Frau, Maria von Burgund, doch kritisierte er, daß sie dieser geistig unterlegen war. Andere Vorwürfe gegen Bianca Mariawaren Unordentlichkeit und Verschwendungssucht, Formlosigkeit, besonders aber die Einflußnahme ihrer Favoritin Violante Caimi, die ihre Herrin zu hohen Ausgaben verleitete und auch politisch intrigierte, bis sie 1496 auch bei der Herrin in Ungnade fiel.
Diese Schwächen, die von unvoreingenommenen Beobachtern bestätigt werden, standen jedoch in keinem Vergleich zu der rücksichtslosen und demütigenden Behandlung, die Bianca Maria von MAXIMILIAN erfuhr. Trotz der hohen Mitgift lebte sie mit ihrem Hofstaat in beschämender Dürftigkeit, so daß sie zeitweise nicht einmal in der Lage war, Gesandte zu empfangen. Wiederholt wurde sie auf Forderung ihrer Gläubiger in Reichsstädten mitsamt ihrem oft hungernden Gefolge als Pfand festgehalten; einmal (1502) mußte MAXIMILIAN Ablaßtruhen aufsprengen lassen, um seine Gemahlin auslösen zu können. Ihr politischer Einfluß auf MAXIMILIAN war gering.
Obwohl sie ihrem Onkel Ludovico keineswegs liebte, versorgte sie ihn mit Nachrichten und Ratschlägen und setzte sich auch bei ihrem Gemahl für eine militärische Intervention zugunsten Mailands gegen Frankreich ein. Diese Bemühungen waren allem Anschein nach der Grund dafür, daß MAXIMILIAN sie 1500 samt Gefolge aus Augsburg verwies. Sie verließ die Stadt "mit wainetten augen", um in die österreichischen Erblande zu übersiedeln; auch in dem 1501 mit Frankreich geschlossenen Vertrag von Trient nahm MAXIMILIAN keinerlei Rücksicht auf den von den Franzosen gefangengehaltenen Oheim seiner Frau.
Bianca Maria Sforza trat nur einmal kurzfristig politisch in die Öffentlichkeit: Während des Schweizer Krieges 1499 erließ sie das Landesaufgebot und andere Aufrufe und Befehle im Namen ihres Gemahls. Ihr mutiges Ausharren brachte jedoch keine Besserung ihrer Lebensverhältnisse. Seit 1500 wird sie nur mehr in privaten Geschäften genannt. Ihre Todesursache ist unbekannt; ein Zeitzeuge (Grünbeck) vertrat die Meinung, daß Bianca Maria Sforza an der mangelnden Liebe ihres Gemahls so sehr litt, daß sie nach drei Jahren ständiger Abmagerung an der "dörrsucht" verstorben sei. Ihr Nachlaß, darunter das berühmte schwarze Gebetbuch, das um 1470 von niederländischen Künstlern für ihren Vater angefertigt worden war, kam zum Großteil in den Besitz MAXIMILIANS.

Literatur:
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Heidemarie Hochrinner, Bianca Maria Sforza, Dissertation, Graz 1966.

Ihre Mitgift betrug 300.000 Gulden.
 
Hoensch, Jörg K.: Seite 210,216,225,235
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"Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und Mäzen."

Viel versprach er sich von einem Bündnis mit Mailand, dem er durch die Verheiratung seines Sohnes Johann Corvin mit der Schwester des Herzogs Gian Galeazzo Sforza, Bianca Maria, Bestand und Bedeutung geben wollte.
Bei den schwierigen Verhandlungen in Mailand, die am 31. Juli 1485 mit der Bekanntgabe der Verlobung Johanns mit
Bianca Maria Sforza erfolgreich abgeschlossen wurden, ließ Matthias durchblicken, daß er seinen Sohn zum König von Böhmen und Bosnien erheben sowie zum Herzog von Österreich machen wolle. In dem bei der prokuratorischen Eheschließung am 25. November 1487 vereinbarten Vertrag über die Mitgift wurden als Sicherheiten neben dem riesigen Landbesitz des Prinzen zudem die Einkünfte aus mehreren ungarischen Komitaten und Naturralleistungen aus Österreich genannt.
Nachdem Königin Beatrix die Vermählung ihres Stief-Sohnes nicht hatte verhindern können, wußte sie mit großem Geschick die Reise seiner Angetrauten nach Ungarn und damit den Vollzug der Ehe immer wieder hinauszuschieben [56 Matthias lud erstmals am 29. September 1488 zur bevorstehenden Hochzeit seines Sohnes nach Wien ein. Nehring: Quellen, Nr. 200, Seite 118. Nach Bonfini, Dec. IV. IV, Lib. VIII, Seite 340/Seite 160, bat Matthias 1489 die Familie SFORZA, die eigentliche Eheschließung um ein Jahr zu verschieben, weil er gerade in sehr schwierigen Angelegenheiten verwickelt sei. Ein schriftliches Versprechen, daß Johann erst König sein müsse, bevor die Ehe vollzogen werden könne, ist nicht aufgefunden worden.], weil ein Enkel ihrem ehrgeizigen Vorhaben geschadet hätte.
Wegen der wiederholten Verschiebung des Reisetermins von Bianca Maria Sforza nach Ungarn unterstellte der Mailänder Gesandte Maffeo Triviliensis dem König, eine päpstliche Annullierung ihrer durch Stellvertreter geschlossenen Ehe mit Johann Corvin anzustreben. Auch Königin Beatrix wäre angesichts des sich ständig verschlechternden Gesundheitszustand ihres Gemahls eine Verschiebung des Vollzugs oder eine Auflösung der Ehe gelegen gekommen. Sie selbst dürfte die Initiative eingeleitet haben, den seit sieben Jahren verwitweten MAXIMILIAN mit einer Prinzessin aus ihrer aragonesischen Verwandtschaft - entweder mit ihrer jüngsten Schwester Giovanna oder mit ihrer Nichte Isabella von Ferrara zu verehelichen. MAXIMILIAN soll Matthias allerdings nur eine seiner außerehelichen Töchter, Anna, als Braut für dessen Sohn Johann angeboten haben, worauf der Ungarn-König das Heiratsprojekt nicht weiterverfolgte.

Tamussino Ursula: Seite 46-49,82,193
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"Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance."

Von Wien begab sich MAXIMILIAN gegen Ende des Winters nach Insbruck. Er hatte sich wiedervemählt, und seine Gemahlin Bianca Maria Sforza wartete seit zehn Wochen so gekränkt wie ungeduldig auf ihren Gemahl. Die Heiratsverhandlungen, die der Römische König im geheimen schon zu Lebzeiten seines Vaters geführt hatte, kamen erst nach dessen Tod zum Abschluß. FRIEDRICH III. hätte einer Ehe seines Sohnes mit der Enkelin eines "welschen Schusters" wohl nie zugestimmt, auch die Reichsfürsten rümpften die Nasen ob der Mesalliance. Der Condottiere Francesco Sforza hatte sich mit kühnem Zugriff des alten Reichslehens Mailand bemächtigt und das Herzogtum gegen die Erbansprüche der Könige von Frankreich und Neapel behauptet. Zur Zeit regierte Lodovico Il Moro für seinen kränklichen Neffen Gian Galeazzo und wünschte nichts sehnlicher, als die Stellung seiner fragwürdigen Dynastie durch den Empfang der kaiserlichen Investitur zu festigen. Als Gegenleistung bot er seine junge Nichte Bianca Maria und eine märchenhafte Mitgift, die den Ausschlag gab. Am 20. November 1493
feierte Lodovico die Vermählung Bianca Marias mit dem Römischen König per procuram mit höchster Prachtentfaltung im Mailänder Dom.
Erst am 9. März 1494 traf MAXIMILIAN in Hall in Tirol mit seiner Braut zusammen, und ihr Ehebund wurde in der alten Kapelle von Burg Hasegg noch einmal feierlich gesegnet. Am 16. März hielt man zu Innsbruck "gemeinsamen Kirchgang unter der Krone". Die Ehe hielt nicht, was MAXIMILIAN und wohl auch was Bianca Maria sich von ihr versprochen hatten. Die enormen Mitgiftsummen waren bald verbraucht, und Zärtlichkeit oder gar Liebe konnte der Römische König für die nicht unhübsche, aber wenig kluge und ständig kränkelnde Italienerin, die überdies seine Hoffnung auf weitere Nachkommenschaft nicht erfüllte, niemals empfinden. Schon bald vernachlässigte er sie und kehrte zu seinen "Schlafweibern" zurück, nicht etwa Dirnen, sondern Damen von Stand, die ihm im Laufe der Jahre zahlreiche Kinder schenkten.
Bianca Maria war zu einer bedauernswerten Existenz in Einsamkeit und Bedeutungslosigkeit verurteilt und tröstete sich mit "Schmuck, Essen und Religion", wie der Mailänder Gesandte spöttisch berichtete. MAXIMILIAN, der ritterliche Kavalier, dessen hoher Anstand gegenüber der Damenwelt zeit seines Lebens gerühmt wurde, ließ diesen bei seiner zweiten Gemahlin weitgehend vermissen. Als sie 1510 starb und im Tiroler Kloster Stams begraben wurde, erschien er nicht einmal zum Begräbnis.

Vogt-Lüerssen, Maike: Seite 57,62,167
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"Die Sforza II. Caterina Sforza. Tochter einer Krieger-Dynastie."


Im Jahr 1472, als man bereits die Verlobung seines zwei- oder dreijährigen Sohnes Gian Galeazzo II. Maria mit der ein- oder zweijährigen neapolitanischen Prinzessin Isabella, der einzigen Tochter seiner Schwester Ippolita Maria, verkündete, wurde Galeazzo Maria am 5. April Vater seiner ersten legitimen Tochter. Die neugeborene mailändische Prinzessin erhielt den Namen ihrer berühmten Großmutter Bianca Maria.
Im Dezember 1473 fand im mailändischen Herzogs-Haus die nächste Kinder-Hochzeit statt. In diesem Fall wurde die kleine mailändische Prinzessin Bianca Maria, die gerade 20 Monate zählte, mit dem achtjährigen Philibert I., dem Herzog von Savoyen und ältesten Sohn und Nachfolger des bereits verstorbenen Herzogs Amadeus IX. von Savoyen (
1472) und von Yolanda von Frankreich ( 1478), verheiratet. Zu diesem Anlass fanden sich ungefähr 150 Angehörige des savoyischen Hofes und des savoyischen Adels am 31. Dezember in Mailand ein. Die Hochzeitszeremonie wurde am 6. Januar 1474 bei Sonnenuntergang zelebriert. Philibert I. starb bereits im Alter von 17 Jahren im Jahre 1482.
Bianca Maria Sforza, die seit ihrer Heirat nun Kaiserin des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation war, hatte weder äußerlich noch charakterlich mit ihrer Halb-Schwester Caterina etwas gemeinsam. Dieser dunkelhaarigen mailändischen Prinzessin fehlte es nämlich völlig an Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und Duchsetzungsvermögen. Während ihre hübsche, blonde Halb-Schwetser Caterina ein Kind nach dem anderen auf die Welt brachte, zog Bianca Maria sich schon bald nach der Heirat durch ihren kaiserlichen Gatten die Syphilis zu, die sie unfruchtbar werden ließ. Und während ihre ältere Halb-Schwester bis zu ihrem Tod gegen alle Widerwärtigkeiten mit Entschlossenheit und Trotz kämpfen sollte, fügte sich Bianca Maria schließlich ihrem traurigen Los, dass ihr Gatte mit ihr nichts mehr zu tun haben wollte. Allein und zurückgezogen starb sie als letztes legitimes Kind des mailändischen Herzogs Galeazzo Maria Sforza am 31. Dezember 1510.

Vogt-Lüerssen, Maike: Seite 124-129,265
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"Die Sforza III. Isabella von Aragon und ihr Hofmaler Leonardo da Vinci."

Deshalb konzentrierte Lodovico seine Bemühungen auf MAXIMILIAN I., der schließlich zu seinen Vorschlägen bezüglich einer Heirat mit seiner Nichte Bianca Maria, die die enorme Mitgift von 400.000 Dukaten erhalten sollte, und zu seiner kaiserlichen Belehnung mit dem Herzogtum von Mailand in einem Schreiben vom Juni 1493 Stellung nahm.
Von ihren Zeitgenossen wurde Bianca Maria, die ältere Schwester des mailändischen Herzogs und Schwägerin und Cousine von Isabella von Aragon, als nicht besonders intelligent, stets verspielt und sehr oberflächlich bezeichnet. Sie hatte langes dunkelblondes Haar und hellbraune Augen und wies eine große, schlanke Figur auf. Das Licht der Welt hatte sie am 5. April 1472 als drittes legitimes Kind des mailändischen Herzogs Galeazzo Maria Sforza und seiner Gattein Bona von Savoyen erblickt. Im Alter von 21 Monaten war sie am 6. Januar 1474 mit ihrem achtjährigen Cousin Philibert I., dem ältesten Sohn des Herzogs Amadeus IX. von Savoyen, verlobt worden. Zu einer Heirat zwischen den beiden kam es jedoch nicht, da Philibert bereits am 22. April 1482 verstarb. Als nächster Bräutigam war für Bianca Maria der Sohn des ungarischen Königs Matthias Corvinus, Johann Corvinus, gewählt worden. Da es diesem aber nach dem Tode seines Vaters im Jahr 1490 nicht gelang, der nächste König von Ungarn zu werden, kam er als Gatte für Bianca Maria nicht mehr in Betracht. Im März 1492 war schließlich eine Heirat zwischen Bianca Maria und dem schottischen König Jakob IV. im Gespräch. Doch zu einer Eheschließung kam es auch in diesem Fall nicht. Im September 14923 hatte sich bereits auch MAXIMILIAN I. für Lodovicos Nichte interessiert.
Bianca Maria hatte wie ihre drei  Geschwister nach der Ermordung ihres Vaters im Jahr 1475 zuerst bei ihrer Mutter im Schloss von Abbiategrasso gelebt. Als Lodovico il Moro im Jahr 1479 der wahre Herr über Mailand wurde, hatte sie wie ihre beiden Brüder Gian Galeazzzo II. Maria und Ermes Maria bei ihrem Onkel im Castello Sforzesco zu wohnen. Bianca Maria und ihre Brüder betrachteten Lodovico il Moro stets als "ihren Vater", der nur ihr Bestes wollte. Ihre Mutter Bona von Savoyen, musste mit ansehen, wie ihr Schwager ihre Kinder manipulierte und ausnutzte, und konnnte nichts dagegen tun.
Am 20. November 1493 konnte der Heiratskontrakt zwischen der 21-jährigen mailändischen Prinzessin Bianca Maria und dem 34-jährigen Kaiser MAXIMILIAN I. unterschreiben werden, und am 30. November fand schließlich deren prächtige Hochzeit per procurationem in Mailand statt.
Bianca Marias Hochzeitstag sollte der letzte glückliche Tag in ihrem Leben sein. Drei Tage später machte sie sich mit einer Kavalkade von 600 Pferden auf in den Norden zu ihrem Gemahl. Von ihrer Familie blieb zumindest noch ihr Bruder Ermes Maria an ihrer Seite, dessen Aufgabe es war, seine Schwester dem Kaiser zu übergeben. Eine Reise im Winter übber die Alpen war an sich schon wenig erfreulich, aber dass Bianca Maria, die schließlich am 23. Dezember in Innsbruck eintraf, noch bis zum 9. März 1494 auf die erste Begegnung mit ihrem Gemahl in Hall warten musste, traf sie sehr. Ihre Ehe mit dem Kaiser verlief todunglücklich. MAXIMILIAN I. steckte seine jungen Gattin mit der Syphilis an, die er sich bei seinen vielenn außerehelichen Affären zugezogen hatte. Durch die Geschlechtskrankheit wurde Bianca Maria unfruchtbar. Da sie ihm deshalb keine Kinder schenken konnnte, verlor der Kaiser schon bald jegliches Interesse an ihr. An gebrochenem Herzen - sie litt schließlich sehr schwer an Depressionen und nahm überdies in den letzten Lebensjahren kaum noch Nahrung zu sich - starb sie am 31. Dezember 1510.
Das Ende des Jahres 1510 schloss mit dem Tod der Kaiserin Bianca Maria Sforza, der Cousine und Schwägerin von Isabella von Aragon, die am 31. Dezember verstarb. Das Leben an der Seite ihres Gatten, des Kaisers MAXIMILIAN I., war nicht besonders erfreulich und außerdem sehr einsam gewesen. Schlussendlich war ihr ihr Gatte für ihre schwere Depression und ihre Magersucht, an denen sie in ihren letzten Lebensjahren litt, verantwortlich. Sie schied daher sicherlich mit Freuden aus dieser Welt.





Verlobungen:
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 6.1.1474
1. oo Philibert I. von Savoyen
            
22.4.1482

2. oo Johann Corvinus
       
2.4.147312.10.1504

März 1492
3. oo Jakob IV. König von Schottland
        17.3.14729.9.1513 gefallen

 

16.3.1494
  oo MAXIMILIAN I. Deutscher König
  x  22.3.1459 12.1.1519
 
 
 
 

Literatur:
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Brambach Joachim: Die Borgia. Faszination einer Renaissance-Familie. Eugen Diederichs Verlag München 1995 Seite 43,102,176,210 - Breitner, Erhard: Maximilian I. Der Traum von der Weltmonarchie. Carl Schünemann Verlag Bremen-Wien 1939 - DIE HABSBURGER. Ein Biographisches Lexikon. Piper Verlag GmbH & Co. KG, München 1988 Seite 66-68 - Ehlers Joachim/Müller Heribert/Schneidmüller Bernd: Die französischen Könige des Mittelalters. Von Odo bis Karl VIII. 888-1498. Verlag C. H. Beck München 1996 Seite 373,375 - Hoensch, Jörg K.: Matthias Corvinus. Diplomat, Feldherr und Mäzen. Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 210,216,225,235 - Reifenscheid, Richard: Die Habsburger. Von Rudolf I. bis Karl I., Verlag Styria Graz/Wien/Köln 1982 Seite 88,90,93 - Schüller-Pirolli Susanne: Borgia. Die Zerstörung einer Legende. Die Geschichte einer Dynastie. Walter-Verlag Olten und Freiburg 1963 Seite 376 - Schüller-Pirolli Susanne: Die Borgia-Päpste Kalixt III. und Alexander VI. Deutscher Taschenbuch Verlag München 1979 Seite 287 - Tamussino Ursula: Margarete von Österreich. Diplomatin der Renaissance Verlag Styria Graz Wien Köln 1995 Seite 46-49,82,193 - Tamussino Ursula: Maria von Ungarn. Ein Leben im Dienst der Casa de Austria Verlag Styria Graz Wien Köln 1998 Seite 36,40-44,48, 56,144 - Theuer Franz: Der Raub der Stephanskrone. Der Kampf der Luxemburger, Habsburger, Jagiellonen, Cillier und Hunyaden um die Vorherrschaft im pannonischen Raum. Edition Roetzer Eisenstadt 1994 Seite 494 - Thiele, Andreas: Erzählende genealogische Stammtafeln zur europäischen Geschichte Band II, Teilband 2 Europäische Kaiser-, Königs- und Fürstenhäuser II Nord-, Ost- und Südeuropa, R.G. Fischer Verlag 1994 Tafel 443 - Vogt-Lüerssen, Maike: Die Sforza III. Isabella von Aragon und ihr Hofmaler Leonardo da Vinci. Books on Demand GmbH, Norderstedt 2010 Seite 124 -