ARPADEN
 

STAMMTAFEL im Anhang Band IX des Lexikons des Mittelalters

STAMMTAFEL in Balazs György/Szelenyi Karoly: Die Magyaren. Geburt einer Nation. Corvina Kiado Budapest Seite 44/45

Lexikon des Mittelalters: Band I Spalte 1022
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ARPADEN
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Die Nachkommen des ungarischen Großfürsten Árpád herrschten 400 Jahre in Ungarn, bis 1000 als Großfürsten, 1000 bis 1301 als Könige. In der Nachfolge Árpáds wurde der Seniorat durch die Primogenitur ersetzt, was 997-1163 zu Thronkämpfen führte. Nach Árpád folgte wahrscheinl. sein Neffe, dux Szabolcs, nach ihm sein Enkel Fajsz (Fales, Falitzi). Während ihrer Regierung führten sie beinahe fünfzig Streifzüge aus, durch welche sie die Lombardei (905-950), Sachsen (924-932), Byzanz und Bulgarien (934-957) zu Tributleistungen zwangen. Während der Regierung OTTOS I. wurden sie aus dem Reich verdrängt; um 950 bekehrten sich zwei ungarische Fürsten in Byzanz zum Christentum und riefen einen griechischen Bischof nach Ungarn. Nach der Niederlage auf dem Lechfeld knüpfte Fürst Taksony (Toxun, 955-970), Sohn von Zolta, Enkel von Árpád, friedliche Beziehungen zu den Nachbarländern an; seine Politik wurde von seinem Sohn Géza (Geysa, 970 bis 997) weitergeführt, der unter dem Druck Heinrichs II. des Zänkers Ostarrichi (Österreich) räumte und sich mit den Kaisern OTTO I. und II. versöhnte (972), einen lateinischen Bischof nach Ungarn rief und das Christentum mit Gewalt einführte.
Sein Sohn Stephan I. der Heilige (Waik) heiratete 996 Gisela, Tochter des Bayern-Herzogs Heinrich II., was den Einfluß bayerischen Kleriker und Adliger auf Ungarn begünstigte. Stephan besiegte die aufständischen ungarischen Großen, und als erster König des nun christianisierten Ungarn (1. Januar 1000-15. August 1038) baute er das System von Komitaten um 50 Burgen aus, errichtete Pfalzen (curtes) mit Hofdomänen und eine Kirchenorganisation mit zehn Bistümern. Er führte die Münzprägung, die Besteuerung des Gemeinvolkes und das lateinische Schriftwesen ein. 1018 eröffnete er den Pilgerweg nach Jerusalem über Ungarn, verlegte seinen Sitz von Gran (Esztergom) nach Stuhlweißenburg (Székesfehérvár). Da sein einziger Sohn, Emmerich der Heilige, 1031 starb, sein Vetter, der ARPADEN-Herzog Vasul, geblendet und dessen Söhne verbannt wurden, kämpften seine Neffen weiblicher Linie, Peter Orseolo aus Venedig (1038-1041, 1044-46) und Samuel Aba (1041-1044) um die Herrschaft. Der von König HEINRICH III. unterstützte Peter wurde durch die heimgekehrten Söhne des Vasul, Andreas (I.) und Bela (I.), verjagt, von denen die späteren arpadischen Könige abstammen:
Andreas I. (1046-1063) schlug den ersten Heidenaufstand nieder und warf den Angriff HEINRICHS III. zurück (1051), schloß mit ihm Frieden und brachte eine Ehe zwischen der Kaiser-Tochter Judith und seinem Sohn Salomon (1063-1073) zustande. Gegen die Krönung Salomons erhoben sich mit Erfolg der im Ducatus des Landes regierende Onkel Béla I. (1061-1063) und dessen Sohn, Géza I. (1074-1077), während Ladislaus I. der Heilige der Herrschaft Salomons in Preßburg (Pozsony, heute Bratislava) ein Ende machte. Das ungarische Königtum erhielt während der Regierung Ladislaus I. (1077-1095) und Kolomans des Buchkundigen (1095-1116) jene weltliche und kirchliche Struktur, die es bis zur Mitte des 12. Jahrhunderts hatte. Ladislaus und Koloman besetzten das Küstengebiet von Alt-Kroatien, Dalmatien und die moesischen (bosnischen) Gebiete südlich der Save. Ladislaus kämpfte mit Erfolg gegen die nomadisierenden Petschenegen und Kumanen; Koloman hingegen vernichtete zwar die ersten plündernden Kreuzfahrer, sicherte aber den Durchzug der Kreuzritter (1096). Im Gegensatz zwischen dem Papsttum und dem Kaisertum standen die arpadischen Könige zumeist auf der Seite der Reform-Päpste. Zur Unterstützung des Zölibats organisierte Ladislaus Domkapitel, gründete die Bistümer von Großwardein (Várad) und Agram (Zagreb), vereinte das griechische Bistum Bács mit dem lateinischen Erzbistum Kalocsa; Koloman stiftete das Bistum Neutra (Nytria, heute Nitra). Auf Synoden regelten sie die Stellung der Kirche. Ladislaus festigte durch strenge Strafgesetze die aufgelösten Eigentumsverhältnisse; Koloman förderte die Organisation des Königtums. Seinen aufständischen Bruder Almos ließ er samt dessen Sohn Béla blenden, um die Regierung seines eigenen Sohnes, Stephan II. (1116-1131) zu sichern. Der Jüngling, der sich auf unsinnige Kriege einließ (1116 Böhmen, 1123 Rußland, 1127-1129 Byzanz), bestimmte auf seinem Sterbebett seinen Vetter Béla den Blinden (1131-1141) zu seinem Nachfolger. An seiner Statt regierten seine Frau, die Serbin Ilona, und sein Schwager, Ban Belos, die die Anhänger Kolomans bei einem Reichstag niedermetzeln ließen, die außenpolitische Stellung des Landes jedoch mit kräftiger Regierung zu sichern verstanden. Béla II. nahm den Titel eines Königs von Bosnien an.
Unter Géza II. (1141-1162), dem Sohn von Béla dem Blinden, gewann Ungarn jene Großmachtstellung, die es ein Jahrhundert lang einnahm. Géza kämpfte mit Erfolg im Interesse seines Schwagers Izjaslav, Großfürst von Kiev (1148-1152), und gegen seinen Verwandten Manuel Komnenos, Kaiser von Byzanz (1152-56), der Ungarn angriff; während seiner Regierung wurde die Organisation der 72 Komitate ausgebaut:
Zu dieser Zeit wurden in Siebenbürgen und in der Zips die ersten sächsischen Kolonien gegründet (Kolonisation und Landesausbau); die Johanniter und die Kreuzherren der Stephaniter fanden Eingang in Ungarn.
Sein Sohn Stephan III. (1162-1172) kämpfte während seiner ganzen Regierung gegen Manuel, der für kurze Zeit den älteren Thronprätendenten, Ladislaus II. (1162-1163) und Stephan IV. (1163), zum Thron verhalf. Letzten Endes gelangte Béla III., den Manuel in Byzanz erzogen und zuerst zu seinem Nachfolger bestimmt hatte, auf den ungarischen Thron (1172-1196):
Er schloß Dalmatien und Kroatien wieder an Ungarn an, reformierte die königliche Kanzlei, regelte das Finanzwesen des Landes und stiftete mit seiner zweiten Frau, Margarethe Capet, Zisterzienser-Klöster in Ungarn. Von seinen Söhnen heirateten Emmerich (1196-1204) Konstanze von. Aragón und Andreas II. (1205-1235) Gertrud von Meranien. Unter ihnen wuchs der westeuropäische Einfluß in Ungarn; das Gefolge der Königin erhielt große Landschenkungen; die Auflösung der königlichen Burg- und Hoforganisation begann; die Städte entwickelten sich durch neue Kolonisten; die zumeist unbewohnte Gebirgslandschaft der Karpaten wurde besiedelt, Andreas II. stärkte seine außenpolitische Position, seine Innenpolitik wurde jedoch von Kämpfen zwischen dem Hoch- und Kleinadel und der Kirche gelähmt; das Ergebnis war die »Goldene Bulle« (1222), die ungarische Magna Charta, und ihre Revision (1231).
Die Regierung seines Sohnes, Béla IV. (1235-1270) wurde durch den Mongolen-Einfall (1241/42) und den Wiederaufbau des verwüsteten Landes beeinflußt. In der verödeten ungarischen Tiefebene siedelte er nomadisierende Kumanen an, seinen Sohn Stephan V. verheiratete er mit der kumanischen Prinzessin Elisabeth, übergab ihnen mit dem Titel des »Rex iunior« die östliche Hälfte des Landes, was zu Kämpfen zwischen Vater und Sohn führte. Er unterstützte die Entwicklung der Städte und den Burgenbau der Großen. Die Folge war die Stärkung feudaler Gruppen.
Nach der kurzen Regierung seines Sohnes Stephan V. (1270-1272) regierte der junge Ladislaus IV. (1272-1290) unter dem Einfluß seiner kumanischen Mutter und deren Umgebung, was ihn mit der Kirche und der Mehrheit der Oligarchie in Konflikt brachte und zu inneren Kämpfen führte.
Nach seinem gewaltsamen Tode wurde ein nach Italien verschlagener Nachkomme der
ARPADEN, Andreas III., auf den Thron berufen (1290-1301). Mit seinem Tod (14. Januar 1301) erlosch der Mannesstamm der ARPADEN; seine einzige Tochter Elisabeth starb im Dominikanerinnen-Kloster zu Töss (Schweiz) am 6. Mai 1338. Nach einem zehnjährigen Ringen um die Macht bestieg mit Karl-Robert Anjou eine neue Dynastie den ungarischen Thron. Ungarn, Anjou.
G. Györffy

Literatur:
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M. Wertner, Az Árpádok családi története, 1892 (Biogr. Genealogie)
G. Pauler, A magyar nemzet története az árpádházi királyok alatt, 2 Bde, 1899
Árpád és az Árpádok, hg. D. Csánki, 1907
Hóman, I.