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21. Mai 2009

Herr Herbert M. schrieb: Hallo Herr Hiebl,

es ist ja immer wieder erstaunlich, was manche Leute für einen Aufwand betreiben, sich im Internet vor Bekannten und aller Welt darzustellen.

Ich bin bei den Reisevorbereitungen für meine 4. Peru-Reise zufällig über Ihren Reisebericht gestolpert und möchte ein paar Anmerkungen zu Dingen machen, die man so nicht stehen lassen kann. Zunächst einmal haben Sie einen Link für einen Peru-Reisebericht angebracht, genauer hingeschaut handelt es sich um eine organisierte vierwöchige Reise durch Argentinien, Bolivien und Peru, wobei ich beim Lesen den Eindruck habe, Sie haben Peru als letzte Station gerade mal eine Woche zu Gesicht bekommen. Konkret: Titicacasee, Region Cuzco mit Machu Picchu und Lima. Außer Lima sind diese Reiseziele die von Touristen „überlaufensten“, und ich muß gestehen, daß ich dort nur wegen der Sehenswürdigkeiten war. Der Massentourismus mit all seinen Begleiterscheinungen hat aus diesen Orten etwas gemacht, was nicht dazu geeignet ist, das Land wirklich kennenzulernen, und schon gar nicht in einer Woche. Andere Orte haben mindestens genau soviel zu bieten, man wird aber als europäischer Individualreisender nicht ständig von Schleppern, Bettlern und anderen Leuten bedrängt. Beispiele: Region Arequipa, Colca, zentrales Hochland (Huancayo, Ayacucho), Cordilleras Blancas (Region Huarez), nördliche Küste. Dabei kann man aber keinen Luxusurlaub wie in Europa erwarten, obwohl es immer mehr 5-Sterne-Hotels in den „abgelegenen“ Gegenden in Peru gibt.

In Cuzco haben Sie sich (angeblich) illegal originale Grabbeigaben aus Keramik gekauft. Es gibt jede Menge Leute, die diese Keramiken perfekt fälschen, wobei eine gute Fälschung wohl teurer ist, als ein Original auszubuddeln. Die meisten in Peru verkauften Originalkeramiken kommen aus der Region um Nazca und den Gräberfeldern an der Südküste und werden dann an die naiven Touristen für 20 bis 30 Dollar verscherbelt. Wenn Sie in Nazca gewesen wären, hätten Sie sich die kilometerlangen, von Grabräubern geplünderten und wie ein Schweizer Käse durchlöcherten Friedhöfe anschauen sollen. Und wenn sich dann noch jemand in aller Öffentlichkeit damit brüstet, er konnte einfach nicht widerstehen, dann dreht sich mir der Magen um. Am Ausverkauf der Kulturschätze dieses Landes sind hauptsächlich die Touristen schuld.

Das Goldmuseum in Lima: Sicher ein einmaliges „Museum“, obwohl es eigentlich nur eine Sammlung ist. Wenn hier nicht so viel Gold zu sehen wäre, würde sich das niemand antun. Es entpuppte sich mir als wahllos zusammengewürfelte Anhäufung von Grabbeigaben aus Gold, das den Besitzer wohl allein durch die saftigen Eintrittsgelder zum reichsten Mann Perus gemacht hat. In Cuzco oder andernorts im Land, wo diese Funde herkommen, sucht man in den Museen vergeblich nach goldenen Objekten. Wesentlich besser und billiger beim Eintritt ist das Museo Nacional in Lima. Es ist sehr gut gegliedert und bietet wesentlich mehr Informationen zu den alten Kulturen.

Zu Lima noch: klar sind die Vororte verdreckt, Lima leidet genauso wie viele andere Millionenstädte der Welt an der zunehmenden Landflucht der Bevölkerung. Die Stadt wächst schneller, als die Infrastruktur gebaut werden kann. In den letzten Jahren hat sich in vielen Vierteln im zentrumsnahen Lima jedoch einiges getan. Auch sieht man in diesen Stadtteilen kaum noch Müll rumliegen. Miraflores ist zwar der „unperuanischste“, aber damit für mich auch der langweiligste Stadtteil Limas, hier wohnen einfach zu viele Nordamerikaner und Europäer, eine gute Alternative für Verwöhnte ist Barranco. Aber auch direkt im Zentrum gibt es gute Unterkünfte, und man spart Zeit bei der Besichtigung der Stadt.

„Wirklich schöne Menschen findet man unter den Mestizen kaum, und falls doch, so sind es die mit den uns vertrauten Gesichtszügen.“

„Am wenigsten sind es die Menschen, die es mir angetan haben, zu stolz und zurückhaltend einerseits, zu sehr bettelnd und aufdringlich andererseits, als daß sie mich in ihren Bann ziehen könnten.“

Hier spricht der hochnäsige, etwas weltfremde und konservative Mitteleuropäer, wie er im Buche steht. Ich frage mich immer, wieso Leute, die so sind, in so ein Land fahren und dann feststellen, daß es nicht an jeder Ecke „kulinarische Köstlichkeiten“ nach ihrem Geschmack gibt, und daß die Leute nicht so aussehen wie zu Hause. Daß die Leute in Ihren Augen nicht „schön“ sind liegt wohl eher daran, daß Sie Ihr ganzes Leben lang nur Bleichgesichter um sich rum hatten. Und daß die Menschen Sie nicht in Ihren Bann gezogen haben liegt mit daran, daß Sie nur in den vom Tourismus verdorbenen Hochburgen waren, wo Ausländer nur als wandelnde Dollars angesehen werden. Auch liegt es an der Durchorganisiertheit einer Pauschalreise, wodurch man wenig Möglichkeit hat, echten Kontakt zur normalen Bevölkerung zu haben.

Acht Zwischenfälle in vier Wochen? Das ist rekordverdächtig. Wir hatten bei 3 ausgedehnten Reisen in Peru keinen einzigen Zwischenfall. Anfangs sind wir mal einigen Schleppern auf den Leim gegangen und hatten dadurch preisliche Nachteile, aber daraus lernt man. Niemals bin ich bestohlen oder ausgeraubt worden. Meistens liegt es daran, daß sich die Leute wie typische Touristen verhalten: Auffällige Kleidung, Schmuck, teure Uhr und dicker Fotoapparat, Geld wird unsicher und sichtbar bei sich getragen etc. Auch das Reisen in großen Gruppen ist wohl nicht unbedingt sicherer. In allen Ländern mit hoher Armut muß man sich auch entsprechend verhalten.

Mit freundlichen Grüßen

Herbert M.

Antwort: Sehr geehrter Herr M.,

vielen Dank, daß Sie meinen Reisebericht gelesen haben, denn das haben Sie offenbar gründlich getan. Ich lasse mir gerne Kritik gefallen, und ich weiß auch damit umzugehen. Auch kann ich nachfühlen, wie Sie sich fühlen müssen, wenn jemand wie Sie, der der eigentliche "Profi" ist, auf Amateure wir mich trifft; diese Anmaßung bitte ich zu entschuldigen.

Ich gebe Ihnen sogar in den meisten Dingen recht, nur eines kann ich wiederum so nicht stehen lassen: um kulinarische Köstlichkeiten zu erleben, habe ich die Reise bestimmt nicht durchgeführt, damit unterstellen Sie etwas, was ein völlig falsches Bild von mir überliefert. Hochnäsigkeit lasse ich mir gerade noch vorwerfen, ohne es als schwere Beleidigung zu empfinden, auch die konservativen Elemente meiner Person haben Sie sicherlich richtig erkannt. Weltfremdheit allerdings lasse ich mir gewiß nicht nachsagen, denn fremd fühle ich mich eigentlich nur in meinem eigenen Land.

Im übrigen heißt die Seite "Reisebericht Argentinien - Bolivien - Peru", egal, über welche Links Sie zu ihr gelangt sind. Natürlich werde ich Ihre Kommentare als Leserbrief abdrucken, damit Ihre Richtigstellungen auch zu ihrem Recht kommen. Es ist mir herzlich egal, wenn den Reisebericht dann keiner mehr liest, der zuvor durch Ihre Kommentare vorgewarnt wurde.

Eines aber möchte ich mir ganz gewiß vorbehalten. Ich schreibe sicher nichts, was andere gerne hören möchten. Vielmehr ist es mir eine Genugtuung, wenn andere sich ein bißchen über mich ärgern, da ich ja gar keine objektiven Aussagen gemacht habe, sondern stets nur subjektive.

Mit freundlichen Grüßen

Manfred Hiebl